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Predigt von Pfarrer Martin Schuler am 24. Juni 2001
Liebe Gemeinde,
wen hielt Jesus für den größten, den wichtigsten Menschen,
der je auf der Erde gelebt hat? Auf wen tippen Sie? Hören wir einmal, was er
dazu sagt: Ich lese aus Mt. 11, 11- 15
11:11 Das eine versichere ich euch: Von allen Menschen, die je geboren
wurden, ist keiner bedeutender als Johannes der Täufer. Trotzdem werden die
Geringsten im Reich Gottes größer sein als er.
11:12 Seit Johannes der Täufer da ist, richtet Gott seine Herrschaft auf, wenn
auch Gewalttätige versuchen, es zu verhindern.
11:13 Das ganze Gesetz und die Propheten bis hin zu Johannes haben darauf
hingewiesen.
11:14 Wenn ihr es begreifen könnt: Er ist Elia, von dem die Propheten sagten,
dass er kommen wird, wenn Gottes Königreich beginnt.
11:15 Hört auf meine Worte und handelt danach.
Johannes – nach Jesus der bedeutendste Mann der Weltgeschichte. Wer war dieser
Mann? Wie in der Lesung gesagt wurde, war er der Sohn eines Priesters.
Irgendwann als junger Mann zog er in die Wüste. Das Gebiet am Jordan kurz vor
dem Toten Meer ist bereits eine Wüste. Dort lebte Johannes denkbar einfach. Er
verzichtet auf jeglichen Luxus. Er besitzt keine große Garderobe: Ein Gewand aus
Kamelhaaren mit einem Gürtel zusammengebunden. Mehr nicht. Ebenso ist seine
Speise denkbar einfach. Er musste nicht groß für sie arbeiten, um sie zu
verdienen: Ein paar Heuschrecken und hin und wieder etwas wilden Honig. Johannes
läuft nicht den Leuten hinterher. Sie kommen zu ihm. Sie kommen in Scharen. Er
hat eine charismatische Ausstrahlung. Er will allein Gott dienen. Und darum hat
er vor den Menschen keinerlei Angst. Hin und wieder kamen auch vornehme und
fromme Leute zu ihm in die Wüste.
Johannes schmeichelt ihnen nicht: Er begrüßt sie mit: "Ihr Schlangenbrut".
Stellen Sie sich einmal vor, eine hochgestellte Persönlichkeit käme zu uns in
den Gottesdienst und ich würde diese Person als Schlangenbrut und Verführer
empfangen. Ich glaube, ich bekäme da Schwierigkeiten. Dennoch kamen die Menschen
scharenweise zu ihm.
Ebenso nimmt Johannes kein Blatt vor den Mund, um den König Herodes Antipas zu
ermahnen. Sein Verhältnis zu einer verheirateten Frau ist gegen Gottes Gebot.
Punkt. Da gibt es nichts zu rütteln und das wird auch in Gottes Namen gesagt.
Aber das kostete ihn später den Kopf.
Johannes predigte das Nahe Ende. Er sagte: Bald ist es soweit und Gottes
Herrschaft beginnt. Seid ihr dazu bereit? Seid ihr mit Gott im Reinen, habt ihr
in eurem Leben klar Schiff gemacht.
Und jeder, der mit Gott ernst machen wollte, konnte sich bei Johannes taufen
lassen. Die Taufe bei Johannes versinnbildlichte, dass die Sünden des Alten
Lebens abgewaschen wurden.
Gleichzeitig wies er drohend auf das kommende Ende hin: Er sah die Zeit
gekommen, dass ein Messias mit der Sünde der Welt aufräumen würde. Bekannt sind
seine Worte:
„Es ist schon die Axt an den Bäumen an die Wurzel gelegt;
jeder Baum, der nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen
... Ich taufe euch mit Wasser, es kommt aber einer, der ist stärker als ich, und
ich bin nicht wert, dass ich ihm die Riemen seiner Schuhe löse; der wird euch
mit dem heiligen Geist und mit Feuer taufen. In seiner Hand ist die Worfschaufel
und er wird seine Tenne fegen und wird den Weizen in seine Scheune sammeln, die
Spreu aber wird er mit unauslöschlichem Feuer verbrennen.“
Dies nahmen sich die Leute zu Herzen und sie änderten sich und wandten sich Gott
neu zu.
Ich glaube darin ist Johannes der größte unter allen Menschen. Er bereitete das
Volk Israel auf das Kommen Jesu vor. Und darin war er einzigartig,
unbestechlich, erfolgreich. Ein Urgestein von Prophet und Prediger.
Und dennoch fügt Jesus hinzu: Der kleinste im Reich Gottes wird größer sein als
er. Wie ist das zu verstehen?
Im Evangelium heißt es:
„Welche aber Jesus aufnahmen und an ihn glaubten, denen
gab er die Macht, Gottes Kinder zu heißen.“
Der Kleinste im Reich Gottes, derjenige, der an Jesus glaubt, ist unabhängig von
seiner Leistung, un-abhängig von seiner Würde ein Kind Gottes. Johannes in
seiner Eigenschaft als Prophet ein Diener Gottes. Würde man den Himmel mit einem
großen Betrieb vergleichen, so wäre Johannes als Unternehmenssprecher der
wertvollste und tüchtigste Mitarbeiter der Firma durch dessen Werbekampagne das
Produkt zum Verkaufsschlager wird und der große Durchbruch gelingt. In solch
einem Betrieb wäre Johannes der wichtigste Mann. Doch jedes eigene Kind des
Unternehmers, und wäre es auch noch so unbegabt und unwürdig, wäre dennoch
wichtiger als dieser eine geniale Mitarbeiter. Und darum ist der kleinste des
Reiches Gottes größer als Johannes. Denn auch der unbedeutenste Mensch, der an
Jesus glaubt, ist ein Kind Gottes. Und das verleiht jedem Menschen eine
unermesslich große Würde.
Und noch ein zweites. Johannes predigt von einem Messias, der mit Gewalt kommt.
Die Prophezeiung von Johannes ging nicht sofort in Erfüllung. Jesus ist keiner,
der die Axt an den Baum legt und einen fällt, er ist nicht derjenige, der mit
einer eisernen Schaufel die Tenne fegt und Spreu vom Weizen trennt. Er ist nicht
der, der mit Feuer und Schwefel Gericht über die Gottlosen bringt. Vielmehr ist
er unendlich sanftmütig und geduldig mit den Menschen. Er ist wie ein Lamm, das
niemandem etwas zuleide tun kann unter Wölfen. Er hilft, er richtet auf, er
tröstet, er überzeugt. Aber er schlägt nicht mit der Axt drein.
Die Folge seiner Gewaltlosigkeit ist: Er muss Gewalt erleiden, von den
Mächtigen. Er ist nicht der Hammer, sondern der Amboss. Sein Reich wächst
langsam. Es ist kein Blitzkrieg, eine Eroberung im Schnelldurchgang.
Viele legen dieses langsame Wachsen, dieses Leiden Jesu als Schwäche aus. Auch
Johannes schien daran zu verzweifeln, als er im Gefängnis gesetzt wurde und von
Jesu Seite politisch nichts unternommen wurde. Doch dieses Leiden Jesu ist keine
Schwäche, sondern ein Abwarten. Es ist die offene Tür Gottes. So gibt er jedem
Menschen die Möglichkeit umzukehren. Bevor er Richter wird, ist er erst einmal
Retter aus dem Gericht. Es ist Gnade, dass er noch nicht mit Feuer und
Worfschaufel die Menschen richtet.
Ich denke aber, Johannes hat sich dennoch nicht geirrt. Und so ist seine
Botschaft bis heute brandaktuell. Es wird der Tag kommen, wenn das Maß voll ist.
Der Tag an dem Gott abrechnet, dass es keine Möglichkeit zur Umkehr mehr geben
wird. Doch im Augenblick ist sein Herz noch ganz offen. In Jesu Namen ruft es
laut in die Welt:
„Kehrt um und glaubt an das Evangelium.“
Wir tun gut daran, wenn wir, bietet sich die Gelegenheit, den Menschen mutig wie
Johannes von dieser Zeit der Gnade erzählen. Wir tun gut daran, wenn wir uns auf
diesen Tag einrichten und wie die Menschen zu Zeiten von Johannes umkehren und
uns neu zu Gott wenden.
Amen.
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