|
Mein Werdegang als Christ:
1989 besuchte ich die Abendschule (Einstieg 12. Klasse - Abitur) und
schrieb mich, meiner Frau zuliebe, auch in dem Fach katholischen
Religionsunterricht ein. Meine Frau hatte mich mit den Worten "Etwas
Religionsunterricht kann dir auch nicht schaden" dazu verführt.
Es waren schon zwei bis drei Wochen vergangen, da fragte mich in der Schule
eine junge Frau namens Hetti, ob ich auch am Religionsunterricht
teilnehmen würde und wie der Unterricht denn so wäre. Wahrheitsgemäß
antwortete ich ihr, dass er mir sehr gut gefiele, denn wir hatten einen
wirklich guten Lehrer.
In der nächsten
Stunde nahm dann auch Hetti am Unterricht teil. Sobald unser Lehrer nun
etwas "biblisches" erzählte, fragte Hetti ihn oft, wo das denn
in der Bibel stünde. Er erklärte dann oft, dass man das Ganze nur aus der Tradition heraus
verstehen könne und erzählte uns dann wie es dazu gekommen war. Während dem
Unterricht geschah es mehrmals, dass Hetti mit einer Bibel bewaffnet,
unseren Lehrer widerlegte. Sehr beeindruckend fand ich es einmal, dass
unser Lehrer offen zugab, dass Hetti Recht habe, er als katholischer
Religionslehrer es aber so lehren müsse.
Hetti animierten mich intensiv die Bibel zu lesen. Da ich grundsätzlich
Bücher von hinten beginne, nahm ich mir die Offenbarung des Johannes vor
und stieß auf folgenden Vers:
"Ehre, Anbetung, Herrlichkeit
und Macht gebührt ihm der auf dem Thron sitzt und dem Lamm für immer und
ewig." (Offenbarung Kapitel 5.13)
Durch diesen Vers kam ich zum Glauben.
Die Ehre
gebührt ihm der auf dem Thron sitzt und dem Lamm. Die Anbetung
gebührt ihm der auf dem Thron sitzt und dem Lamm. Die Herrlichkeit
gebührt ihm der auf dem Thron sitzt und dem Lamm. Die Macht gebührt
ihm der auf dem Thron sitzt und dem Lamm.
Wahnsinn,
dachte ich damals, damit ist ja genau der Teil der katholischen
Kirchenlehre widerlegt, der mich immer so störte (Menschenverehrung,
Menschenanbetung, Menschenverherrlichung). Übrigens, mit der Ehre
habe ich dann doch noch meine Probleme bekommen, schließlich soll man ja
auch Vater und Mutter ehren. Dazu aber später mehr.
Ein paar Tage später lud mich Hetti in ihre Gemeinde nach Aachen ein. Von
der Predigt war ich tief ergriffen, denn ich hatte das Gefühl dass jedes
Wort für mich bestimmt war. Nach der Predigt fragte der Pfarrer, ob jemand
sein Leben Jesus übergeben möchte. Ich habe meine Hand gehoben und es
wurde für mich gebetet. Ich ging dann noch ein paar mal in diese Gemeinde
bevor ich dann in Eupen nach einer Gemeinde suchte.
Hetti hatte übrigens ihre Schule kurz darauf abgebrochen. Ihre folgende
Geschichte hat mich dann tief bewegt. Die ersten zwei, drei Wochen des
neuen Semesters kam sie nicht zur Schule, weil sie aufhören wollte. Jedoch
habe sie vom Herrn den Auftrag erhalten, doch noch zur Schule zu gehen.
Nachdem ich zum Glauben gekommen war, sagte sie mir, dass ihr Auftrag
beendet sei und sie die Schule nun verlassen würde.
Ich Eupen gab mir ein Freund den Tipp, mal in die Bibelstunde der
evangelischen Landeskirche zu gehen. Obwohl er der Gemeinde nicht
angehörte, erfuhr ich von ihm Ort und Uhrzeit. Na ja, dachte ich,
Landeskirche, dass kann ja schon nichts sein. Doch ich sollte mich irren.
An der Tür begrüßte mich Pfarrer Jürgen Ullmann und fragte mich was ich
denn hier wolle. Ich fragte ihn vorsichtig, ob denn hier nicht die
Bibelstunde sei. Er sagte: "Doch, doch, aber man erlebt es halt äußerst
selten, dass ein Fremder kommt". Dann begann die Bibelstunde und ich war
überrascht, dass jeder eine Bibel dabei hatte. So packte ich auch meine
Bibel aus. Pfarrer Ullmann las einen Bibeltext vor und anschließend
sprachen wir unter seiner Anleitung über diesen Bibeltext. Jedes Mal, wenn
mir etwas komisch vorkam - und das war an diesem Abend sehr oft - fragte
ich sofort: "Wo steht denn das, was Sie da erzählen?". Geduldig schlug
Pfarrer Ullmann Bibelstellen auf, las sie mir vor und erklärte sie mir.
Dabei waren die Erklärungen für mich so klar und einleuchtend, dass es
daran auch nichts zu rütteln gab. Ich war sehr, sehr beeindruckt.
Am nächsten Sonntag ging ich dann zum ersten Mal in einen evangelischen
Gottesdienst, jedoch ohne besondere Erwartungshaltung, schließlich war es
ja eine Landeskirche, so dachte ich. Und ich hatte recht! Ich habe
überhaupt nichts verstanden und der ganze Ablauf erschien mir recht
altmodisch. So sagte Pfarrer Ullmann einmal: "Der Geist Gottes sei mit
euch". Ein paar antworteten dann im Gesang "Und mit seinem Geiste"
und ein paar andere "Und mit deinem Geiste". Ich nix begreifen. So
wurden auch uralte Lieder gesungen, die mich nun wirklich nicht
beeindruckten. Aber dann kam die Predigt von Pfarrer Ullmann und die
begeisterte mich richtig. Hier wurden klare Worte gesprochen, die ich auch
verstand. Ich spürte, dort oben auf der Kanzel wird das Wort Gottes
gepredigt. Alles was mich vorher gestört hatte, war wie weggewischt. So
ging ich ab diesen Tag jeden Sonntag gerne in den Gottesdienst und freute
mich auf die Predigt. Später habe ich mich auch mit der traditionellen
Liturgie auseinandergesetzt und sehe heute vieles mit anderen Augen.
Jedoch wird sie auf einen Kirchenneuling - wie bei mir - mit Sicherheit
befremdlich wirken. Übrigens antwortet man dem Pfarrer: "Und mit deinem
Geiste". Früher war es halt üblich, dass ein Liturg den Gottesdienst
begann und der Pfarrer erst mit den Worten "Der Geist Gottes sei mit
euch" in den Ablauf des Gottesdienstes eingriff. Kann es eine schönere
Begrüßung geben? Nur habe ich sie nie als Begrüßung verstanden, weil der
Pfarrer ja schon vorher den Gottesdienst leitete.
1993 nahm der
Jugendgottesdienst (heutige Lobpreisgottesdienst) Einzug in die Gemeinde.
In diesem Gottesdienst war auch vorgesehen, dass jeder die
Möglichkeit bekommen sollte, nach vorne kommen und von einer Glaubenserfahrung zu erzählen. Pfarrer Ullmann fragte mich vor diesem
ersten Jugendgottesdienst, ob ich im Gottesdienst nicht Zeugnis geben könnte. Ich
willigte ein und entschloss mich der Gemeinde zu erzählen, wie ich zum
Glauben gekommen war.
Doch nun hatte
ich ein Problem. Schließlich wollte ich auch erzählen, wie ich über den
obigen Bibelvers zum Glauben gefunden hatte. Aber auf die folgende Frage
hätte ich keine Antwort gehabt: "Du erzählst da was von der
Ehre, die nur ihm der auf dem Thron sitzt und dem Lamm gebühren soll. Man
soll aber auch Vater und Mutter ehren. Das steht auch in der Bibel. Das
widerspricht sich doch. Da kann doch was nicht stimmen."
Daraufhin
sprach ich mit Pfarrer Ullmann darüber und auch noch mit anderen
Gemeindegliedern. Am plausibelsten erschien mir noch die Antwort, dass es
sich hier um unterschiedliche Arten der Ehre handeln solle. Jedoch
überzeugte mich dies überhaupt nicht. Da ich keine befriedigende Antwort
bekommen hatte und ich auch keine Antwort in der Bibel fand, wandte ich
mich direkt im Gebet an Jesus. Der muss es ja schließlich wissen, dachte
ich. Und so wartete ich auf Antwort und wartete und wartete. Obwohl ich
ganz ganz fest mit einer Antwort rechnete wurde ich langsam ungeduldig, denn es war schon Freitag Abend. Und so beklagte
ich mich im Gebet: "Herr, wenn Du mir jetzt keine Antwort gibst, dann
stehe ich Sonntag im Gottesdienst und weiß keine Antwort auf diese Frage.
Bitte antworte doch endlich." Zu dieser Zeit saß ich übrigens im Auto und
stand vor einer roten Ampel.
Und dann passierte es. Vor meinen Augen erschien eine große schwarze Tafel
und auf dieser Tafel lief eine brennende Schrift von rechts nach links ab
mit dem folgenden Wortlauf:
Du sollst Vater und Mutter ehren
denn dadurch ehrst du mich.
Und dann hörte
ich noch eine Stimme die sagte: Denn es ist mein Gebot.
Ich habe damals das Geschehen als völlig normal empfunden und finde es
auch noch heute völlig normal, schließlich hatte ich damals ja nur eine
Antwort von meinem Vater erhalten. Ich habe noch mehr solcher
Erfahrungen gemacht und bin meinem Vater für jede einzelne Erfahrung
unendlich dankbar. Übrigens war diese Antwort so einfach und logisch, dass
ich mich heute wundere nicht selbst darauf gekommen zu sein.
Heute arbeite ich seit 1997 im Presbyterium mit und bin
unter anderem für die Gottesdienstgestaltung mitverantwortlich. Im
Presbyterium gab es schwere aber auch sehr schöne Zeiten. Begriffen habe
ich in dieser Zeit eins: Wir dürfen uns streiten und unterschiedlicher
Meinung sein, solange dies in der Liebe Jesu geschieht. |