Evangelische Kirchengemeinde Eupen - Neu Moresnet 

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Chronik Eupen                                    

   

Die Chronik der evangelischen Gemeinden in Ostbelgien

Die Verbreitung der Lehre Martin Luthers in Eupen und Umgebung gekennzeichnet durch Verfolgungen, Verhaftungen und Hinrichtungen

Die im Gemeindearchiv vorhandenen Urkunden gehen bis ins Jahr 1632 zurück, weisen aber darauf hin, dass die Geschichte der Gemeinde schon viel früher begann. Seit 1520 arbeitete Kaiser Karl V. mit besonderen staatlichen Verordnungen gegen das Luthertum in den Niederlanden. Die Lehre Martin Luthers hatte in Antwerpen Eingang bei den Augustinern gefunden und sich rasch im ganzen Lande verbreitet. Es ist überliefert, dass bald nach 1520 zwei Schüler Luthers im Lande gepredigt haben und Luthers Lehre in Belgien durch die deutschen Söldner Karl V. verbreitet wurde.

Drei Antwerpener Augustiner, Heinrich Voes, Johann Essch und Lambert Thorn wurden verhaftet und als sie ihren Glauben nicht widerriefen, zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde an den beiden Erstgenannten am 1. Juli 1523 durch Verbrennen auf dem Grand´ Place in Brüssel öffentlich vollstreckt. Sie sind die ersten Märtyrer der Reformation! Der dritte Verurteilte blieb im Gefängnis, sein Schicksal ist unbekannt.

Am 10. November 1534 erließ Karl V. ein Edikt, in dem die Schöffen von Limburg (Eupen und Umgebung gehörten zur Provinz Limburg) mit dem Prozess gegen die Lutheraner und anderen Ketzer betraut wurden. Es erfolgten viele Vernehmungen und Verurteilungen. In einem Untersuchungsprotokoll vom 20. Juli 1565 ist die Rede von 464 Personen aus Baelen, Overroth, Nereth, Eupen und Nispert.

Franciscus Junius, der Reformator des Eupener Landes und die ersten heimlichen Gottesdienste in Nispert sowie die Entstehung einer heimlichen Eupener Gemeinde

Franciscus Junius wurde als Sohn des königlichen Rats und Kriegskommissars Dionys du Jong, dessen Vater in den Adelsstand erhoben worden war, am 1. Mai 1545 in Bourges in Frankreich geboren. Wegen eines Volksaufstandes kam er aufs Dorf, wo er durch den Besuch eines reformierten Gottesdienstes und Unterredungen mit seinem Vater veranlasst wurde, das Neue Testament zu lesen. Das erste Kapitel des Johannesevangeliums ergriff ihn besonders, und er fand den Weg zum evangelischen Glauben. Nachdem sein Vater von einer fanatischen Menge erschlagen worden war, entschloss sich Franciscus in Genf Theologie zu studieren, wo er besonders von Calvin beeinflusst wurde.

Im April 1565 berief ihn die wallonische Gemeinde Antwerpen zu ihrem Prediger. Auf dem Wege nach Antwerpen hatte Franziskus Junius auch im Eupener Lande gepredigt. Diese kurze Tätigkeit in unserer Heimat hatte große Folgen, denn seit Junius gibt es eine reformierte Gemeinde in Eupen, die ihren Bestand auch unter größten Schwierigkeiten erhalten hat. Im Hause des Cloisse Pruken (Pruwken) in Nispert wurde ab 1565 heimlich evangelischer Gottesdienst gehalten. Als sicher gilt, dass eine evangelische Gemeinde reformierter Prägung in Eupen seit 1566 besteht, die als heimliche Gemeinde unter dem Kreuz mutig zu ihrem Glauben stand.

In Antwerpen erlebte Franziskus Junius mancherlei Verfolgungen. Auch begegnete ein Teil der Gemeinde "dem Franzosen" mit ausgesprochenem Misstrauen, das er allmählich durch Geduld und Glauben überwand. Das Jahr 1565 war eine Zeit, in der man allgemein auf eine Freigabe der Religionsausübung hoffte, um so mehr, als ja auch die Türken die Christen ungestört ihren Glauben leben ließen. Franciscus Junius erhielt den Auftrag, ein Glaubensbekenntnis aufzustellen. Ebenfalls sollte er die ehrwürdige Confessio Belgica überarbeiten. Jedoch musste er 1566 den immer bedrohlicher werdenden Nachstellungen weichen. So ging er erneut in das Limburger Land (Eupen und Umgebung gehörten zur Provinz Limburg), wo er von Oktober 1566 bis April 1567 wirkte. Der Bereich der Tätigkeit reichte von Verviers, Limbourg-Dolhain bis nach Eupen.

Im April 1567 erfuhr Franziskus Junius, dass die Herzogin Margarethe von Parma Reiter nach Maastricht ausgeschickt habe, um ihn zu greifen und das Volk gegen ihn aufzuwiegeln. So wich Franziskus Junius nach Deutschland aus, wo er eine Zeitlang Pfarrer in Schönau (Pfalz) und später Professor in Heidelberg wurde, wo er mit Professor Tremellius, dessen Schwiegersohn er wurde, an der lateinischen Übersetzung des Alten Testamentes arbeitete.

Das Schicksal weiterer Prediger im Eupener Lande, die zeitgleich mit Franziskus Junius wirkten

Der calvinistische Prediger Jan Vlach verließ 1566 Eupen aus Angst vor Verhaftung. Nach ihm kam der Prediger Jan La Bruiken. Auch er floh am zweiten Ostertag 1567 aus Eupen zeitgleich mit Franziskus Junius.

Weitere Prediger, die als ehemalige Priester (einige sind in ihr katholisches Amt zurückgekehrt) evangelisch nach der Lehre Calvins in den folgenden Orten gepredigt haben, waren: H. Nyst in  Kettenis, Klas Pankert (Pankaert) in Eupen, Kettenis und Lontzen, Willem Florin in Lommertzen, Pastor aus Baelen, der später von seinem Abt Buße tat und Hermann Stuyker, genannt Modet, über den nähere Angaben fehlen. Die Hinwendung zum evangelischen Glauben nach der Lehre Calvins (nicht Luthers) fällt zeitlich zusammen mit der Wirksamkeit des Franciscus Junius in der Zeit von 1566 bis 1567. Er wird als Reformator des Eupener Landes bezeichnet, weil er die reformatorische Predigt festigte, gründete und bodenständig machte.

Die Eupener Gemeinde im 17. Jahrhundert

Über das Schicksal der Eupener Gemeinde nach der Vertreibung des Junius aus Limburg ist urkundlich nichts bekannt. Fest steht aber, dass nach der Eroberung des Herzogtums Limburg durch die Vereinigten Provinzen der Niederlande sich zwischen 1632 und 1635 relativ viele Eupener offen zum reformierten Glauben bekannten. Eupen erhielt in der Maastrichter Klassis (Synode) zwei Prediger. Die Eupener Nikolauskirche wurde in diesen Jahren von Katholiken und Reformierten gemeinsam benutzt.

Nach der Wiedereinnahme Limburgs 1635 durch die Spanier wurde den Reformierten die Ausübung ihrer Religion wieder untersagt. Die reformierten Gemeinden verschwanden. Nur zwei von ihnen sind später wiedererstanden, nachdem sie sich als heimliche Kirche erhalten hatten: Verviers (Hodimont) und Eupen.

Die Holländer tauschten jedoch 1649 ihre Stadt Herzogenrath gegen Vaals ein, damit die evangelischen Glaubensbrüder in Aachen und Eupen eine Zufluchtsstätte hatten. Hierhin gingen Eupens Reformierte nun in einem vierstündigen Marsch zum Gottesdienst, hier ließen sie ihre Kinder taufen.

Die Evangelischen hatten also in der zweiten Hälfte  des 17. Jahrhunderts leidliche Bewegungsfreiheit. In Eupen wurde das Gemeindekonsistorium (=Presbyterium) stillschweigend anerkannt. 1679 wurde sogar den Reformierten ein besonderer Teil des Friedhofs zur Bestattung zugewiesen. Auch Ludwig der XIV. ließ den Reformierten auf deren Bitte, als er das Land von 1673 bis 1678 besetzt hielt, zusichern, dass sie freie Religionsausübung hätten.

Der Weg zur Toleranz im 18. Jahrhundert

Im Verlauf des Spanischen Erbfolgekrieges kam das Herzogtum Limburg 1703 ein weiteres Mal unter die Herrschaft der Vereinigten Provinzen der Niederlande. Eupens Reformierte und Lutheraner konnten seit langer Zeit erstmals wieder öffentlich Gottesdienst halten. Schon im Jahre 1703 wurde der Basler Pfarrer (aumônier) N. Guischard als Pfarrer eingesetzt. In einer Eingabe vom 11. Juni 1704 ersuchte die Gemeinde um Predigten in hochdeutscher Sprache. Der Gottesdienst wurde einstweilen in Privathäusern (bei Hissel, Blankaertz) gehalten. Gegen diese Art von Privatgottesdiensten intervenierten der spanische Statthalter und der kaiserliche Gesandte (die Holländer waren mit dem Kaiser verbündet).  Um allen Schwierigkeiten zu entgehen, die mit der Abhaltung von Gottesdiensten in Privathäusern verbunden waren, ging die reformierte Gemeinde, die durch das Tuchgewerbe über beträchtliche Einnahmen verfügte, unter der holländischen Schutzherrschaft daran, das Eupener Pfarrhaus zu bauen. Im unteren Stockwerk enthielt das Pfarrhaus eine Wohnung mit 6 Räumen, während im ersten Stockwerk ein geräumiger Gemeinde- und Gottesdienstraum enthalten war. Im Pfarrarchiv befindet sich eine Rekonstruktion diese Betsaals, der etwa eine Grundfläche von 11 mal 14 Metern hatte und mit einer Orgelempore versehen war. Die Grundsteinlegung des Bethauses, welches der Gemeinde noch heute als Pfarrhaus dient, erfolgte im Mai 1707, die Einweihung war am 29. April 1708.

Nur sechs Jahre später musste der Saal jedoch geschlossen werden, da der Vertrag von Utrecht Eupen, zusammen mit ganz Limburg, den österreichischen Habsburgern zusprach. Die Wohnräume wurden vermietet und dienten u. a. als Weinschenke und Quartier für Soldaten. Pfarrer Guischard verließ 1718 Eupen, nachdem durch kaiserliche Verordnung evangelische Pfarrer und Lehrer des Landes verwiesen worden waren. Die Eupener Gemeinde wählte sogleich nach dem Weggang des Pfarrers Guischard einen heimlichen Pfarrer (Pfr. Abraham Schmitz) und einen Lehrer (Herr Schmalhausen), der die Kinder unterrichtete. Eupen schloss sich wieder mit Vaals und Burtscheid zusammen, der Eupener Prediger und der Eupener Lehrer aber blieben ungeachtet aller dies untersagenden Gesetze in Eupen wohnen. Die katholische Bevölkerung blieb ihnen und ihrer Tätigkeit gegenüber Tolerant. Die Gottesdienste wurden sowohl in Vaals als auch in verschiedenen Räumlichkeiten der Gemeindeglieder abgehalten.

Mit dem Erlass eines "Toleranzpatentes" durch Kaiser Joseph II. am 13.  Oktober 1781 wurde auch den Eupener Reformierten endlich eine weitgehende Religionsfreiheit gewährt. Die Abhaltung von Gottesdiensten wurde wieder gestattet, den Zwang zur Teilnahme an Prozessionen und anderen katholischen kirchlichen Handlungen aufgehoben und dem Pfarrer die Ausübung der Seelsorge gestattet. Die gottesdienstlichen Gebäude durften allerdings auch jetzt nicht äußerlich erkennbar sein, keinen Turm und keine Eingänge zur Straßenseite haben. Auch durften die Fenster nicht zur Straße gehen. Der Eintritt in die Innungen und in die Bürgerschaft, das Studium der Rechtsgelehrsamkeit und der Arzneiwissenschaft wurden den Evangelischen gestatten. Die Gebühren für eine pfarramtliche Handlung mussten auch in Zukunft an den katholischen Ortsgeistlichen entrichtet werden.

Bemerkenswert ist, dass vor der Verkündung dieses Toleranzpatentes eine Abordnung des Eupener Presbyteriums unter Führung des Tuchfabrikanten Paul von dem Bruch vom Kaiser in Audienz empfangen wurde und neben wirtschaftlichen Fragen auch Fragen der Glaubensfreiheit vortrug. Der Kaiser machte sein Versprechen zum Teil wahr, die Verhältnisse an Ort und Stelle zu prüfen, indem er nach Limburg kam. Diese Unterredungen fanden in Antwerpen und Brüssel im Laufe des Monats Juni 1781 statt, also drei Monate vor dem Erlass des Toleranzpatentes.

Eine direkte Folge des Toleranzpatents war, dass viele Protestanten aus dem Ausland (hauptsächlich Deutschland) nach Eupen zogen und sich so die Seelenzahl der Gemeinde stark vergrößerte, fast auf das Doppelte. Am 14. Dezember 1781 wurde im Betsaal der erste öffentliche Gottesdienst durch Pfarrer Gülcher gehalten. Interessant ist, dass der holländische Staat damals immer noch einen Zuschuss zum Pfarrergehalt (350 Gulden) und zum Lehrergehalt (150 Gulden) zahlte.

Eupen unter französischer Herrschaft

Die französische Zeit (1795-1814) brachte ihnen die völlige Gleichstellung mit den Katholiken.

1789 brach in Frankreich die Revolution aus. Die Staaten von Limburg erklärten am 9. März 1790 ihre Unabhängigkeit wurden aber durch Dekret des Pariser Nationalkonvents vom 1. Oktober 1795 Frankreich einverleibt. Eupen wurde damals zur Hauptstadt eine Kantons und dem Arrondissement Malmedy (später Verviers) zugeordnet. Es gehörte fortan zur Provinz (Präfektur) Lüttich. Am 16. August 1796 übergab Pfarrer  van Spankeren, wie auch der katholische Pfarrer von Eupen, die 1631 (1704) begonnenen Verzeichnisse der Geburten, Trauungen und Beerdigungen einem Zivilstandesbeamten. Die Evangelisch-Reformierte Gemeinde Eupen und die Pfarrstelle wurden staatlich anerkannt (1807).

Die Reformierte Gemeinde Eupens hatte damals 227 Mitglieder, in Kettenis waren es 22, und dazu gab es eine lutherische Gemeinde Eupen, die aber mit der reformierten praktisch vereinigt war mit 69 Mitgliedern. Am 14. Dezember 1808 feierte die Reformierte Gemeinde Eupen den Tag des hundertjährigen Besitzes ihres Gotteshauses (Betsaal auf dem Hook). Im Pfarrarchiv sind noch Programme dieser Feier vorhanden.

Das Jahrhundert unter Preußen

Durch die Bestimmungen des Wiener Kongress wurde das Gebiet des Kantons Eupen - mit Ausnahme von Neutral-Moresnet (heutige Kelmis; Preußisch Moresnet=heutige Neu-Moresnet) - preußisch. Die Reformierte und Lutherische Gemeinde Eupen kamen zur Kreissynode Aachen. Damit hörte die Zugehörigkeit zur Maastricht auf. Diese hatte von 1632 an bestanden, und die Gemeinde verdankt dieser Tatsache viel. Das Pfarrhaus ist ja mit holländischer Hilfe gebaut worden, und die Zuschüsse zum Pfarrer- und Lehrergehalt haben den Dienst erst in materieller Hinsicht ermöglicht.

Von besonderer Bedeutung ist eine Bestimmung des preußischen Königs, die das Verhältnis von lutherischer und reformierter Gemeinde betrifft. Mit dem Beginn der Preußenherrschaft kamen noch mehr Lutheraner als bisher nach Eupen. Sie versahen den Dienst als Beamte beim Zoll, bei der Bahn, Post und allgemeinen Verwaltung. König Friedrich Wilhelm III. hatte den Wunsch, dass Reformierte und Lutheraner zu einer Einigung (Union) kämen. In Eupen bestand, wie gesagt, schon immer eine praktische Einheit, in Gottesdienst, Unterricht der Jugend und Seelsorge. Das Abendmahl wurde gemeinsam gefeiert und die Taufe wurde den Kindern der Reformierten und Lutheraner vom gleichen (reformierten) Pfarrer gereicht. Zwischen beiden Konfessionen hatte stets eine "vollkommene Einheit des Geistes" bestanden. Es bestanden also keine Schwierigkeiten gegenüber einer Einführung der Union.

Wenn es trotzdem bis zum 27. November 1831 dauerte, ehe die Union in Eupen zustande kam, so hat dies rein äußerliche Gründe. Es ist eben nicht einfach, eine praktisch schon lange bestehende Sache auch in rechtlich einwandfreier Form durchzuführen, wenn kein lebensnotwendiger Drang und Eifer dahinter steht.

Bei Einführung der Union wurde beschlossen, eine Kirche zu bauen, die zur Erinnerung an die Union den Namen FRIEDENSKIRCHE erhalten sollte. Zuvor war ein Umbau des Pfarrhauses erfolgt. Pfarrer von Spankeren schrieb, das Pfarrhaus habe durch die hohe Mauer und wegen des Fehlens von Fenstern zur Straßenseite das Aussehen eines Gefängnisses. Dieser Eindruck wurde an der Hinterfront durch Vergitterung der sehr kleinen Fenstern unterstrichen. Der Umbau, bei dem die noch heute bestehende Mauer mit Eisengitter und -tor errichtet wurde, ist 1828/29 erfolgt.

Der Grundstein zur Friedenskirche wurde am 30. Oktober 1851 gelegt. Der Bauplatz hatte der Evangelischen Gemeinde früher (ab 1655) als Friedhof gedient. Es gab mancherlei Schwierigkeiten zu überwinden, ehe der geeignete Bauplan, den Regierungsbaurat Stein vorgelegt hatte, die Genehmigung der Regierung fand.

Die Baukosten beliefen sich auf 90.000 Mk, gegenüber einem Anschlag von 40.000 Mk, in dem allerdings nicht die Inneneinrichtung enthalten war. Diese Kosten wurden meist durch Opfer der Gemeindeglieder aufgebracht, dazu Geschenke auswärtiger Freunde (Gustav-Adolf-Werk) und ein Gnadengeschenk des preußischen Königs von 12.000 Mk. Die drei Kirchenglocken trugen die Inschrift "Glaube", "Hoffnung" und "Liebe". Nur die kleinere blieb zunächst erhalten, die beiden anderen wurden als Kriegsopfer 1917 abgeliefert. Die Orgel wurde mit 15 Register von der Firma Sonreck, Köln, gebaut und kostete 3850 Mk. Die alte Orgel aus dem "Betsaal" wurde für 900 Mk eingetauscht. 1907 wurde für 10350 Mk eine neue Orgel mit 28 Registern von der Firma Walker, Ludwigsburg, gebaut. Sie wird momentan restauriert und ab September 2004 wieder spielbar sein. Die Kanzel, welche im "Betsaal" schon im Gebrauch war, wurde wieder verwendet. Sie ist ungefähr im Jahre 1680 hergestellt worden.

Die Einweihung der im neugotischen Stil erbauten Friedenskirche erfolgte nach vierjähriger Bauzeit am 5. Dezember 1855. Nach Vollendung des Kirchenbaus wurde beschlossen, das Pfarrhaus ganz zum Wohnhaus umzubauen. Diese Arbeit konnte allerdings erst in den Jahren 1880/81 ausgeführt werden.

1857 folgte die Einweihung der Johanneskirche in Preußisch-Moresnet (heutige Neu-Moresnet).

Im Jahre 1904 wurde die Einführung des Einzelkelches beschlossen. Diese Sitte ist noch heute in unserer Gemeinde bei der Feier des heiligen Abendmahles üblich.

Postkarte aus dem Jahre 1905, anlässlich zum Feste der 50 jährigen Kirchweihe am 5. Dezember 1905. Die Bilder wurden im Sommer 1905 aufgenommen.

Herbesthal

In Herbesthal gab es bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts eigentlich nie evangelische Einwohner. Das änderte sich, nachdem die Eisenbahnlinie Köln-Verviers gebaut worden war. Unter den Bahn- und Zollbeamten gab viele, die evangelisch waren. Sie nahmen am Gottesdienst in Eupen teil. Erst in der Berufungsurkunde von Pfarrer Ammer findet sich die Verpflichtung, monatlich in Herbesthal Gottesdienst zu halten. Die Gemeindeverwaltung stellte einen Schulraum zu diesem Zwecke und den Konfirmandenunterricht zur Verfügung. Im Jahre 1909 regte Pfarrer Ammer die Gründung eines "Betsaal-Bauvereins" an. Es wurde mit einem Kostenaufwand von 24.000 Mk ein Haus errichtet. Neben den Opfern der Gemeinde stellte die Kaiserin, der Evangelische Oberkirchenrat in Berlin und das Koblenzer Konsistorium, sowie das Gustav-Adolf-Werk namhafte Beträge zur Verfügung. Vor Ausbruch des 1. Weltkrieges von 1914-1918 wohnten allein in Herbesthal 150 Evangelische.

Der Betsaal in Herbesthal

Da die Zahl der evangelischen stark zurückgegangen war, entschloss sich das Presbyterium im Jahre 1963 zum Verkauf des Betsaales Herbesthal. Mit dem Verkaufserlös wurde der größte Teil der Umbaukosten für das Eupener Küsterhaus und für das Pfarrhaus gedeckt.

Die Entwicklung der Gemeinde seit 1920

Eine Folge des ersten Weltkrieges war die Eingliederung des Gebietes von Eupen und Malmedy in das belgische Staatsgebiet. Die Gemeinden von Malmedy und Neu- (früher: Preußisch-) Moresnet wurden durch Maßnahmen der belgischen und preußischen Verwaltung zu einer Gemeinde mit einem, dem in Eupen sesshaften, Pfarrer vereinigt. Am 1. Oktober 1922 wurden diese Gemeinden aus dem Verband der Evangelischen Kirche der Altpreußischen Verwaltung zu einer Gemeinde mit einem, dem in Eupen sesshaften Pfarrer vereinigt. Am 1. Oktober 1922 wurden diese Gemeinden aus dem Verband der Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union entlassen und Mitglied der Union des églises évangéliques protestantes de Belgique. Diese Kirche bestand in Belgien seit 1839, sie hat ihren Verwaltungssitz in Brüssel und umfasst heute unter dem Namen Eglise évangélique protestante de Belgique 48 Gemeinden.

Das Gesetz, in dem die weitere kirchliche Zugehörigkeit der Gemeinde Eupen mit "Annexen" (Neu-Moresnet, Malmedy, St. Vith) geregelt wurde, war am 11. Juli 1922 im Monitor unter Artikel 2 §3 erschienen. Der Beschluss des Presbyteriums um Aufnahme in den Verband der Eglise évangélique protestante de Belgique erfolgte am 13. Juli 1923. Die endgültige Aufnahme war im Jahre 1924 anlässlich der 86. Session der Synode vom 1. bis 3. Juli in Brüssel.

Pfarrer Ammer schied am 15. April 1923 aus dem Dienst der Gemeinde Eupen aus. Er war danach bis zu seiner Pensionierung im Oktober 1935 Pfarrer in Bonn-Beuel. Pfarrer Groß aus Malmedy gab sein Pfarramt in Malmedy und St. Vith 1921 auf, und Pfr. List sein Pfarramt in Neu-Moresnet im August 1920. Die Seelenzahl in den Ostkantonen war durch den Wegzug der Beamten auf insgesamt etwa 450 zurückgegangen. Dies ist eine kleine Zahl, die gut von einem Pfarrer versorgt werden kann. Es ist aber zu berücksichtigen, dass diese Gemeinde Eupen - Malmedy - St. Vith - Neu-Moresnet sich über ein großes Gebiet erstreckt. Der Dienst war immer mit sehr großen Reisestrapazen verbunden.

Die Gemeinde Neu-Moresnet hat übrigens darauf bestanden, dass, ungeachtet ihrer pfarramtlichen Verbundenheit mit Eupen, ihre gemeindliche Selbständigkeit gewahrt blieb.

Eine besondere Schwierigkeit bestand für die Gemeinde darin, einen deutschsprachigen Pfarrer zu finden. Es muss mit besonderer Dankbarkeit vermerkt werden, dass dies seit 1923 fast immer ohne längere Vakanz möglich war.

Abgeordnete des Presbyteriums nahmen künftig an den Synoden der EEPB, Union des églises teil.

Es wurde ein Verwaltungsrat gewählt, der die finanziellen Belange der Kirchengemeinde gegenüber dem Staat vertritt und vor allem für die Aufstellung des bei den Gemeindeverwaltungen vorzulegenden Budgets verantwortlich ist. Das Presbyterium hat weiterhin die geistliche Leitung der Gemeinde. Als kirchliche Lebensordnung gelten die "statuts et règlements" der Union, sowie das Kgl. Gesetz vom 4. März 1870 mit allen später erlassenen Gesetzen.

Wie schon erwähnt, gestaltete sich der Dienst des einen Pfarrers in der sehr weitläufigen Gemeinde sehr schwierig. Die geregelte Unterweisung der Kinder erforderte sehr viel Kraft und Entgegenkommen von allen Seiten. Als sehr angenehm wird in den Berichten aus der Zeit seit 1923 immer wieder die korrekte Stellung der staatlichen Stellen zu den Belangen der Evangelischen Kirchengemeinde in den belgischen Ostkantonen hervorgehoben. Der belgische Staat ist laut seiner Verfassung in religiösen Dingen neutral, was bedeutet, dass allen Konfessionen die gleichen Rechte zustehen und die Gemeinden ihre inneren Angelegenheiten unbeeinflusst regeln können. Die Großzügigkeit des Staates zeigte sich auch in der Frage der Pfarrstellenbesetzung, als schon 1929 die Genehmigung zur Besetzung der Pfarrstelle mit einem deutschen Staatsbürger erteilt wurde und diese Regelung auch 1938 möglich war.

Nachdem lange dafür gesammelt worden war, konnten am 15. Dezember 1939 die neuen Glocken eingeweiht werden. Die 1917 verbliebene Bronzeglocke konnte nicht gebraucht werden, sie wurde aber zunächst auch nicht verkauft. Die Glocken tragen wieder die Inschrift: »Glaube«, »Hoffnung«, »Liebe«. Sie sind gestimmt auf die Töne f‘, as, c“, und haben ein Gewicht von 950, 560 und 290 kg. Es handelt sich um Stahlglocken, die vom Bochumer Verein gegossen wurden.

Am 10. Mai 1940 marschierten deutsche Truppen in Belgien ein. Die ehemals preußischen Gebiete der Ostkantone wurden dem deutschen Staatsgebiet eingegliedert. Die vier Gemeinden Eupen, Malmedy, St. Vith und Neu-Moresnet wurden durch Beschluss des Evangelischen Konsistoriums der Rheinprovinz in die Kirche der altpreußischen Union aufgenommen und dem Kirchenkreis Aachen unterstellt. Die vorhandenen Presbyterien blieben im Amt.
Es entstand eine sehr schwierige finanzielle Lage. Es durften in den Ostkantonen keine Kirchensteuern erhoben werden. Als Zwischenlösung wurde den evangelischen und katholischen Gemeinden erlaubt, ein sogenanntes Kopfgeld zu erheben, das sich von 0,50 bis 30,00 RM staffelte. Die so eingenommenen Mittel konnten nicht ausreichen, so dass die Gemeinden weiter auf Zuschüsse des Gustav-Adolf-Werkes und privater Spender angewiesen waren.
Durch den Zuzug von Beamtenfamilien wuchs die Zahl der Gemeindeglieder wieder an. Der Pfarrer von Eupen hatte den Dienst im Lager Elsenborn zu versehen, später kamen weitere Lager für Evakuierte hinzu, so dass es schließlich im ganzen 10 Predigtstätten gab. Jugendarbeit fehlte freilich ganz. Die hohe Zahl der Kirchenaustritte war ein weiteres schweres Problem der Gemeinde.
Bis Weihnachten 1944 hatte die Gemeinde verhältnismäßig wenig unter den Kriegsereignissen gelitten. Mit der Ardennenoffensive brach allerdings die Katastrophe über die Gemeinden Malmedy und St. Vith herein. Die Kirche von St. Vith wurde vollständig zerstört. Nur die Glocke ist erhalten geblieben. Sie wurde später der Gemeinde Neu-Moresnet für die Johanneskirche überlassen und befindet sich heute wieder im Besitz der Gemeinde Malmedy .
Durch die Folgen der Ardennenoffensive wurde eine pfarramtliche Versorgung der Kantone Malmedy und St. Vith unmöglich, da alle Straßen zerstört waren.

Die Gemeinde nach dem 2. Weltkrieg

Nach Kriegsende 1945 wurde die Verbindung mit der Union des églises évangéliques protestantes de Belgique wieder hergestellt, und der Wiederaufbau des kirchlichen Lebens in den Ostkantonen konnte beginnen. Pfr. Dr. Henning musste die Gemeinde verlassen und Pfarrer Getaz in Verviers übernahm als pasteur consulent die Leitung der Gemeinde. Diese Vakanz dauerte bis zum Frühjahr 1946. Am 6. Januar 1946 wurde Pfarrer Urs Höner aus Zürich zum neuen Pfarrer der Gemeinde gewählt. Er trat seinen Dienst im April des gleichen Jahres an.

Seit 1945 entwickelte sich das Leben der Gemeinde stetig weiter. Die Gemeindeglieder wurden aufgesucht und erneut gesammelt. Die Kirche in Neu-Moresnet, die stark unter den Kriegseinwirkungen gelitten hatte, wurde aus den Mitteln der Kriegsschädenausgleichskasse repariert. Das Band zu den belgischen Gemeinden wurde gefestigt, was besonders deutlich bei der Tagung der Synode wurde, die zum ersten Mal in der Geschichte unserer Gemeinde im Jahre 1951 in Eupen stattfand.

Die Hundertjahrfeier der Friedenskirche wurde 1955 festlich begangen. Unter anderem gab Herr Kirchenmusikdirektor Hans Hulverscheidt aus Köln, der ehemalige Organist der Gemeinde, ein Kirchenkonzert.

Die Zahl der zu unterweisenden Schüler war so angewachsen, dass es dem Gemeindepfarrer nicht mehr möglich war, alle Stunden an den Schulen im Bereich unserer Gemeinde zu erteilen. Es gelang, in Herrn Wilhelm Flückiger, einem Absolventen der Missionsschule Beatenberg (Schweiz), eine geeignete Kraft zu gewinnen. Er wurde durch Vermittlung der Synodaldirektion als professeur de religion protestante angestellt und bewohnte seit seiner Verheiratung im Jahre 1964 einige Räume des ehemaligen Pfarrhauses in Neu-Moresnet. Die restlichen Stunden wurden von der Pfarrfrau Eupens und dem Pfarrer erteilt.

Seit der Einrichtung religiöser Sendungen beim deutschsprachigen Programm des belgischen Rundfunks im Jahre 1957 steht der Evangelischen Kirchengemeinde eine monatliche Sendezeit von 30 Minuten zur Verfügung.

Im Januar 1958 gab Pfarrer Göring erstmals das Monatsblatt »Die Brücke« heraus. Seine Finanzierung erfolgt durch die Jahresbeiträge der Gemeindeglieder und durch Spenden. Alle Gemeindeglieder sind so, auch wenn sie wegen der weiten Wege und anderer Schwierigkeiten nicht regelmäßig am Gemeindeleben teilnehmen können untereinander verbunden. »Die Brücke« ist ein wirklich wichtiges Verbindungsglied zwischen allen Gemeindegliedern.

Jährlich, am 2. Sonntag im Advent, findet der Gemeindenachmittag statt. Er ist verbunden mit einer Verlosung, deren Ertrag, ebenso wie die von der Frauenhilfe gesammelten Geldspenden, den alten Gemeindegliedern, bedürftigen Familien und den Kindern (bei der Weihnachtsbescherung) zugute kommt.

Die Aufteilung der Gemeinden wurde durch Kgl. Gesetz vom 22. März 1960 wie folgt vorgenommen:

Evangelische Kirchengemeinde Eupen mit dem Gebiet des Kantons Eupen sowie den Gemeinden Baelen, Gemmenich, La Calamine, Membach, Montzen und Welkenraedt. Sitz der Gemeinde: Eupen.

Die Gemeinde Neu-Moresnet (protestantisch-evangelische Hilfskirche von Neu-Moresnet) ist pfarramtlich mit Eupen verbunden.

Die Evangelische Kirchengemeinde in Malmedy ist selbständig. Sie hat ihren Sitz in Malmedy und umfasst das Gebiet des Kantons Malmedy.

Die Evangelische Kirchengemeinde St. Vith, im Gebiet des Kantons St. Vith, ist pfarramtlich mit Malmedy verbunden.

Am 7. und 8. März 1964 fand der Evangelische Kirchentag in Eupen statt. Er stand unter der Losung: »Wir haben EINEN Herrn!« Es wurden Gottesdienste in der Friedenskirche gehalten, im Saal des Collège Patronné, im Pfarrsaal der St. Nikolauskirche und im Gemeindesaal des Evangelischen Pfarrhauses. Die Schwestern der bischöflichen Schule hatten für die Gäste Reiseintopf gekocht. Die Evangelische Studentengemeinde Erlangen war mit einer Gruppe gekommen, die u. a. im Jünglingshaus ein Stück von G. B. Shaw aufführte. Zum Abendmahlsgottesdienst, mit dem der Kirchentag abschloss, waren mehr als 300 Menschen erschienen.

Seit 1957 bestehen Verbindungen zur Evangelischen Kreuzkirchengemeinde in Düsseldorf. Es erfolgten Besuche der Gemeindeglieder aus Düsseldorf in Eupen und ein Gemeindeausflug sowie eine Jugendfahrt der Eupener Gemeinde nach Düsseldorf. Die Patengemeinde gab im Laufe der Jahre bedeutende Spenden zur Bewältigung außerordentlicher Aufgaben. So verdankt die Gemeinde die Schaffung des Gemeindesaales im Pfarrhaus durch Anbringung einer Rolladenwand zwischen den beiden Unterrichtszimmern diesen Spenden.

Im Jahre 1965 nahm auch die Evangelische Kirchengemeinde Remscheid­Lüttringhausen ein Patenschaftsverhältnis zu unserer Gemeinde auf. Eine große Finanzhilfe ermöglichte es uns, zusammen mit der Spende aus Düsseldorf, den völlig durchgefaulten Fußboden im Gemeindesaal durch einen Betonboden mit Kunststoffbelag zu ersetzen und den Flur zwischen Pfarrhaus und Küsterhaus zu einer Teeküche mit Durchreiche umzubauen. Zuvor war in den Jahren 1963/64 das fast unbewohnbar gewordene Küsterhaus renoviert — d. h. zur Hälfte neu aufgebaut — worden. Gleichzeitig wurde das Eupener Pfarrhaus renoviert und modernisiert. Ebenfalls wurden große Reparaturen am Neu-Moresneter Pfarrhaus vorgenommen. Diese enorme Finanzbelastung konnte die Gemeinde nur durch den Verkauf des Bethauses in Herbesthal tragen.

Es blieb noch die Aufgabe der Kirchenrenovierung.

Ein Blick in die Friedenskirche vor der Renovierung 1966

Nachdem die Gemeinde in mancher Sonntagskollekte schon rund 30.000 Frs aufgebracht hatte, ergab eine vom Männerkreis durchgeführte Sammlung die Summe von 75.000 Frs. Presbyterium und Verwaltungsrat richteten Anträge an das Gustav-Adolf-Werk der Evangelischen Kirche im Rheinland. Durch Vermittlung von Herrn Pfarrer Fernau wurde der Gemeinde der Betrag von 400.000 Frs (davon 200.000 aus dem ökumenischen Fond der Evangelischen Kirche im Rheinland) zur Verfügung gestellt. So konnten die Pläne in großzügiger Weise verwirklicht werden. Das Presbyterium berief einen Bauausschuss, dem Herr Kirchmeister H. Bahm, die Herren Presbyter C. Willems, als Baupfleger, W. Peters und Pfr. W. Rehbein angehörten. Frau Dr. I. Schild, Oberingenieur und Assistentin am Lehrstuhl für Baugeschichte und Denkmalspflege an der TH Aachen, stand als fachliche Beraterin zur Verfügung. Nach ihren Plänen wurde eine gründliche und dem Stil der Kirche angemessene Renovierung der Friedenskirche durchgeführt. Die Ausführung der Arbeiten lag in den Händen der Firma Liégeois Frères aus Battice.
Noch vor Beginn des Winters 1965/66 erhielt die Johanneskirche in Neu-Moresnet eine neue Verplattung der westlichen Außenwand. Außerdem wurde der Turm erneuert und die Glocke des Betsaals in Herbesthal in demselben aufgehängt.

 

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Stand: 02. Oktober 2008