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Selig sind, die das Wort Gottes hören und bewahren.
Lukas 11,28
Mitteilungsblatt der
evangelischen Kirchengemeinde
Eupen - Malmédy
Moresnet - St. Vith
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Nr. 96
Dezember 1955 |
Inhalt:
- Advent und Weihnachten - Die
Morgenröte
- Vergesst das wichtigste nicht!
- Gott liebt uns brutto
- Gottesdienste / Kirchliche Handlungen
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Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine
Heilung wird schnell voranschreiten, und deine Gerechtigkeit wird vor dir
hergehen, und die Herrlichkeit des HERRN wird deinen Zug beschließen..
Jesaja 58, Vers 8
Wie wunderbar ist doch der Anblick der aufgehenden Sonne auf der weiten
See. Da ist es, als ob die Sonne wie ein riesenhafter roter Ball aus der
Tiefe des Meeres emporsteigen würde. Das Wasser leuchtet im goldenen Glanz
der ersten Morgenröte. Ein Sinnbild für den Advent, der das Kommen Christi
aufleuchten lässt. Die Morgenröte folgt der Nacht. Die Nacht aber ist auch
ein Bild der Sünde, welche sich über die Menschheit lagert und Besitz von
ihr ergriffen hat. Kummer und Leid, Schmerzen und Tod sind die Mächte, die
den Menschen auf seinem Lebensweg begleiten und bedrücken.
Tröstlich ist es, dass schon in den Verheißungen des Alten Testamentes
Strahlen der Morgenröte immer wieder aufleuchten und das Kommen des
göttlichen Erlösers ankündigen. Da heißt es: "Und du Bethlehem Ephrata,
die du klein bist unter den Städten in Juda, aus dir soll mir der kommen,
der in Israel Herr sei, welches Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her
gewesen ist. Aber du Tochter Zion freue dich sehr, und du Tochter Zion
jauchze! Siehe dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm,
und reitet auf einem Esel und auf einem jungen Füllen der Eselin. Und die
Sonne der Gnade und Barmherzigkeit ist im Kommen: "Und deine Gerechtigkeit
wird vor dir hergehen und die Herrlichkeit wird dich zu sich nehmen." So
sind die Weissagungen des Alten Testamentes heraufgezogen am Himmel wie
die Morgenröte. Und die Frommen Israels haben gewartet auf den Tag, auf
die Erlösung: Zacharias mit Elisabeth, Simeon und Hanna, Maria und Josef,
die Hirten in Bethlehem und die Weisen aus dem Morgenland. Aber die Nacht
lastet noch immer. Über das heilige Land ist die Fremdherrschaft gekommen
und die alte Finsternis der Sünde und der Schuld ist ärger denn je. Da
tastet sich oft genug die bange Frage nach draußen. Hüter ist die Nacht
schon hin? Und wieder geht die Morgenröte auf. Dem Priester Zacharias
erscheint ein Engel und verheißt ihm einen Sohn. "Er wird vor dem Herrn
hergehen, in Geist und Kraft des Elias, zu bekehren die Herzen der Väter
zu den Kindern und die Ungläubigen zu der Klugheit der Gerechten,
zuzurichten dem Herrn ein bereitet Volk." Und zu Maria kommt der Engel
Gabriel nach Nazareth mit den Worten: "Gegrüßt seiest du Holdselige! Der
Herr ist mit dir du Gebenedeite unter den Weibern, du wirst schwanger
werden und einen Sohn gebären, des Namen sollet du Jesus heißen. Der wird
groß sein und ein Sohn des Höchsten genannt werden, und Gott der Herr wird
ihm den Stuhl seines Vaters David geben und er wird ein König sein über
das Hause Jakob ewiglich und seines Königreichs wird kein Ende sein." Als
der verheißene Sohn des Priesters Zacharias, Johannes der Täufer am Jordan
steht, ist die Morgenröte schon über den ganzen Himmel gezogen. Gleich
wird die Sonne emporsteigen. Darum lautet die Verkündigung des Johannes:
Tut Busse, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen. Aus Advent wird
Weihnachten. Jesus ist gekommen.
Vom Himmel kam in dunkler Nacht,
der uns des Lebens Licht gebracht
nun leuchtet uns ein milder Strahl
wie Morgenrot im dunklen Tal.
Wir bleiben nicht beim Kinde stehen. Das ist nur der Anfang. Ein Kind kann
uns nicht helfen und erlösen. Fort mit dem Gerede von einem Jesulein. Wir
sehen es ja, was dabei herauskommt. Für uns ist Christus der Herr, den
auch seine Mutter nicht verdrängen kann. Weihnachten ist die Botschaft von
Christus, dem Herrn über alle Welt. Als Helfer und Heiland ist er übers
Land gezogen, hat Kranke geheilt, Gefallene aufgerichtet, Angefochtene
getröstet, den Armen das Evangelium verkündet und sich für die Schuld der
Menschheit ans Kreuz schlagen lassen. Da ist wahr geworden, was der
Prophet verheißen hat: Alsdann wird dein Licht hervorbrechen wie die
Morgenröte und die Besserung wird schnell wachsen und deine Gerechtigkeit
wird vor dir hergehen und die Herrlichkeit des Herrn wird dich zu sich
nehmen. Aber mit der Erscheinung Jesus Christi ist die Welt noch nicht
vollkommen. Erde bleibt Erde und darum bleibt auch die Nacht mit Sünde,
Schuld und Not, Kummer, Krieg, Krankheit und Tod. Aber in allem hat der
Jünger Jesu Trost, Vergebung und Erlösung, Friede und Seligkeit. Aber das
alles nur im Glauben. Auch die Herrschaft der Gewaltigen wird ein Ende
nehmen.
Es wird aufgehen die Morgenröte des jüngsten Tages. Diese Morgenröte hat
der Herr Jesus in seinen Zukunftsreden verkündigt. Er selbst wird
wiederkommen in Herrlichkeit. Gerade dann, wenn auf Erden alles in
Verwirrung und Zerstörung, in Empörung, Krieg und Schrecken drunter und
drüber geht. Das ist für die wahre Gemeinde Christi kein Grund zur Angst.
Für sie hat die Nacht dann ein Ende. Die Morgenröte geht auf. Wir stehen
im Advent und jede Morgenröte sei uns ein Zeichen von dem neuen Tag
Christi.
O du im Morgenrot, in blinker Heldenzier,
willkommen Gottesbote, willst kommen auch zu mir!
Geh über meine Schwelle und fülle mir das Haus
mit deiner Wunderhelle, mit deinem Leben aus! |
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Da hat aber Johannes der Täufer den Leuten die Wahrheit gesagt. Und er
bekannte: "Ich bin nicht Christus." Das hat er ihnen noch sehr anschaulich
gemacht. Wir wissen ja, dass er erzählt hat, er sei nicht einmal wert, dem
Christus die Schuhriemen aufzulösen.
Darum sind die Dinge aus unsern Weihnachtskistchen, die Engel,
Holzschäfchen, Ziegen, Krippenfiguren, auch Maria und Joseph und das liebe
Christkindlein, auch die Bäume und der Stall, die Hirten und Kamele und
Schwarzen, alle, alle Dinge, selbst der Christbaum und das schöne
buntleuchtende Transparent vom "Christkind im Walde" und unsere
"Altarkrippe", so verschwiegen, keusch, zurückstehend, so heilig
verhalten. Sie wollen nicht Christkind selbst sein. Sie wollen nicht Kern
und Stern, Inhalt und Gehalt, Botschaft und Wesen der Weihnacht sein. Sie
sind auch nicht Evangelium und sind nicht Offenbarung. Sie sind nicht
Gottestat und Gotteswerk. Sie bekennen und leugnen es nicht und nirgends:
Wir sind nicht Christus. Wir sind nur Dinge, schlichte bescheidene Dinge,
von Menschen erdacht, gedreht, geformt, bemalt mit Glitzerglanz bestreut,
aufgestellt und gefeiert, aber wir sind nicht Weihnachten selbst. Wir sind
nur Herolde für Weihnachten, sind nur Wegweiser zu Weihnachten hin. Wir
protestieren, dass man uns schon für Weihnachten selbst hält. Wir sind nur
Dinge von Weihnachten, nur Sitte und Brauchtum, nicht mehr und nichts
anderes.
Wir warnen euch um eurer Seelen Seligkeit willen, dass ihr uns mit
Weihnachten nicht verwechselt. Wir sind nur seine ganz kleinen,
vergänglichen, nichtigen, demütigen Diener. Wir sind nicht wert, dass wir
dem Christkindlein ein Blümlein reichen. Macht uns doch nicht zu Götzen,
die ihr mehr liebt, schätzt, ehrt betrachtet und "anbetet" als Gott und
seinen Herrn Christ. Nein, wir sind nicht Christus! Das ist das Bekenntnis
der Dinge von Weihnachten.
Es muss auch unser Bekenntnis werden. Wir sind in Gefahr alle
Weihnachtsdinge, allen Weihnachtsbrauch schon vollwertig für Weihnachten
selbst zu halten und zu nehmen. Es kann eine Familie, es kann ein ganzes
Volk alle Weihnachtsdinge, alle Weihnachtssitten haben und hat doch nicht
Weihnachten. Sie haben Adventskranz, Adventsleuchter, Adventskalender,
Adventszweige, Adventslaternen, Adventstransparente, alles alles vom
Advent und haben doch vor lauter Advent keinen Advent! Sie haben
Adventsstimmung, Adventsbetrieb, Adventsschmuck, aber nicht das heilige,
stille, innere Harren und Warten, dass bußfertige und tief demütige Hoffen
und Beten um den kommenden Christ. Sie können alles auch von Weihnachten
haben: Christbaum, meterhoch, prachtvoll, weihnachtlichen Schmuck in allen
Zimmern, Wunderkerzen und Räucherkerzen, Stollen und Lebkuchen, auch
Karpfen und Gänsebraten, ja auch Krippen und Transparente und haben doch
nicht Weihnachten, nicht echtes wirkliches Weihnachen, da die Seele den
Herrn erhebet und der Geist sich freuet Gottes, des Heilandes.
Die Weihnachtsdinge allein tun es nicht. Sie sind nur Schale, nur Beiwerk.
Sie sind nur kleine, liebe Helfer und Helferchen, Herolde und Diener,
niemals schon Advent und Weihnachten schon selbst und allein.
Darum sind sie auch so stocksteif, verschlossen und verschwiegen,
zurückhaltend und feierlich-still. Sie wissen und bekennen es immer
wieder, von Jahr zu Jahr: "Wir sind nicht Christus!"
(Rüdiger Alberti: Meine Freunde, die Dinge)
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Von dem Dichter Friedrich Hebbel stammt das Wort: "Die Menschen wollen
brutto geliebt werden!" Aber auch Gott liebt uns brutto! "Also hat Gott
die Welt geliebt, dass er seinen eingebornen Sohn gab, auf dass alle, die
an ihn glauben nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben (Joh.
3,16) "Des Menschen Sohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, das
verloren ist." Das heißt doch: Gott liebt die Welt und die Menschen
brutto, mitsamt ihrer Tara (Verpackung). Gott liebt auch jeden einzelnen
brutto "Ich weiß, wo du wohnst", sagt Christus: (Offenb. 2,13). Das heißt
doch: Ich weiß um all dein Drum und Dran. Gott sieht immer das Netto
hinter all unserer Tara. Gott will aber nicht unsere Sünde vorhalten,
sondern wegnehmen. Christus ist der größte Vertrauensbeweis Gottes an die
Menschen. Gott sucht durch Christus unser Netto!
Daraus ergibt sich aber, dass die Menschen sich gegenseitig auch brutto
lieben sollen. In jedem Menschen steckt ein mehr oder weniger großer
Netto, das nützlich und wertvoll ist. Das heißt aber auch, dass bei jedem
Menschen dieses nützliche und wertvolle Netto in eine mehr oder weniger
große Tara gehüllt ist. Es ist wahrhaftig keine große Kunst, dieses Drum
und Dran, in das die anderen eingewickelt sind, zu erkennen. Aber das ist
die große Kunst, das Netto der andern aus dem vielen Einwicklungspapier
herauszuwickeln.
Aus: Evangelischer Weg
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Gottesdienste
Eupen:
4. Dezember, 11. Dezember 10 Uhr, 18. Dezember 17 Uhr
Gemeinde-Weihnachtsfeier: 25. Dezember 10 Uhr mit Abendmahl
Neu-Moresnet:
4. Dezember, 25. Dezember mit Abendmahl, 14.30 Uhr
Malmédy:
11. Dezember, 26. Dezember mit Abendmahl, 10 Uhr
Herbesthal:
4. Dezember 10 Uhr
Kirchliche Handlungen
Getraut wurden: Jean Jules Delpire aus Lüttich und Hannelore Ilse Lau aus
Membach |
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Mitteilungen erbeten an Pfarrer
Johannes Wipf, Eupen, Hookstr. 40 |
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