Evangelische Kirchengemeinden

Eupen - Malmédy - Moresnet - St. Vith

Mitteilungsblatt

 Nr. 1 Oktober 1946

Inhalt:

Trachtet nach dem Reiche Gottes

TRACHTET AM ERSTEN NACH DEM REICHE GOTTES UND SEINER GERECHTIGKEIT, SO WIRD EUCH SOLCHES ALLES ZUFALLEN.

Mt 6,33

Wir kennen dieses Wort, es schmückt Kirchen und Kapellen, wir haben es im Unterricht gelernt und von Zeit zu Zeit mahnt es uns nicht zu sehr am Vergänglichen zu hängen, sondern das Ewige zu bedenken. Christus, der Sohn Gottes hat den Menschen gebracht und hat es mitten hinein in ihr Leben gestellt. Als Wort Gottes steht es auch in unserem Leben, unantastbar und heilig. Ob wir in vollen Zügen das Leben genießen, ob wir müde das Leben verachten, ob wir hoffnungsvoll nach Großem streben, ob wir alt sind und das Ende unseres Lebens nahe wissen, immer bleibt über uns die Mahnung jenes Wortes Gottes: Trachtet am ersten nach dem Reiche Gottes und nach seiner Gerechtigkeit.

Da will uns einer das Steuer herumreißen. Unser Tun und Lassen unser Denken und Trachten wird in das göttliche Licht gestellt und wir fühlen, dass wir vom ewigen Gott erkannt sind und dass wir jetzt zu gehorchen haben. Hängen wir uns nicht zu fest an das Irdische? Verlassen wir uns nicht zu sehr auf die eigene Kraft? Muten wir unserem Geist, unserem Verstand nicht zu viel zu? Zweifellos! Und deshalb sind wir müde geworden. Das Ziel, das wir uns gesteckt hatten, ist nicht erreicht, im Gegenteil, wir fühlen uns zurückgesetzt und nun lassen wir die Hände sinken, ohne Hoffnung, traurig, manchmal unwillig und vielleicht sogar gehässig.

Das wir es uns gerade heute sagen ließen: Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit, dann wird euch alles andere zufallen! Das ist das neue Trachten, die andere Möglichkeit und sie ist voll Verheißung. Lasset uns ihn suchen und seine Gerechtigkeit! Ihn, den Allmächtigen und Erhabenen, Ihn, den Barmherzigen und Gnädigen, dessen Liebe und dessen Gerechtigkeit vollkommen sind im Gegensatz zur Welt, in deren Werden und Vergehen nichts zur Vollendung reifen kann. Dann fällt uns die Erfüllung der Verheißung zu, dass der Allmächtige nicht nur für unser geistiges, sondern auch für unser leibliches Wohl sorgen will.

Irdische Sorgen erscheinen klein und gering und wir erfahren, dass Gott, der uns das Wichtigste geben kann, den Frieden des Herzens, uns auch das tägliche Brot wachsen lässt. Uns schenkt er es und dem Nächsten schenkt er es auch, so wie jeder dessen bedarf; weil seine Macht keine Grenzen kennt und seine Liebe alle umfassen will.

Lassen wir uns doch das Steuer herumreißen, wagen wir es im Glauben! Christus ist der Bürge, dass Gottes Verheißungen in Erfüllung gehen.

Nicht immer klagen! / Aus der evangelischen Kirche Belgiens / Gottesdienstplan / Monatsfürbitte

Nicht immer klagen

Der bekannte Pfarrer J. Abraham Strauss zu Iserlohn sagte einmal einem Kranken, der immer wieder auf sein Leiden zu sprechen kam: "Höre mein Lieber, wenn man in Dornen liegt wie du, so muss man sich nicht darin wälzen, sonst stechen sie noch ärger."

"Durch Stillesein und Hoffen werdet ihr stark sein", heißt es beim Propheten Jesaja (Kap. 30,15)

Wir machen unser Kreuz und Leid nur größer durch die Traurigkeit, bekennt der Dichter des Liedes: Wer nur den lieben Gott lässt walten."

Darum lerne leiden ohne zu klagen. (Eugen Zeller: Krankenbüchlein)


Aus der evangelischen Kirche Belgiens

Im Monat September kamen nach längerem Unterbruch sämtliche evangelische Pfarrer der Provinz Lüttich zusammen. Zum ersten Mal waren auch Vertreter der Heilsarmee und der Pfingstgemeinde eingeladen. Das Thema des Tages lautete: Evangelisation. Diese hat immer eine doppelte Bedeutung. Erstens soll sie dem dienen, dem alle Macht gegeben ist und zweitens dem Nächsten. Wer das Wort Gottes verkündigen will, muss immer wieder selbst hören und wissen, dass er nur Diener sein kann. Andererseits darf er sich aber auch auf die Kraft, die im Worte Gottes selber liegt, verlassen. Dass dies Wort dem Nächsten gilt, ist darin begründet, dass Gott uns Menschen liebt und uns als seinen auserwählten Geschöpfen sein eigen Wort geben will mit der Verheißung seiner vergebenden Gnade. Darum ist die Evangelisation eine wichtige und schöne Aufgabe.


Gottesdienstplan für den Monat Oktober

I. Gottesdienste

Eupen: 13. Oktober (Erntedankfest) und 27. Oktober 1946 um 10 Uhr
Neu-Moresnet: 6. Oktober um 9 Uhr und 27. Oktober 1946 um 15 Uhr
Herbesthal: 20. Oktober 1946 um 15 Uhr
Malmédy: 20. Oktober 1946 um 11 Uhr

II. Bibelstunden

je Mittwoch abends 8 Uhr im Pfarrhaus, Hookstr. 40
am 2., 16. und 30. Oktober 1946 (16. Oktober ist Leseabend für Ältere)

III. Leseabende für jüngere Gemeindeglieder

je Mittwoch abends 8 Uhr im Pfarrhaus, Hookstr. 40
am 9. und 23. Oktober 1946


Monatsfürbitte

Unsere Fürbitte in diesem Monat möge dahin gehen, dass Gott doch dem Evangelium Raum schaffe in den Herzen der Großen und Kleinen und im Besonderen, dass Er den Evangelisten Mut und Kraft schenke, treu auf ihrem Posten zu stehen.

Für Mitteilungen und neue Adressen wende man sich an das Pfarramt.

U. Höner Pfr.

 

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Stand: 07. Mai 2010