Mitteilungsblatt

Nr. 73 Oktober / November 1953

Inhalt:

Der Tod ist verschlungen...

DER TOD IST VERSCHLUNGEN IN DEN SIEG. TOD, WO IST DEIN STACHEL? HÖLLE, WO IST DEIN SIEG?

1. Kor 15,55

Es ist Herbst geworden. Blätter taumeln sterbend in die Strassen und die Menschen, die eben noch der Bäume farbig Kleid verzückt betrachtet haben, denken staunend an ihr eigenes Vergehn. Todesahnungen streifen sie und während sie dankbar die sanfte Kraft der herbstlichen Sonne genießen, fühlen sie sich leis erschrocken eingeflochten in den Lauf der Welt, in das Leben und Sterben aller Dinge.

Nun neigt sich auch das Kirchenjahr dem Ende entgegen. Wir gedenken unserer Toten und unseres eigenen Sterbens. Da müssen wir nun aufpassen, dass wir nicht hoffnungsloser Wehmut nachgeben. Es gibt so eine kitschige Allerheiligen-Stimmung mit Trauerweiden und verwelkten Blumen. Menschen verbeugen sich da vor dem Tode und verharren in ehrfurchtsvollem Schweigen. Ich meine, dass da etwas nicht stimmt! Ich bin argwöhnisch gegenüber diesem Todeskult, argwöhnisch gegenüber dieser merkwürdigen Demut. Und nicht mit Unrecht, denn - die Bibel redet anders.

In der' Bibel ist der Tod überwunden! Es gibt keine Gedanken über den Tod, der einer solchen wehmütigen Stimmung gliche. In der Bibel, d.h. aber für Gott und die Menschen, die an Gott glauben, gibt es nur Leben und Vorbereitung auf das Leben. Selbst der Tod ist nur ein Schlaf, der zu neuem Leben führt, auf welches sich der Christ freut und das ihn mit Hoffnung erfüllt. Lesen wir die Lieder im Gesangbuch über den Tod, so wandelt sich die Freude über das Leben, in das wir eingehen sollen, in Jubel und Wonne. "Jesus ruft in sein Freudenzelt: Wir werden jubilieren und triumphieren!" und hören wir Paul Gerhardt selbst:

Du meines Herzens Freude, du meines Lebens Licht, du ziehst mich, wenn ich scheide, hin vor dein Angesicht ins Haus der ewgen Wonne, da ich stets freudenvoll gleich als die helle Sonne mit andern leuchten soll.

Da ist nichts von Wehmut und Trauer, von menschlicher Tragik und dergleichen zu hören. Manchmal reden die Menschen davon, dass man sich auf den Tod vorbereiten müsse und dass man es auch jenen sagen müsse, die schwer krank daniederliegen. Es ist dann immer ein furchtbar schweres Reden und weil wir alle den Tod fürchten wollen wir ihn weder andern noch uns gerne eingestehen. Wie viel leichter wäre doch dies Reden, wenn wir nicht vom Tod, sondern vom ewigen Leben reden würden, von der Freude, dass Gott uns Anteil gibt an seinem Leben und dass dort alle Tränen abgewischt sein werden und der Friede Gottes uns erfüllen wird, also dass wir nur noch loben und preisen werden, den, der Alles in Allen sein wird.

Wie ganz anders würden wir vor Krankenbetten stehen und wie ganz anders vor Sterbenden, wenn wir wir das mehr vor Augen halten würden, dass mit dem Tod die große und wunderbare Verheißung Wirklichkeit wird. Diese freudige Erwartung würde zwar zweifelsohne dann auch die wirklich traurigen Dinge in anderem Lichte erscheinen lassen. Die Schmerzen, vor denen wir uns fürchten, können wir leichter ertragen, und leichter würden wir jene von uns gehen lassen, die uns lieb sind. Sicher werden uns nie Leiden und Leid erspart sein, aber sie sind nicht ohne Hoffnung, sie stehen im Licht der Wahrheit: Der Tod ist verschlungen in Sieg, Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg?!

Das ist der Triumph über die Wehmut herbstlicher Gedanken.

Umschau

INDOCHINA: Schwierige Lage der Christen auf Celebes

Nach einem Bericht der indochinesischen Nachrichtenagentur haben 400.000 Christen im Süden der Insel Celebes Präsident Soekarno um Waffen gebeten, ums sich gegen die Verfolgung durch fanatische Moslems zu schützen. In einer Petition an den Präsidenten heißt es, dass die Verfolgungen im Jahre 1951 begannen, als der Rebellenführer Muzakkar angefangen habe, "Zehnten" in Form von Reis und Ochsen zu fordern. Ein Jahr später seien Christen misshandelt worden, weil sie sich geweigert haben, den mohammedanischen Glauben anzunehmen. Seither sollen rund 20.000 Christen ihre Heimstätten verlassen haben. 12 Christen seien ermordet und zahlreiche Kirchen und Schulen von den Rebellen in Brand gesteckt worden.

SPANIEN: Stimme eines spanischen Erzbischofs zur sozialen Lage

In seltener Offenheit hat sich der Erzbischof von Valencia, Dr. Olaechea in seinem letzten Hirtenbrief gegen die Sozialpolitik der spanischen Regierung gewandt, die im krassen Gegensatz zu dieser sog. christlichen Regierung stehe. In seinem Hirtenbrief heißt es:

"Der Arbeitgeber, der den gerechten Lohn nicht auszahlt, ist ohne Zweifel ein schlechter Katholik; er trägt die Schuld, wenn seine Arbeiter die Religion verabscheuen, die er zu praktizieren vorgibt."

Der Erzbischof verlangt eine rund hundertprozentige Lohnerhöhung, um ein nur einigermaßen erträgliches Lebensniveau zu ermöglichen. Die sozialen Zustände Spaniens machten dieses Land nicht zu einem Bollwerk gegen den Bolschewismus, wie die Regierung es gerne verkündigt, sondern zu einem Helfershelfer des Kommunismus.

Gottesdienste / Gemeindeabend / Blauer Schein

Gottesdienste im Oktober und November 1953

Eupen:
am 11. und am 25. Oktober (Reformationsfest)
am 8. und am 22. November (Totengedenktag mit Feier des hl. Abendmahles)
Voraussichtlich am 1. Nov. Probepredigt (siehe Tageszeitung)
je um 10 Uhr
Moresnet:
am 11. und am 25. Oktober (Reformationsfest)
am 8. und am 22. November (Totengedenktag mit Feier des hl. Abendmahles) je um 14.30 Uhr
Voraussichtlich am 1. Nov. Probepredigt (siehe Tageszeitung)
Malmédy:
am 18. Oktober und am 15. November um 10 Uhr
Herbesthal:
am 4. Oktober und am 1. November sofern die Probepredigt in Eupen nicht stattfindet. (siehe Tageszeitung)
St. Vith:
am 18. Oktober um 17.30 Uhr im Hause Dr. Biermans
Lüttich:
in der Kirche rue Lambert le Bègue um 15 Uhr
am 1. November

Jugendgruppe:
Proben für den Gemeindeabend: an allen kommenden Samstagnachmittagen um 15.30 Uhr im Pfarrhaus!

Kirchenchor:
Proben für den Gemeindeabend: am Freitag, dem 30. Oktober.
Weitere Proben laut Abmachungen.

Frauenverein:
Übernimmt auch dieses Jahr die Vorbereitungen für die Weihnachtsbescherung. Im Laufe des Monats November wird die alljährliche Kollekte stattfinden. Mögen die Sammlerinnen offene Hände finden!


Gemeindeabend

im Saale Hotel Bosten Haasstraße Eupen am 7. November 1953 um 20 Uhr

Ich freue mich der Gemeinde anzeigen zu dürfen, dass das Programm für den Gemeindeabend 1953 vollständig ist. Herr Pfr. Rehmann aus Aachen hat sich freundlicher Weise zur Verfügung gestellt einen Vortrag zu halten mit dem Titel: Was gibt es zu tun in unserer Kirche?

Die Jugendgruppe wird ein ernstes Spiel aufführen nach einer Erzählung von L. Tolstoi: " Wovon die Menschen leben." Und der Kirchenchor wird mit seinen Liedern vom ernsten Teil zum heiteren überleiten. Die Jugendgruppe hat für den zweiten Teil noch ein lustiges Spiel von Hans Sachs bereit mit dem Titel "Der Krämerkorb". Überraschungen werden den gemütlichen Teil würzen, die teils harmloser Natur sind, teils kostspielig werden können.

Da dies der letzte Gemeindeabend sein wird, den wir mit der Gemeinde verbringen dürfen, würden wir uns riesig freuen, wenn möglichst viele daran teilnehmen würden. Der Unkostenbeitrag ist auf 5 Frs festgesetzt.

Für die Gemeindeglieder aus Neu-Moresnet und Malmédy wird ein Extra-Arrangement getroffen werden, damit sie verbilligt nach Eupen gelangen können. Zu diesem Zwecke müssten sie untenstehenden Anmeldeschein ausfüllen und ihn spätestens bis zum 1. November an das Pfarramt in Eupen einsenden. Sobald wir wissen, wer sich am Gemeindeabend beteiligt, werde ich die nötigen Maßnahmen treffen und die Gemeindeglieder in Neu-Moresnet können bei Frau Frings, die Gemeindeglieder in Neu-Moresnet können sich bei Frau Frings, die Gemeindeglieder von Malmédy bei Herrn Schmidt (route de Falize 19) über die Einzelheiten erkundigen, und zwar ab 4. November.

*******

Anmeldung zum Gemeindeabend vom 7. November 1953
auszufüllen von den Gemeindegliedern in Neu-Moresnet und Malmédy

Ich melde mich hiermit zum Gemeindeabend an:

Name: ................................................................
Wohnort: ............................................................     Unterschrift.


Blauer Schein

Dieser Nummer ist wieder einmal ein blauer Schein beigelegt. Viele Empfänger des Gemeindeblattes haben auf den ersten Appell im Jahre nicht geantwortet. Ich hoffe, dass sie dies nachholen werden. Es fehlen uns noch mindestens 15.000 Frs! um den Bedürfnissen der Gemeinde und der belgischen Kirche nachkommen zu können. Ich rufe daher zu einer besonderen Anstrengung auf und meine, dass wir uns zu einem Opfer entschließen müssten, da wir wissen, wie bedrängt z.B. die Missionsarbeit im Kongo ist oder auch die Evangelisationskasse, deren Rendant manchmal nicht weiß, wie er die Gehälter bezahlen soll.

Wenn wir fortfahren wollen, gemeinsame Anlässe zu organisieren, so dass auch z.B. die Gemeindeglieder von St. Vith und Malmédy, Neu-Moresnet und Gemmenich etwas zu spüren bekommen sollen vom Gemeindeleben, dann müssen wir auch hier zusammenlegen zum Wohle der Gemeinde.

Das Evangelisationswerk, das in Chimay so prächtig angefangen hat, warten ebenfalls auf unsere Hilfe. Die Witwen unserer Evangelisten wollen wir nicht im Stiche lassen und die theologische Fakultät in Bruxelles kann nur dann weiterarbeiten, wenn die Gemeindeglieder aller Kirchen durch ihr Opfer dazu helfen.

Endlich sind die Auslagen für das Gemeindeblatt nicht gering und das muss beibehalten werden, auch wenn es nicht immer gelesen wird.

So bitte ich denn von Herzen, dass wir nicht zögern und den Blauen Schein ausfüllen nach der Kraft unseres Glaubens.

Mitteilungen und neue Adressen an Pfr. U. Höner, Eupen, Hookstr. 40, Tel. 1195

 

Home ] Nach oben ]

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an: webmaster@ev-Kirche-Eupen-NeuMoresnet.org 
Stand: 07. Mai 2010