MITTEILUNGSBLATT



der Evangelischen Kirchengemeinde

Eupen, Malmédy, Neu-Moresnet

erscheint monatlich in Eupen


»Selig sind, die das Wort Gottes hören und bewahren«

(Lukas 11,28)

Nr. 102                                                             Juli 1956

Inhalt:

Die Auserwählten Gottes
Kurzer Abriss über die Geschichte des Reformiertentums in Belgien (Fortsetzung)
Synode 1956
Danksagung, Kirchliche Handlungen, Gottesdienste

Die Auserwählten Gottes

33 Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der gerecht macht. 34 Wer will verdammen? Christus Jesus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferweckt ist, der zur Rechten Gottes ist und uns vertritt. 35 Wer will uns scheiden von der Liebe Christi? Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Gefahr oder Schwert? 36 Wie geschrieben steht (Psalm 44,23): »Um deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag; wir sind geachtet wie Schlachtschafe.« 37 Aber in dem allen überwinden wir weit durch den, der uns geliebt hat. 38 Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, 39 weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.  (Römer 8,33-39)

Auserwählte Gottes! Hat Gott seine Lieblingskinder wie etwa ein Vater oder eine Mutter eines ihrer Kinder aus irgend einem Grunde den andern vorzieht? Sind die großen Männer der Geschichte, die erfolgreichen Staatsmänner oder Generale, die großen Dichter, die Genies auf dem Gebiet der Erfindungen, die Meister der Kunst oder sonst andere große Geister der Menschheit die Auserwählten Gottes? Von solchen Größen redet die Bibel kaum. Sie redet aber von den Auserwählten als solchen, die Gott in seine Gemeinde aufgenommen hat.

Die ersten Christen, welche das Christentum wohl am reichsten dargestellt haben, waren keine weltbewegenden Größen. Im öffentlichen und kulturellen Leben hatten sie kaum etwas zu sagen. Heiden und Juden waren viel mächtiger. Und doch waren jene Christen die Auserwählten Gottes. Nicht, dass sie frei von Sünde, Schuld und Irrtum gewesen wären. Nein der böse Feind hielt dann und wann seinen triumphalen Einzug in die Gemeinde. Trotzdem waren sie die Auserwählten Gottes.

Heute ist manchmal wenig von urchristlichem Leben in den Gemeinden zu sehen. Das, was wir Kirche nennen, die Summe der den offiziellen Kirche angehörenden Gliedern ist weithin nur ein Stück dieser Erdenwelt. Mögen manche darüber lächeln, die Bibel redet von einem Widersacher Gottes. Das Leben des Einzelnen und die Menschheitsgeschichte bestätigen diese Aussage der Bibel. Dieser Widersacher nützt die Menschen aus um Verwirrung, Hass und Krieg zu stiften. Er bedroht aber auch des Christen Glaubensstand. Dazu bietet das Buch Hiob ein deutliches Anschauungsbild.

Wo sind nun da die Auserwählten? Und was hat der Christ dagegen vorzubringen? Der Apostel Paulus weiss, dass solche Anklagen die Seele peinigen kann. Was tut er? Er schleudert es der Welt und dem Teufel ins Gesicht: Ein viel Mächtiger als alle irdischen Gewalten, ist für uns eingetreten und hat uns geliebt bis in den Tod. Da geschah unsere Auserwählung. Und dieser Herr ist auferstanden. Er lebt. Er vertritt als der wahrhaftig Heilige die Sache derer, die ihm auf Erden im Glauben und im Vertrauen anhangen.

"Wenn der Kläger mich verklagt, Christus hat mich schon vertreten. Wenn er mich zu sichten wagt, Christus hat für mich gebeten. Dass mein Bürge für mich spricht, das ist meine Zuversicht."

Darum dürfen sich die ernsthaften Christen als Auserwählte betrachten. Sie leben als solche von der täglichen Vergebung und der täglichen Erneuerung. Die schöpferische Liebe Christi gestaltet sie neu. Es trifft auf sie zu, was Christian Friedrich Richter in seinem Gedicht sagt:

Sie wandeln auf Erden und leben im Himmel,

sie bleiben ohnmächtig und schützen die Welt,

sie schmecken den Frieden bei allem Getümmel,

sind arm, doch haben, was ihnen gefehlt.

Sie stehen in Leiden und bleiben in Freuden,

sie scheinen ertötet den äußeren Sinnen

und führen das Leben des Glaubens von innen.

So lehrt der Glaube die Auserwählten Gottes alle Widrigkeiten alle Schicksalsschläge, alle feindlichen Mächte und Gewalten trotzig und unerschrocken ins Auge zu fassen. "Wer will uns scheiden von der Liebe Christi", ruft der Apostel triumphierend. Für ihn ist es keine Übertreibung, keine Maßlosigkeit, wenn er in christlicher Erfahrung bekennt: in dem allem überwinden wir "weit". Er meint: die kleinen Mühseligkeiten und die furchtbar schweren Lasten, die unser Glaube uns einträgt, überwinden wir nicht nur mit knapper Mühe und Not. Vielmehr wir lassen sie weit hinter uns. Sie können uns nicht bis ins Herz dringen.

Manche leiden unter der Weltlichkeit der Kirche und unter der zunehmenden Erkaltung der Liebe in ihr. Die Gemeinde Jesu weiß, dass sie nur dann ein Anrecht hat zu bleiben, wenn sie selber in der Liebe bleibt, denn Gott hat sie auch durch die Liebe auserwählt.

Kurzer Abriss über die Geschichte des Reformiertentums in Belgien

Momentane Situation des belgischen Protestantismus.

Der belgische Protestantismus: Eine lebendige Kraft.

Wenn gewisse Kirchen älteren Ursprungs erstarrt sind, so sind die jungen Kirchen aus Neubekehrten bestehend, im allgemeinen aktiv- und unternehmensfreudig. Auch der Protestantismus darf nicht aufhören, sich auszudehnen. Jahr für Jahr werden neue Kirchen gegründet und die Zahl der Konvertierten vermehrt sich. Z.B. hatte es 1914 kaum mehr als 110 Kirchen und Posten. In einem Zeitraum von 40 Jahren sind gegen 200 neue Kirchen und Posten gegründet worden. Eine beträchtliche Zahl der Gemeinden sind in den Provinzen Luxemburg und Limburg, oder in den flandrischen Gegenden, in welchen vor 40 Jahren das evangelische Christentum total unbekannt war. Mehrere ehemalige Priester und eine größere Zahl ehemaliger Katholiken sind jetzt Pfarrer oder Missionare.

Die Strömungen im belgischen Protestantismus.

Die Katholiken proklamieren gewöhnlich, dass die Protestanten in eine Unmenge von Sekten gespalten seien, die sich fortwährend bekämpfen. Gegenwärtig gibt es tatsächlich etwa 20 Denominationen, mit verschiedenem Gepräge, welche sich aber im Glauben verbunden fühlen. Außerdem verwechseln die Katholiken oft leicht mit dem evangelischen Christentum Bewegungen, welche nicht evangelisch sind, seien es nun die Zeugen Jehovas, die Mormonen, oder die Christliche Wissenschaft. Diese Sekten gebrauchen zwar auch die Bibel, der sie aber ihre eigenen Lehren zufügen, die in einigen Punkten irrig sind und bekämpfen die Protestanten auf gleicher Weise wie die Katholiken.

Im Belgischen kann man 2 große Strömungen des theologischen Denkens feststellen. Man spricht von einer liberalen oder modernen Richtung, welche die Bibel nur als eine relative Autorität ansieht, die Göttlichkeit Christi bestreitet, sowie ein ewiges Verlorensein der Nichterlösten. Auf der anderen Seite redet man von einer orthodoxen Richtung, welche die volle Inspiration der heiligen Schrift akzeptiert, sowie auch die großen Lehren der Bibel.

(Le Messager Evangélique)

Synode 1956

Vom 17. bis 19. Juni fand in Petit Wasmes, im großen Kohlen- und Industriegebiet nahe der französischen Grenze die diesjährige Synode unserer Kirche statt. Einem Teilnehmer, der zum 1. mal mit dem Protestantismus in jener Gegend in näherer Berührung gekommen ist, ist es an dieser Tagung so recht zum Bewusstsein gekommen, wie gerade dort, vielmehr als in irgend einem Gebiet Belgiens, die Position der Evangelischen ziemlich stark ist. Dazu ist dort mehr vorhanden als nur kirchliche Tradition.

Am Sonntag Abend fand in der vollbesetzten Kirche von Paturages eine Missionsfeier statt, bei welchem Anlass eine Tochter, welche als Missionsbraut nach Afrika zieht, verabschiedet wurde.

Diese Abendfeier, sowie auch eine solche am folgenden Abend in der Kirche von Petit Wasmes, bei welcher der kirchliche Männerchor von Petit Wasmes in erhebender Weise Gott pries, sind Symptome des regen kirchlichen Lebens in der Umgebung von Mons.

Die Verhandlungen selbst standen mehr denn je unter dem Zeichen der Eintracht. Verschiedene, früher schon diskutierte Fragen fanden schließlich eine gute Lösung. P. de Haan, Antwerpen, welcher viele Jahre das Amt eines Synodalkassierers versah, ist zurückgetreten. An seiner Stelle wurde ein Herr aus Brüssel zum Kassierer der Synode gewählt. Einen breiten Raum nahmen die Berichte über die Arbeit der Synodaldirektion, des Präsidenten über die Kirchgemeinden, des Sekretärs für die Evangelisation, der Rechnungsprüfungskommission, der Theologischen Fakultät, des Religionsunterrichtes, des Feldpredigerdienstes und der Bibelgesellschaft ein. Verschiedene Ämter wurden bestätigt oder neu besetzt.

Danksagung, Kirchliche Handlungen, Gottesdienste

 

Danksagung

 

Für die mir zu meinem 70. Geburtstage übersandten Glückwünsche und Blumenspenden, danke ich hiermit herzlichst.

Johs. Scholten

Kirchmeister

An meinen Rosen.

Fanget an - meine Rosen - und blühet.

Blühet! Denn eure Zeit ist da und der Himmel mit seiner Wärme ist uns allen nah.

Die wir allhier sind in seinem Licht und seiner Sonne sollen Freude und Wonne spenden,

denen, die durch Leid gehen, die auf uns sehen,

um sich an uns - den Begnadeten - zu beglücken.

Ihr Blick suchet Licht das da glühet:

Fanget an - meine Rosen- und blühet.

Johs. Scholten

 


 

Kirchliche Handlungen

 

Beerdigt wurde auf dem Friedhof von Neu-Moresnet:

Dr. Ing. Reinhard Bruch, gestorben am 7. Juni im 79. Lebensjahr

 


 

Gottesdienste

 

Eupen: 1., 15., 29. Juli um 10 Uhr; anschließend Kindergottesdienst

Neu-Moresnet: 1., 15., 29. Juli um 14.30 Uhr

Malmedy: 22. Juli um 10 Uhr

Herbesthal: 8. Juli um 10 Uhr

 

 

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Stand: 07. Mai 2010