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33 Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der
gerecht macht. 34 Wer will verdammen? Christus Jesus ist hier, der
gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferweckt ist, der zur Rechten
Gottes ist und uns vertritt. 35 Wer will uns scheiden von der Liebe
Christi? Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder
Gefahr oder Schwert? 36 Wie geschrieben steht (Psalm 44,23): »Um
deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag; wir sind geachtet wie
Schlachtschafe.« 37 Aber in dem allen überwinden wir weit durch den, der
uns geliebt hat. 38 Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder
Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, 39
weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der
Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn. (Römer
8,33-39)
Auserwählte Gottes! Hat Gott seine Lieblingskinder wie etwa ein Vater oder
eine Mutter eines ihrer Kinder aus irgend einem Grunde den andern
vorzieht? Sind die großen Männer der Geschichte, die erfolgreichen
Staatsmänner oder Generale, die großen Dichter, die Genies auf dem Gebiet
der Erfindungen, die Meister der Kunst oder sonst andere große Geister der
Menschheit die Auserwählten Gottes? Von solchen Größen redet die Bibel
kaum. Sie redet aber von den Auserwählten als solchen, die Gott in seine
Gemeinde aufgenommen hat.
Die ersten Christen, welche das Christentum wohl am reichsten dargestellt
haben, waren keine weltbewegenden Größen. Im öffentlichen und kulturellen
Leben hatten sie kaum etwas zu sagen. Heiden und Juden waren viel
mächtiger. Und doch waren jene Christen die Auserwählten Gottes. Nicht,
dass sie frei von Sünde, Schuld und Irrtum gewesen wären. Nein der böse
Feind hielt dann und wann seinen triumphalen Einzug in die Gemeinde.
Trotzdem waren sie die Auserwählten Gottes.
Heute ist manchmal wenig von urchristlichem Leben in den Gemeinden zu
sehen. Das, was wir Kirche nennen, die Summe der den offiziellen Kirche
angehörenden Gliedern ist weithin nur ein Stück dieser Erdenwelt. Mögen
manche darüber lächeln, die Bibel redet von einem Widersacher Gottes. Das
Leben des Einzelnen und die Menschheitsgeschichte bestätigen diese Aussage
der Bibel. Dieser Widersacher nützt die Menschen aus um Verwirrung, Hass
und Krieg zu stiften. Er bedroht aber auch des Christen Glaubensstand.
Dazu bietet das Buch Hiob ein deutliches Anschauungsbild.
Wo sind nun da die Auserwählten? Und was hat der Christ dagegen
vorzubringen? Der Apostel Paulus weiss, dass solche Anklagen die Seele
peinigen kann. Was tut er? Er schleudert es der Welt und dem Teufel ins
Gesicht: Ein viel Mächtiger als alle irdischen Gewalten, ist für uns
eingetreten und hat uns geliebt bis in den Tod. Da geschah unsere
Auserwählung. Und dieser Herr ist auferstanden. Er lebt. Er vertritt als
der wahrhaftig Heilige die Sache derer, die ihm auf Erden im Glauben und
im Vertrauen anhangen.
"Wenn der Kläger mich verklagt, Christus hat mich schon vertreten. Wenn
er mich zu sichten wagt, Christus hat für mich gebeten. Dass mein Bürge
für mich spricht, das ist meine Zuversicht."
Darum dürfen sich die ernsthaften Christen als Auserwählte betrachten. Sie
leben als solche von der täglichen Vergebung und der täglichen Erneuerung.
Die schöpferische Liebe Christi gestaltet sie neu. Es trifft auf sie zu,
was Christian Friedrich Richter in seinem Gedicht sagt:
Sie wandeln auf Erden und leben
im Himmel,
sie bleiben ohnmächtig und
schützen die Welt,
sie schmecken den Frieden bei
allem Getümmel,
sind arm, doch haben, was ihnen
gefehlt.
Sie stehen in Leiden und bleiben
in Freuden,
sie scheinen ertötet den äußeren
Sinnen
und führen das Leben des
Glaubens von innen.
So lehrt der Glaube die Auserwählten Gottes alle Widrigkeiten alle
Schicksalsschläge, alle feindlichen Mächte und Gewalten trotzig und
unerschrocken ins Auge zu fassen. "Wer will uns scheiden von der Liebe
Christi", ruft der Apostel triumphierend. Für ihn ist es keine
Übertreibung, keine Maßlosigkeit, wenn er in christlicher Erfahrung
bekennt: in dem allem überwinden wir "weit". Er meint: die kleinen
Mühseligkeiten und die furchtbar schweren Lasten, die unser Glaube uns
einträgt, überwinden wir nicht nur mit knapper Mühe und Not. Vielmehr wir
lassen sie weit hinter uns. Sie können uns nicht bis ins Herz dringen.
Manche leiden unter der Weltlichkeit der Kirche und unter der zunehmenden
Erkaltung der Liebe in ihr. Die Gemeinde Jesu weiß, dass sie nur dann ein
Anrecht hat zu bleiben, wenn sie selber in der Liebe bleibt, denn Gott hat
sie auch durch die Liebe auserwählt. |