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Evangelische
Kirchengemeinde
Eupen, Malmédy,
Moresnet, St. Vith |
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Selig sind, die das
Wort Gottes hören
und bewahren.
Lukas 11,28 |
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Mitteilungsblatt Nr.
80
Juli/August 1954 |
Inhalt:
- Neuordnung
unseres Lebens
- Synode 1954
- Chimay /
Flüchtlingsdienst
- Gottesdienste / Das Lebensschiff
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Evangelium Lukas 19, 1-10
Es sind jetzt dann 40 Jahre her, dass mit dem Ausbruch des 1. Weltkrieges
die Welt sich in dauernder Spannung befindet. Ich möchte nicht behaupten,
dass es gar nicht an der Bereitschaft und dem guten Willen einzelner
Machthaber und Völker fehlen würde, die Welt von der Furcht in die sie
hineingeraten ist, zu befreien. Die wirtschaftlichen, gesellschaftlichen
und politischen Verhältnisse der Vergangenheit und der Gegenwart werden
überprüft. Das ganze soziale Gefüge soll womöglich geordnet werden. Trotz
allen Bemühungen ist man aber noch nicht weiter gekommen.
Kommt das nicht daher, dass man mit der seelischen Verfassung der
Menschheit und des Einzelnen zu wenig rechnet. Wer das Menschenherz und
besonders sich selber einigermaßen kennt, weiß, dass eine Neuordnung der
Verhältnisse, einen Wandel im Menschenherzen selber voraussetzen muss. Das
Evangelium, welches wir verkünden, hat es nicht in erster Linie mit großen
Plänen und Taten zu tun, welche die Welt neu gestalten sollen. Nein die
Botschaft Christi richtet sich in erster Linie an den einzelnen Menschen,
an dich und mich. Das Evangelium stellt die persönliche Frage: Ist denn
dein Leben auch in Ordnung?
Die Geschichte von dem Zollbeamten Zachäus kann uns da als Wegweiser
dienen. Er lebte äußerlich in guten Verhältnissen. Eine gesicherte
gesellschaftliche Stellung bedeutet aber noch lange nicht eine Neuordnung
unseres Lebens vor Gott. Im Leben des Zachäus ist noch Entscheidendes in
Ordnung zu bringen. An seinem Besitz klebt Unrecht. Das weiß er genau.
Darum hat er auch keinen Frieden in seinem Herzen, keinen Halt, kein
letztes Ziel, keinen lebendigen Gott. Aber das alles kann er durch Jesus
Christus bekommen. Wenn Christus Gewalt über ihn bekommt, so erhält sein
unordentlich gewordenes Leben eine neue Zielrichtung. Und nun geschieht
etwas ganz Großes. Ein unstillbares Verlangen in der Nähe dieses gütigen
Helfers zu sein, ist in ihm aufgebrochen. Was kümmert ihn der Spott der
Umwelt. Da er klein war von Gestalt und deshalb nicht über die Menge
hinweg zu Jesus hinsehen konnte, steigt er auf einem am Wege stehenden
Maulbeerbaum. Was kümmern ihn da alle Vorurteile, die er bis jetzt dem
Manne gegenüber hatte. Jetzt gilt es oder nie.
Wenn wir Jesus sehen wollen, so können wir das heute noch, wenn auch auf
andere Weise, als dies bei Zachäus der Fall war. Christus begegnet uns in
seinem Wort, in seiner erbarmenden Liebe. Da lösen sich manche
Verknotungen unseres Innern. Manche Verwirrungen weichen einer neuen
Lebensordnung. Manche Verängstigungen schwinden und machen dem Vertrauen
Platz. Und Jesus ist auf dem Plan. Er will in dem Haus einkehren, bald,
heute noch.
Zachäus ist in den Augen seiner Mitmenschen ein besonderer Sünder, aber
was wissen diese von dem, was in seinem Innern vorgeht. Die Begegnung mit
Jesus hatte auch ein neues Verhältnis mit den Mitmenschen zur Folge.
Vielfältig will er erstatten, was er betrogen. Die Hälfte seines Vermögens
will er den Armen schenken. Aber das ist nicht das Wichtigste, aber es
zeigt dass Zachäus es ernst meint mit seiner Jesusnachfolge. Diese
Neuordnung ist nur möglich, weil Jesus ihn gefunden hat. Steht er im
ständigen Gehorsam zu ihm, so wird sein Leben sich derart gestalten, dass
Freude darüber bei den Engeln Gottes sein wird.
Wer sich von Gott verloren hat, wer sein Leben verlor an Wohlleben,
Selbstsucht und Ehrsucht vor den Menschen, für den ist gerade Christus
gekommen, um ihn zu suchen und zu retten. Er bringt unser Leben in
Ordnung, wenn es noch so sehr in Unordnung geraten wäre. Denn siehe er
spricht: Siehe ich mache alles neu. |
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Vom 14. Juni - 17. Juni tagte in der Kirche du Musée in Brüssel die Synode
der protestantischen Unionskirche.
Zum letzten mal leitete mit P. de Worm zusammen der bisherige Präsident
der Kirche P. Schyns die Verhandlungen. Jahrzehnte lang hat P. Schyns der
Kirche als Präsident mit Geschick und Gewissenhaftigkeit gedient. Zu
seinem Nachfolger wurde der Inspektor des protestantischen Unterrichts an
den staatlichen Schulen, Herr Pastor Pinhal gewählt. Besonders
eindrücklich war der 2. Tag, an dem die Pfarrer der église libre und die
Presbyter, sowie die Vertreter der anderen evangelischen Kirchen und
Gemeinschaften in Belgien, zusammen waren. Die Gebetsgemeinschaft am
Anfang zeugte von einem gemeinsamem Ringen um die Sache Christi in
Belgien. Wohltuend war, dass man sich nicht, wie es sonst weithin üblich
ist, in theoretischen Erörterungen erging, sondern sich auf das Praktische
und Aktuelle richtete. Einen hervorragenden Platz nahm die Sache der
Mission ein. Dabei wurden die Gemeinden ermahnt, doch ja die absolut
nötigen Summen zur Aufrechthaltung der Missionsarbeit aufzubringen. Die
finanzielle Lage ist gegenwärtig drückend. Ich werde mir deshalb auch
erlauben, die mir zugesandten Opfertäschchen mit einem Flugblatt zu
verteilen, in der Hoffnung der Mission eine ansehnliche Summe schicken zu
dürfen. Das wäre dann eine Art Missionsopferwoche, wie diese in anderen
Ländern üblich ist.
Es ist begreiflich, dass die evangelische Kirche den durch die vorige
Regierung mit der katholischen Kirche abgeschlossenen Vertrag bezüglich
der Mission im Kongo, nicht einfach hinnehmen kann. Dieser Vertrag
bedeutet eine Bevorzugung der einen Kirche vor der anderen. Entweder
müssen der evangelischen Mission dieselben Vergünstigungen zukommen wie
der katholischen Kirche, oder aber der Vertrag muss annulliert werden. Die
Synode kann es denn auch nicht unterlassen diesbezügliche Schritte bei der
Regierung zu unternehmen. |
Chimay
Dieser Name wird Euch nicht
unbekannt sein. Seiner Zeit ist in diesem Blatt eingehend über die
Bewegung in Chimay berichtet worden. Es ist aber notwendig, dass auch
unsere Gemeinde wieder einmal daran erinnert wird, sonst gerät alles gerne
wieder in Vergessenheit. Die protestantische Kirche hat Verpflichtungen
auf sich genommen, deren sie sich nicht einfach entziehen kann. Ihnen
wurde in der letzten Synode einhellig beigestimmt. Es handelte sich dabei
um eine Summe von 200.000 Franken. Im April waren erst 100.000 Franken
beisammen. Eine einzige Gemeinde hat die ihr zukommende Summe aufgebracht.
Die Synode hofft aber, dass alle Gemeinden, welche damit im Rückstande
sind, ihr Versprechen einlösen werden. Der Kassierer war genötigt, Gelder
die für andere Aufgaben bestimmt waren, dafür in Anspruch zu nehmen. Eine
würdige Ausgestaltung des Gottesdienstraumes tut not. Es wäre ein
trauriges Zeugnis für unsere evangelische Kirche, wenn sie in Zukunft
nicht mehr Eifer in dieser Sache zeigen würde.
Um die Arbeiten
beginnen zu können, hat der Regionalrat des Henegaus 50.000 Frk. zur
Verfügung gestellt. Das sollte ein Ansporn für die anderen Gemeinden sein,
etwas Tapferes zu tun. Wir appellieren an die Solidarität aller
evangelischen Gemeinden und Glieder.
Flüchtlingsdienst
Während des
Jahres 1953 sind 45 Familien mit 131 Personen mit Hilfe des
Flüchtlingsdienstes ausgewandert. Von diesen sind 22 Familien mit 72
Personen nach Kanada, 16 Familien mit 49 Personen nach U.S.A., 3 Familien
mit 6 Personen nach Südamerika, 2 Familien mit 2 Personen nach dem Kongo
und je eine Person nach Australien und Japan ausgewandert.
Ihrer
Nationalität nach waren es 60 Russen, 20 Ukrainer, 18 Jugoslawen, 16
Polen, 6 Deutsche, 6 Ungarn, 4 Letten und 1 Bulgare.
In den
Altersheimen von Elouges und Blaugies sind die greisen Flüchtlinge
untergebracht. Von Januar 1953 bis Januar 1954 sind 26 Greise in Belgien
eingereist, davon 8 von den Philippinen und 16 aus China. Seit Juni 1954
sind die 2 existierenden Altersheime zu klein geworden, um alle die alten
Flüchtlinge aufzunehmen, welche in Belgien Zuflucht suchen. Es musste
deshalb die Eröffnung eines dritten Altersheimes ins Auge gefasst werden.
Die vielen
unternommenen Schritte führten schließlich zur Gründung des Heimes "Soir
Paisible" in Amay, wo hauptsächlich die aus China kommenden alten
Flüchtlinge untergebracht werden.
Von den alten
Flüchtlingen sind 8 gestorben, darunter solche mit schweren Leiden
behafteten. Einige sind zu Verwandten oder Freunden nach Argentinien und
den Vereinigten Staaten gekommen. Einige sind auf Besuch in Deutschland,
England und in Brüssel, zeigen aber dem Heim gegenüber ihre
Anhänglichkeit.
So wird für diese Armen getan, was getan werden kann, um ihr Los
freundlicher zu gestalten. |
Gottesdienste
Eupen:
11. Juli Gemeindeausflug.
18. Juli, 1. August, 15. August, 29. August morgens 10 Uhr
Jeweils anschließend an den Gottesdienst Kindergottesdienst.
Neu-Moresnet:
19. Juli, 1. August, 15. August, 29. August 14.30 Uhr
Malmédy:
25. Juli und 22. August 10 Uhr
Herbesthal:
8. August 10 Uhr
Getauft wurde Jean Marc Gustin, Kind des Jean Gustin u. d. Gerda geb.
Dogwarder, Kaperberg Eupen.
Das
Lebensschiff
Wir sind im Schiff und müssen fahren. Das Meer ist weit und fern das
Ziel.
Setzt recht die Segel, denn Gefahren, gibt es auf unsern Meeren viel.
Wir werden so dahin getragen vom hohen Seegangs Wellenschlag,
und durch die Seelen geht ein Fragen wo unser Schifflein landen mag.
Solange wir im Glauben halten, der Steuermann am Ruder steht,
vertrauen einem höh'ren Walten, auch unser Schiff zum Ziele geht.
Schon sehen wir des Leuchtturms Flamme. Bald steigen wir im Hafen aus.
Dort hinter jenem Wolkenstamme erwartet uns ein Vaterhaus.
Joh. Scholten, Kirchmeister, Eupen
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Mitteilungen erbeten an Pfarrer Johannes Wipf, Eupen, Hookstr. 40
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