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Mitteilungsblatt |
Nr. 70 |
Juni/Juli 1953 |
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Inhalt:
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IHR SEID DAS LICHT DER WELT.
Mt. 5,14
Christen sind damit gemeint, die ihres Glaubens bewusst sind und die
Aufforderung erhalten, etwas zu tun, damit ihr Glaube sichtbar werde. Sie
haben das Licht von Gott empfangen, sie wissen, dass sie aus der Gnade
leben. Sie besitzen die Freiheit, die nur Gott verpflichtet ist und wissen
sich gerufen, in dieser Freiheit Gottes Willen zu tun. Sie kennen dank des
Glaubens die Wahrheit um das menschliche Leben und so viel sie betrübt
sein mögen ob der Macht der Sünde in ihrem Leben, so oft sind sie fröhlich
und von Tatendrang erfüllt aus der Erkenntnis der Güte und Herrlichkeit
Gottes, an der sie Anteil haben. Diese Christen sind das Licht der Welt.
Jeder einzelne gehört dazu, der sich an die Verheißung und an das Gebot
Christi hält, der diese nicht nur diskutiert, sondern sich erleuchten
lässt von ihnen und der das Licht Gottes in seinem Herzen hütet, als den
kostbarsten Schatz, der ihm gegeben ist.
"Ihr" sagt Christus und meint damit nicht die ganze Masse der Leute
zusammen, die da vor ihm sitzen (das Wort steht in der Bergpredigt),
sondern jeden Einzelnen. Schrecklich ist es, Menschen zu sehen, die ihr
eigenes Herz und ihren eigenen Willen verloren haben. Diese leben wie die
Tiere in der Herde und warten nur immer auf irgend einen Leithammel, der
sie weiterführt oder stößt, sei es zum Frieden oder zum Krieg!
Die Gemeinschaft von gläubigen Menschen besteht aus einzelnen, deren
Herzen jedes für sich sich entzündet an der großen Flamme, die Jesus
Christus angezündet hat. So soll es unter uns sein und so sollen wir dann
leuchten, nicht nur in der Ehrfurcht vor dem Licht des andern, sondern
auch in der Freude am Licht des andern.
Und dann heißt es, dass wir der Welt leuchten sollen. Da ist die Welt mit
ihrer Lust und ihrem Schmerz gemeint, die Welt, die in stetem Wechsel von
Leben und Sterben, fiebernd und berauscht, jauchzend und betrübt sich um
sich selber dreht, die Welt in die wir hineingestellt sind und in der wir
uns streiten um irdischen Besitz und sterblichen Ruhm, in der wir den
Kampf um das tägliche Brot führen und unsere Feste feiern. Da hinein
sollen wir leuchten mit dem ewigen Licht, das Anfang und Ende, Ursprung
und Ziel in einem ist, unwandelbar in dieser rastlosen, lebendigen Welt.
Was von Gott kommt ist immer anders als die Welt, trotzdem ist es nicht
weltfremd, sondern für die Welt bestimmt, zum Segen und Heil von Gottes
Schöpfung. Und diejenigen, die Gottes Licht sind, sie dürfen ebenso wenig
weltfremd sein. Sie sind der Welt verhaftet mit Leib und Seele und das
Licht, die frohe Botschaft, muss aus ihren Taten an dieser Welt sichtbar
werden. Jesus bestimmte seine Jünger nicht dazu, sich irgendwohin in die
Einsamkeit zurückzuziehen, und noch weniger befahl er ihnen, ihr Licht für
sich zu behalten, so wie man irgend einen Schatz behütet. Verwalten
sollten sie die Pfunde! Es gibt so viel "privates Christentum" bei uns,
das sich selbst genug ist! Als Christ leben wird man aber immer nur können
mit dem Bruder, mit dem Nächsten, den man nicht aussuchen kann, sondern
der einfach da ist, so wie man eben in eine Familie, in eine
Volksgemeinschaft hinein geboren ist.
Ihr seid das Licht der Welt! Das bedeutet: "Ihr sollt meine Zeugen sein!"
Ist es nicht so, dass ein Menschenleben dadurch sinnvoll wird, dass es
Zeugnis besitzt von jenem, der die Welt erschaffen und sie erlöst aus
ihrer Unruhe? Und ist es nicht so, dass ein Menschenleben fröhlich und
freudig sein darf, das mit solchem Zeugnis in die Welt hineinleuchtet? |
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DEUTSCHLAND: Ostzone - Frieden mit der Kirche
Bei einer Besprechung zwischen Vertretern der evangelischen Kirche und der
Regierung der Sowjetzone in Berlin wurde eine weitgehende Übereinstimmung
erzielt. Auf der Konferenz, an der u. a. Ministerpräsident O. Grotewohl,
sein Stellvertreter O. Nuschke und der Minister für Staatssicherheit,
Zaisser, teilnahmen, wurde die Einstellung aller kirchlichen Maßnahmen
zugesagt. Für die evangelische Kirche nahmen u. a. der Vorsitzende des
Rates der evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Otto Dibelius und
sechs andere Bischöfe aus Mitteldeutschland teil. Die Zugeständnisse der
Regierung sind folgende:
Gegen die "Junge Gemeinde" und sonstige kirchliche Einrichtungen sollen
keine weiteren Maßnahmen mehr eingeleitet werden.
Alle bisherigen Maßnahmen sollen überprüft werden.
Drei große kirchliche Anstalten sollen der Kirche zurückgegeben werden.
Die zurückgehaltenen staatlichen Zuschüsse sollen an die Kirche nach
besonders vereinbarten Regeln ausbezahlt werden.
Bemerkung: Wir sind gegenüber den Regierungen Sowjetisch beeinflusster
Staaten skeptisch geworden und so wird auch diese Nachricht, so erfreulich
sie von außen gesehen ist, mit Vorsicht zu genießen sein. Indessen haben
wir gehört, dass tatsächlich schon eine große Anstalt wieder in den Besitz
der Kirche gelangt ist und dass der Staat 4 Millionen Mark nachgezahlt
hat. So sind die Opfer der "Jungen Gemeinde" und vieler anderer Getreuen
nicht umsonst gewesen.
SCHWEDEN: Drohender Pfarrermangel
Eine Abteilung der Hochschule Göteburg führte eine Untersuchung durch über
den Pfarrernachwuchs, die ein sehr düsteres Bild ergab. Die Zahl der
jährlich notwendigen Theologiestudenten ist von 125 auf 40 gesunken. Im
Jahre 1960 kann man mit nicht mehr als 30 Theologiekandidaten rechnen,
während der jährliche Abgang 85 beträgt.
Man sieht in Schweden gegenwärtig keine andere Möglichkeit als zu ganz
radikalen Mitteln zu greifen. Die Zusammenlegung von kleineren
Pfarrgemeinden genügt nicht mehr. Man spricht schon von Notausbildung von
Pfarrern. Der Grund dieses Pfarrermangels wird darin gesehen, dass die
Tradition, die auf den Dörfern herrschte, langsam aber sicher zu Ende
geht, nach welcher einer, der einen Kopf zum Lernen hatte, eben Pfarrer
wurde. Daran ist nicht nur die allgemeine Verweltlichung Schuld, sondern
auch die Tatsache, dass die Möglichkeiten für ein Stipendium in anderen
Studien als den theologischen besser sind.
Andere Gründe gesellen sich dazu: Der Pfarrer ist ein Staatsangestellter,
der die Zivilregister führt. Er hat keinen großen Lohn und keine
Möglichkeiten, sich viel zu verbessern usw.
Bemerkung: Schon lange hat mich keine Nachricht mehr so bewegt wie diese.
Pfarrermangel auf Grund schwindender Frömmigkeit und schlechter
materieller Aussichten! Wir müssen viel beten darum, dass Gott seinen
Geist sende und Arbeiter in seine Ernte schicke. |
Gottesdienste im Juni und im Juli 1953
Eupen:
am 7. und 21. Juni
am 5. und 19. Juli (Pfr. Romans) je um 10 Uhr
Neu-Moresnet:
am 7. und 21. Juni
am 5. Juli (Gottesdienst am 19. Juli fällt aus) je um 14.30 Uhr
Malmédy:
am 28. Juni um 10 Uhr
am 9. August um 10 Uhr
Herbesthal:
am 12. Juli um 10 Uhr
St. Vith:
im Hause von Frau Dr. Biermans
am 12. Juli um 17 Uhr
Lüttich:
am 28. Juni um 15 Uhr in der Kirche rue Lambert le Bègue
Der Pfarrer ist
abwesend vom 17. bis zum 27. Juli
Kirchenchor:
jeden Donnerstag
um 8 Uhr im Pfarrhaus
Jugendgruppe:
jeden Mittwoch um 8 Uhr
Gemeindeausflug
Der Gemeindeausflug vom 14. Juni, der uns an die Aar und den Rhein führte
schon der Geschichte an. Mit einer Teilnehmerzahl von 49 Gemeindegliedern
stellte er einen Rekord dar. Aber auch in anderer Beziehung brachte er
Niedagewesenes! Eine solche Fröhlichkeit und Ausgelassenheit hat wohl noch
an keinem Gemeindeausflug geherrscht. Alle waren begeistert. Die
Schleidener waren erfreut über unsern Besuch und die Lieder unseres
Kirchenchores . - Sie haben übrigens viele Sorgen, da ihr Gebiet zum
Manövergebiet der Alliierten gemacht werden soll! - Die Wolken machten
nach dem Mittagessen in der Schwammenauel der Sonne Platz und wo noch
andere Wolken vorhanden waren, mussten sie weichen vor der Stimmung, die
im Aartal herrschte. Und dann der Rhein mit dem berühmten Drachenfels auf
der gegenüberliegenden Seite, die weißen Dampfer auf dem grünen Wasser und
dann Bonn mit dem neuen Bundeshaus, dem alten Münster und der ehrwürdigen
Universität. Bis nach Eupen erklangen die Lieder. Nun heißt es überall:
Das nächste Jahr wieder dahin!
Bettelpfarrer
Letzthin fragte mich ein Pfarrer, der lange in einer ausländischen Kirche
gearbeitet hatte: "Sind Sie auch so ein Bettelpfarrer, wie ich einer
gewesen bin?" Ich hatte ihm von den finanziellen Schwierigkeiten unserer
belgischen Kirche erzählt und von der Sonderkollekte, die wir hier jedes
Jahr durchführen. Ich war etwas erstaunt über das Wort "Bettelpfarrer" und
fragte mich, ob das wohl eine Auszeichnung oder das Gegenteil davon
bedeutete und was daran wahr sei?
Von Zeit zu Zeit schicke ich allen Gemeindegliedern einen blauen Schein,
mit der Aufforderung, die kirchlichen Werke nicht zu vergessen. Ist das
Bettelei? Ich meine, es sei vielmehr eine Pflicht, die Gemeinde zur
Dankbarkeit aufzurufen und in ihren Werken zeigen zu lassen, dass ihr der
Glaube an Gott und Christus etwas wert sei. Wir empfangen täglich Gnade um
Gnade und was tun wir, um Gott zu danken?
Ich möchte nicht aufhören zu sagen: Lasset euer Licht leuchten vor den
Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und den Vater im Himmel preisen.
Das Ergebnis der Sonderkollekte 1953 ist bis dahin miserabel!! Die
Bedürfnisse unserer Kirche sind größer geworden. Wir haben uns letztes
Jahr gefreut, dass wir ca. 16.000 Franken diesen Werken zur Verfügung
stellen konnten. Dieses Jahr erwartet man von uns ca. 23.000.- Frs.
Daher vergesst bitte nicht den blauen Schein auszufüllen, der im
Gemeindeblatt lag und füllt ihn etwas großzügig aus und betet, dass Gott
euer Opfer segne!
Herr, lass uns nicht!
Lass nicht die Kinder, die im Dunkeln irren!
Sieh doch, wie Leidenschaften stark und wild den rechten Willen tief
verwirren.
Wir fehlen schmählich Stund um Stund.
Wir möchten lieben; doch das Herz will's nicht.
Wir möchten treu sein; doch die Treue bricht, und trügerische Worte
spricht der Mund.
Wir dürsten nach dem Reinen, Schönen,
doch unsere Werke, ach, verhöhnen,
was unserer Seele Sehnsucht ist.
Herr, lass uns nicht!
Lass, nicht die Kinder, die im Dunkeln gehn, dass unsere Augen heil'ge
Sterne seh'n.
Erleuchte uns mit deinem Licht!
Herr, lass uns nicht!
Hans Wegmann |
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Mitteilungen und neue Adressen an Pfr. U. Höner, Eupen, Tel. 1195
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