Evangelische

Kirchengemeinde

Eupen, Malmédy,

Moresnet, St. Vith

Selig sind, die das

Wort Gottes hören

und bewahren.

Lukas 11,28

Mitteilungsblatt                          Nr. 89                          Mai 1955

Inhalt:

Ein reiner und unbefleckter Gottesdienst vor Gott dem Vater
Grüße aus dem Kongo
Gottesdienste / Kirchliche Handlungen / Zum Muttertag

Ein reiner und unbefleckter Gottesdienst vor Gott dem Vater

Jakobus 1,22-27

Wenn am Sonntag die Glocken in unserem Kirchturm läuten, so sind immer Menschen auf dem Wege zur Kirche. Es wird nie vorkommen, dass der Pfarrer vor lauter leeren Bänken steht. Wozu kommen denn die Leute in die Kirche? Es mögen verschiedene Beweggründe sein, welche sie zur Kirche führen. Ich möchte nicht auf das eingehen, was manchmal darüber gesagt wird und den Kirchgängern von der Welt gern unterschoben wird. Eine Anzahl Seelen sind immer da, welche aus keinem andern Grunde kommen, als dem, dass sie Gottes Wort hören wollen.

Von Menschenworten sind wir oft genug umgeben. Wir lesen sie in der Zeitung und in unterhaltenden und belehrenden Büchern. In der Kirche soll nichts anderes als das Evangelium gepredigt werden und darum gehört die Politik nicht auf die Kanzel.

Gewiss, Gott spricht auch zu uns durch die Natur, die Geschichte und durch die Erfahrung unseres Lebens, aber das allein genügt noch nicht, wenn wir von Gott belehrt, erfreut und getröstet werden wollen.

Das Wort, das Jesus verkündigte, die Apostel verbreiteten und die Prediger und Missionare an die Menschen heranbrachten, jenes Wort, in dem Gott uns so nahe kommt, wie die Mutter ihrem Kinde, wenn sie es mahnt und tröstet, ist für unsere Seele so nötig wie das Brot für den Leib. Zu denen aber, welche nur 'Hörer' des Wortes Gottes sind, sagt Jakobus: "Seid Täter des Wortes und nicht Hörer allein." Beides, das Hören und das Tun verlangt Jakobus, denn er setzt sich ein hohes Ziel, wenn er von einem reinen und unbefleckten Gottesdienst vor Gott, dem Vater, redet. Da muss ein Jeder sich schon ernstlich fragen, ob er diesen Gottesdienst wirklich ausübt. Worin besteht dieser denn? Jesus hat darüber auch seine Gedanken geäußert und sie entsprechen dem, was Jakobus in seinem Wort herausgegriffen hat. Der Herr sagt: "Dabei wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, so ihr Liebe untereinander habt." Und "Selig sind die reinen Herzens sind" denn sie werden Gott schauen." Liebe und Reinheit gehören wesentlich zum reinen und unbefleckten Gottesdienst. Liebe vor allem zu den Betrübten und Einsamen. Zur Liebe kommt die Reinheit gegenüber der Versuchung der Welt. Jakobus hat wie Johannes viel Augenlust, Fleischeslust und hochmütiges Wesen feststellen müssen. Wir sind in der Welt und können sie nicht fliehen, doch müssen wir das Gottwidrige ablehnen und ein Leben nach Gottes Wohlgefallen zu führen suchen.

Manche leben in dem Wahn, schon dadurch Gott zu dienen, wenn sie nur ihre frommen Übungen verrichten. Jakobus sagt uns aber, dass es wertlos vor Gott, dem Vater sei, wenn nicht noch etwas anderes dazukomme. Es gibt mancherlei Dinge im Leben des Menschen, welche jeden Gottesdienst vor Gott dem Vater, wertlos machen. Dazu gehört auch eine unbeherrschte Zunge. "So jemand unter euch sich lässt dünken, er diene Gott und hält seine Zunge nicht im Zaum, und täuscht sein Herz, des Gottesdienst ist eitel." Ja die Zungensünden schaffen eine Welt voll Ungerechtigkeit. Man kann ein fleißiger Kirchenbesucher sein, kann beten und fasten, aber wenn man sich zu argem Reden verführen lässt, ist man noch weit vom rechten Gottesdienst entfernt. Möchten wir doch die Kraft finden, das Gewissen nicht mit losem Reden zu beflecken und den heiligen Geist nicht zu betrüben.

Woher wollen wir die Kraft schöpfen, um zu einem reinen und unbefleckten Gottesdienst zu kommen? Die Voraussetzung für die Gewinnung der nötigen Kraft ist das Hören des Wortes Gottes. Es ist die Grundlage, auf der sich Glaube und Christentum aufbauen, ist der Boden aus dem die Kraft zu allem Guten erwachsen kann, auch die Kraft zum Beschreiten des Weges, der zum reinen und unbefleckten Gottesdienst führt. Es ist aber ein Selbstbetrug, wenn man flüchtig über das Gehörte hinweggeht. Jakobus veranschaulicht das, indem er das Wort Gottes mit einem Spiegel vergleicht. Er erinnert an einen Mann, der im Spiegel sein leiblich Angesicht beschaut und auf demselben eine Verunreinigung wahrnimmt, aber dann davon geht und vergisst, wie er gestaltet war. Der flüchtige Blick in den Spiegel hat ihm nichts genützt. Das Wort Gottes ist auch ein Spiegel, der aber nicht den äußern, sondern den innern Menschen, seinen Charakter und seine bösen Neigungen aufzeigt.

Das Wort Gottes offenbart uns, wie wir sein sollten und wie wir aber in Wirklichkeit sind. Was nützt es uns aber, wenn wir in diesem Spiegel unsere Fehler erkennen, aber sie nicht durch Gottes Gnade zu überwinden suchen, in aufrichtiger Reue. Wir müssen mit unserm ganzen Denken und Fühlen stets im Worte Gottes leben. Das Evangelium ist das vollkommene Gesetz der Freiheit, welches zur Sündenerkenntnis führt. Die Botschaft von Jesus macht uns frei von den Fesseln der Sünde, der Furcht und der Hoffnungslosigkeit. Jesus sagt: "So euch nun der Sohn frei macht, so seid ihr recht frei." Er verkündigt die vergebende Gnade Gottes. Sollte ein Mensch, der das weiß, sich nicht gern in den Dienst Gottes stellen und nach seinem Willen handeln. Im Evangelium findet er Kraft zum reinen und unbefleckten Gottesdienst. Das ist die höchste Freude, Gott in rechter Weise dienen zu können. Ein solcher Mensch ist selig in seiner Tat.

Grüße aus dem Kongo

Einer unserer Jungen schreibt uns diesen Brief vom Kongo.

Aus dem Innern Afrikas versuche ich Euch einige Züge der Gottesarbeit zu beschreiben.

Zwei Jahre sind es her, dass ich meine ersten Schritte unter den Schwarzen machte. Ich war gepackt von ihrem Verlangen, an einen Gott zu glauben. Dieses Glaubensverlangen treibt einen Teil dieser Menschen dazu, sich auf einen Gott zu verlassen, dessen Namen sie nicht kennen, aber von dem alles abhängt. Hier einige Beispiele:

Wenn sie mit der Arbeit im Rückstand sind: Gott hat es gewollt. So ist Gott verantwortlich für ihre Handlungen. Es gibt andere unter ihnen, die in ihrem Verlangen, Gott zu gefallen, ihre Fetische in Medaillen verwandelt haben, denen sie dann einen christlichen Sinn beimessen. Wir können sie deswegen nicht verurteilen: Die Weißen haben gesagt, dass man es so machen müsse.

Endlich finden wir solche, die an Gott, den Retter und Erlöser glauben und die die lebendige Kirche Gottes bilden. Ich werde Ihnen einige Worte über die Letzteren sagen, da sie die Kinder Gottes sind. Diese Arbeit geht jeden christlichen Belgier etwas an, da es sich um unsere Kolonie handelt. Wiederholt hatte ich Gelegenheit, Missionarsposten zu besuchen und ich war erfreut, die Geistesgemeinschaft der der Gotteskinder im Kongo festzustellen.

Es ist bemerkenswert wahrzunehmen, mit welchem Ernst und Vertrauen, der christliche Eingeborne sich vor Gott stellt: Kein Kompromiss, keine Doppelzüngigkeit des Geistes. Eine Sache zählt: Gott und der Dienst im Schoss der Kirche.

Viele Stationen zählen mehrere hundert und oft tausende von Christen. Welcher Genuss ist es, unter ihnen zu weilen bei den Versammlungen auf den Bergen, unter den Palmen und unter einem blauen und gestirnten Himmel.

Auf jeder dieser Stationen ist das Erstaunen der Schwarzen groß, unter sich einen evangelischen Christen, belgischer Nationalität zu sehen. Im allgemeinen wird gelehrt, dass alle Belgier römisch-katholisch seien.

Es gibt junge Menschen, die sich fragen, wie man Gott in Afrika dienen kann. Diese Frage ist kein Problem. Es ist möglich, hier seinen Beruf so gut wie in Europa auszuüben. Zugleich kann man dabei Gott als Zeuge dienen und so der Kirche helfen. Können wir, liebe christliche Freunde, unser Herz und unsern Leib darbringen, um der Kirche unseres Herrn zu dienen, besonders hier auf afrikanischem Boden, wo die Kirche sich selbst diese große Frage stellt: Warum nicht mehr Belgier, evangelischen Glaubens, und so viele Katholiken?"

(Übersetzt aus "La voix chretienne")

Gedenket auch der Mission in Euren Gaben! Einige tun es getreulich. Unsere Gemeinde sollte jährlich 7.000 Frk. für die Mission aufbringen.

Gottesdienste / Kirchliche Handlungen / Zum Muttertag

 

Gottesdienste

Eupen:
vom 1. Mai an findet jeden Sonntag Gottesdienst statt. 1. Mai, 8., 15., 19. (Himmelfahrt), 22., 29. Mai (Pfingsten, mit Abendmahl) 10 Uhr
Neu-Moresnet:
8., 22. und 29. Mai (mit Abendmahl) 14.30 Uhr
Malmédy:
15. Mai, Pfingstmontag, 30. Mai mit Abendmahl 10 Uhr

Herbesthal:
22. Mai, 10 Uhr


Kirchliche Handlungen

Beerdigt wurde Mariä Willems, geb. Körfer, Witwe des Klaus Willems, Eupen im Alter von 52 Jahren (gest. 12. April)


Zum Muttertag

Deine Mutter musst du lieben, deine Mutter ist so gut.
Deine Mutter musst du lieben, du bist Blut von ihrem Blut.

Als du klein warst, hat die Mutter liebend über dich gewacht,
hat beim Scherzen und beim Spielen, mitgescherzt und mitgelacht.

War dein kleines Herz voll Leide, hat sie es an sich gedrückt,
mit dem Wohlklang ihrer Stimme, dich getröstet und beglückt.

Ihre sanften Hände regten sich von früh bis in die Nacht.
Immer hat die gute Mutter, neue, Opfer dir gebracht.

Mutterliebe- Muttertreue, Mutterglück und Mutterschmerz,
werden ewig sich auf's Neue, finden für ein Kinderherz.

Johs. Scholten, Kirchmeister

Mitteilungen erbeten an Pfarrer Johannes Wipf, Eupen, Hookstr. 40

 

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Stand: 07. Mai 2010