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Und er sprach zu ihnen: Wenn jemand unter euch einen Freund hat und
ginge zu ihm um Mitternacht und spräche zu ihm: Lieber Freund, leih mir
drei Brote; denn mein Freund ist zu mir gekommen auf der Reise, und ich
habe nichts, was ich ihm vorsetzen kann, und der drinnen würde antworten
und sprechen: Mach mir keine Unruhe! Die Tür ist schon zugeschlossen und
meine Kinder und ich liegen schon zu Bett; ich kann nicht aufstehen und
dir etwas geben. Ich sage euch: Und wenn er schon nicht aufsteht und ihm
etwas gibt, weil er sein Freund ist, dann wird er doch wegen seines
unverschämten Drängens aufstehen und ihm geben, soviel er bedarf. Und ich
sage euch auch: Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr
finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. Denn wer da bittet, der
empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird
aufgetan. Wo ist unter euch ein Vater, der seinem Sohn, wenn der ihn um
einen Fisch bittet, eine Schlange für den Fisch biete? 12 Oder der ihm,
wenn er um ein Ei bittet, einen Skorpion dafür biete? 13 Wenn nun ihr, die
ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben geben könnt, wie viel mehr wird
der Vater im Himmel den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten!
Lukas 11, 5-13
Längst nicht alles, was unter dem Namen Gebet einhertritt, ist Gebet und
nicht jeder, der vermeint zu beten, ist ein Beter. Gebet ist etwas
anderes, als was sich viele "Beter" darunter vorstellen. Es ist höchste
Konzentration, Arbeit des Herzens, ist ein Reden mit Gott.
Es sind ein paar Jahrhunderte her, da wurde einmal bei drohender
Kriegsgefahr an einer fürstlichen Tafel die Frage laut, wie jeder sich
durch das Leben schlagen würde, wenn das Gefürchtete einträfe. Der eine
sagte: Ich kann Laute spielen; der andere ich kann Möbel zimmern; der
dritte ich kann Netze stricken, und so brachte ein jeder sein Handwerk
vor, durch das er in der Not sein Brot verdienen könne. Bis schließlich
einer sagte: Ich kann beten. Und von Stund an will ich dieses Handwerk so
treu üben, dass wir alle der erwähnten Handwerke nicht bedürfen.
Ich kann beten - ja können wir beten? Sind wir Meister darin? Bleiben wir
schließlich doch nicht immer Lehrlinge auch im Gebet? Das Gebet ist kein
Handwerk. So hat's wohl jener Mann auch nicht gemeint, sondern er war von
der Macht des Gebets überzeugt. Darum wollte er seine Zuflucht ganz zum
Gebet nehmen. Das Gebet ist mehr ein Werk des Herzens als des Mundes. Die
regelmäßige Ausübung des Gebets ist wichtig, denn was man nicht
fortwährend übt wird leicht vergessen. Gott darf nicht nur ein Nothelfer
sein und wenn die Not vorüber ist, ist auch das Gebet zu Ende. Gewiss,
Gott sagt selber: Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten, aber
es wird gleich hinzugefügt, so sollst du mich preisen. Grund dafür haben
wir wahrlich genug. "In wie viel Not hat nicht der gnädige Gott über dir
Flügel gebreitet?" Darum redet unser Text auch vom anhaltenden Beten. Ich
denke dabei auf das allezeit auf Gott eingestellte Leben und an das Stehen
in seiner Gegenwart.
Im Gleichnis vom bittenden Freund werden wir ermahnt, eindringlich zu
bitten. Gott will, dass wir so zu ihm reden wie Kinder zu ihrem Vater oder
ihrer Mutter, dass wir voll kindlichen Zutrauens zu seiner Vatergüte nicht
aufhören, vor ihn unsere Anliegen zu bringen. Die heilige Schrift aber
ermahnt uns: Betet ohne Unterlass, haltet an am Gebet lasset in allen
Dingen eure Bitten in Gebet und Danksagung vor Gott kund werden.
Er hört die Seufzer deiner Seelen und des Herzens stille Klagen, und was
du keinem darfst erzählen, magst du Gott gar kühnlich sagen. Er ist nicht
fern, steht in der Mitten, hört bald und gern der Armen Bitten.
Gott erhört die Gebete. Davon redet Christus weiter: Bittet so wird euch
gegeben - Gott erhört den Beter. Nicht dass alle seine Bitten nach seinen
Wünschen sich erfüllen würden, aber doch so, dass er uns auf's letzte Ziel
gesehen, das zukommen lässt, was zu unserm Besten dient. Seine Wege enden
in Lieb und Segen. Ein wirklicher Beter kann von Gebetserhörungen
erzählen.
Wenn einem Menschen alles gegeben ist an irdischen Gütern, an Geld und
Gut, an Gesundheit und Kraft, an Liebe und Verehrung, an Anerkennung und
Erfolgen, schenkt er uns nicht seinen Geist, nützt uns alles nichts. Was
ist das für ein Geist von dem Christus da redet? Es ist der Geist der
Gotteskindschaft. Dass er sich aber als sein Kind weiß, geliebt in Christo
Jesu seinem Sohn, ist des rechten Beters kostbarstes Privilegium.
Es war in meiner überseeischen Gemeinde. Die Mutter einer größeren
Kinderschar war auf den Tod krank. Der Arzt konnte nicht mehr helfen. Ich
glaubte auch, dass es mein letzter Besuch gewesen sei. Mehrere Wochen
erhielt ich von der weit entfernt wohnenden Familie keinen Bericht mehr.
Es war an der Zeit, dass ich mich wieder auf's Pferd setzte um die Familie
aufzusuchen. Mit Freude wurde ich dort begrüßt. Die Mutter saß wieder in
der Stube, noch bleich und schwach, aber doch dem Leben zurückgegeben.
"Ja", sagte die Großmutter, "ich habe Gott keine Ruhe gelassen und wir
haben ihn mit unserm Gebet und Schreien bedrängt und ihm gesagt, dass er
uns die Mutter lassen müsse." Nein sie hatte nicht umsonst gerungen im
Gebet die alte Auswandererfrau.
Gebet
Ach, mein Herr Jesu, der du bist von Toten auferstanden,
rett uns aus Satans Macht und List und aus des Todes Banden,
dass wir zusammen insgemein zum neuen Leben gehen ein,
das du uns hast erworben! Amen |
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Viel Staub aufgeworfen hat in der Evangelischen Welt die Maßnahme der
Madrider Polizei, welche am 23. Januar d. J. die dortige Theologische
Schule der Protestanten geschlossen, die Unterrichtsräume und die
Bibliothek versiegelt und die 50 Kinder des evangelischen Waisenhauses in
die Provinz verschickte. Es gibt dort offenbar Mächte, welche durch
solches Tun versuchen die Protestanten "unterzukriegen". Der Weltrat der
Kirchen hat deshalb auch bei der spanischen Regierung Protest eingelegt.
Der britische Kirchenbund hat den englischen Außenminister auf den
schwerwiegenden Charakter dieser Polizeimaßnahmen aufmerksam gemacht.
Es gibt in Spanien etwa 200 evangelische Gemeinden mit 20.000 Mitgliedern,
das sind kaum 1 Promille der Bevölkerung. Von diesen 200 Gemeinden haben
nur ca. 80 die Erlaubnis Gottesdienste abzuhalten, den andern ist es
verboten. Die Herausgabe von protestantischen Bibeln ist untersagt. Auf
dem Friedhof müssen die Evangelischen auf einem Platz beerdigt werden, der
durch eine Mauer vom Friedhof der "rechten Christen" abgegrenzt ist. In
den Schulen werden die protestantischen Kinder genötigt, die katholischen
Bräuche mitzumachen.
Nun gibt es auch Katholiken, welche solche Maßnahmen ihrer Kirche nicht
gutheißen. In dem katholischen "Courrier" von Genf wird geschrieben:
"Wir empfinden diese Maßnahme als völlig unangebracht und nehmen
entschieden dagegen Stellung. General Franco wird verfehlen durch
Ungerechtigkeiten dieser Art den katholischen Glauben wirksam zu
verteidigen. Er wird ihn höchstens kompromittieren vor den Augen der
ganzen Welt, in der die Katholiken überall das Recht zur Eröffnung und
Fortführung ihrer eigenen Schulen beanspruchen. Es gibt viele andere
wichtigere Dinge in Spanien zu tun, um den katholischen Glauben auf den
Leuchter zu stellen."
Und man muss sich fragen, ob das nicht ein Zeichen der inneren Schwäche
ist, wenn man gegenüber einer so geringen Minderheit, wie sie die
Evangelischen in Spanien darstellen, zu solchen Maßnahmen greift.
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