 |
MITTEILUNGSBLATT
der Evangelischen Kirchengemeinde
Eupen,
Malmédy, Neu-Moresnet
erscheint
monatlich in Eupen
»Selig sind, die das Wort Gottes hören
und bewahren«
(Lukas 11,28) |
|
Nr. 99
März 1956 |
Inhalt:
- Unter dem Kreuze
- Allerlei Kleider aus der Passionsgeschichte
- Aus der weiten Welt
-
Gottesdienste
|
|
Aber einer der Übeltäter, die am Kreuz hingen, lästerte ihn und sprach:
Bist du nicht der Christus? Hilf dir selbst und uns! Da wies ihn der
andere zurecht und sprach: Und du fürchtest dich auch nicht vor Gott, der
du doch in gleicher Verdammnis bist? Wir sind es zwar mit Recht, denn wir
empfangen, was unsre Taten verdienen; dieser aber hat nichts Unrechtes
getan. Und er sprach: Jesus, gedenke an mich, wenn du in dein Reich
kommst! Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du
mit mir im Paradies sein. Und es war schon um die sechste Stunde, und es
kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde, und die
Sonne verlor ihren Schein, und der Vorhang des Tempels riss mitten
entzwei. Und Jesus rief laut: Vater, ich befehle meinen Geist in deine
Hände! Und als er das gesagt hatte, verschied er.
Lukas 23, 39-46
Zur altrömischen Zeit sind manche Kreuze aufgerichtet worden, an denen
Menschen in große Qualen litten und starben. Mag sein, dass einmal von
einem dieser Hingerichteten in der Geschichte berichtet wird, aber wir
vernehmen davon sehr wenig. Dagegen berichtet uns die heilige Schrift sehr
genau und die Weltgeschichte wenigstens am Rande, von einem Kreuz, an dem
Christus sein Leben ausgehaucht hat.
Das Kreuz unseres Herrn, ist für den Christen zum Symbol geworden. Wir
finden es auf Friedhöfen, in der Diaspra, an Wegen und Häusern und auch
als persönlichen Schmuck. Das Kreuz hat seine ursprüngliche Bedeutung als
ein Zeichen der Schande verloren. Es redet nunmehr vom Siege und gibt uns
Trost und Hoffnung.
Jedes Kreuz aber, das uns begegnet, soll uns hinweisen auf Golgatha und
was dort geschah. Neben dem Kreuz in der Mitte waren noch zwei andere
aufgerichtet, an denen Übeltäter hingerichtet wurden. Der eine von diesen
lästert der andere betet.
Ist das nicht ein Bild von dem, was durch die Jahrhunderte geschah und
heute noch fortwährend geschieht? Steht Christus nicht zwischen einer
Menschheit, die ihn im Grunde genommen verachtet (Christus sagt, wer nicht
für mich ist, ist wider mich) und einer Menschheit, die Christus nötig hat
und betet. So ist das Kreuz wie Paulus sagt, denen einen eine Torheit und
ein Ärgernis und den andern eine Gotteskraft.
Gewiss, es wird wohl wenige geben, die wie der Mann dort im Sterben noch
Christus lästert, aber im Grunde genommen sind viele im Sterben Christus
ebenso fern wie jener. Es ist ja wohl wahr, dass mancher, Gott sei gedankt
dafür, seine Hand noch in der letzten Krankheit und angesichts des Todes,
nach Gott ausstreckt. Aber es es ist noch vielmehr eine Tatsache, dass die
Menschen meistens in der Todesstunde die bleiben, die sie waren und
einfach vollendet wird, was ihres Lebens Inhalt war.
Es ist nur gut, dass der eine, welcher mit Christus gekreuzigt wurde, eine
ganz andere Sprache redet. Er muss zwar auch die Folgen seiner Untat
tragen, aber seine Einstellung zu dem in der Mitte ist doch eine ganz
andere, als diejenige seines Mitverurteilten.
Er schaut in seiner letzten Not nach einem tröstlichen Worte aus. Er
vernimmt denn auch bald ein solches: Vater vergib ihnen, denn sie wissen
nicht, was sie tun. Sein verfehltes Leben steht vor ihm, aber nun hängt
dicht neben ihm der, dessen Erbarmen unendlich groß ist. Vielleicht hat er
auch jetzt für seine gequälte Seele einen lindernden Balsam? Darum wendet
er sich an Jesus mit der Bitte: Herr gedenke an mich, wenn du in dein
Reich kommst! Und die wunderbarste und herrlichste Antwort des Herrn
bleibt nicht aus: Wahrlich, ich sage dir, heute wirst du mit mir im
Paradiese sein.
Mit mir! Da ist keine Rede von einer Zwischenstufe, von einem Fegefeuer,
noch sonst etwas, was Menschengedanken, sei es auch, wie sie meinen durch
Wort in der heiligen Schrift begründet, ersonnen haben. Ein Christ soll
sich von diesem Heute nichts abmarkten lassen, weder von einer Kirche noch
von einer Theologie, noch von einer Sekte.
Wenn Christus auch am Kreuze durch alle Tiefen der Gottverlassenheit
hindurch musste, so war er doch auch da Sieger geblieben. Sein Siegeswort
war Vater!
Möge doch unter dem Kreuze diese große Zuversicht des Heilandes, auch die
unsrige werden! |
|
Der Schurz:
Jesus legt seine Kleider ab und umgürtet sich mit dem Schurz (Joh.
13,5), d.h. mit dem Kleid des Sklaven. So hat er seinen Königsrock
ausgezogen und das Knechtsgewand angelegt, um uns zu dienen. Er hat uns
damit ein Beispiel gegeben. Wir müssen das Kleid des Egoismus, der
Selbstsucht, des Pharisäers, des Geltungsbedürfnisses ablegen und in
Einfalt dienen um Jesu willen.
Das Hohepriesterkleid (Matth. 26,65)
Der falsche Hohepriester ist scheinheilig und tut so, als ob er Gottes
Ehre vertrete und begeht eine Gotteslästerung. Das heilige Kleid macht es
noch nicht, es kann sogar missbraucht werden. Falsche Propheten in
Schafskleidern - innen reißende Wölfe (Matth. 7,15). Zerreisset eure
Herzen, nicht eure Kleider! (Joel 3,13).
Der wahre Hohepriester Jesus schweigt bei falschen Anschuldigungen,
bekennt und weist auf seine Zukunft in Herrlichkeit. Er hatte ein
gewöhnliches Kleid, machte es aber durch sein Leben heilig.
In Apostelgeschichte 14,14 lesen wir: Paulus und Barnabas zerrissen ihre
Kleider, wollten keine göttlichen Ehren. Schein und Sein ist die
entscheidende Frage auch bei Kleidern. Unter dem Sonntagsrock muss auch
ein aufrichtiges frommes Herz stecken.
Das weiße Kleid (Lukas 23,11)
Herodes sieht Jesus als religiöser Schwärmer an und findet ihn deshalb
politisch ungefährlich und deshalb unschuldig. Herodes spottet mitsamt
seinem Gesinde und beweist damit seine unkönigliche Art. Aber er muss für
die Unschuld Jesu auch so zeugen. Jesus ist unschuldig verurteilt. Wir
sehen es an dem weißen Kleide: für uns.
Es gibt bei uns Menschen keine Unschuld, auch nicht Kindesunschuld.
"Christi Blut und Gerechtigkeit, das ist mein Schmuck und Ehrenkleid."
Nach Offb. 7,9.14, sind die Seligen angetan mit weißen Kleidern und
gewaschen im Blut des Lammes.
Der Purpurmantel (Matth. 27,28)
Die Könige trugen Purpurkleider. Hier legen sie Jesus zum Spott einen
roten Soldatenmantel an. Wie viele ziehen auch heute noch Jesus zum Spott
ein Purpurkleid an in Büchern, Zeitschriften, Gesprächen usw..
Pilatus führt Jesus im "Purpurmantel" heraus: "Sehet, welch ein Mensch!"
Doch muss selbst der Spott die Wahrheit verkünden: Jesus ist dennoch ein
König!
Der heilige Rock (Joh. 19,23)
Die Kriegsknechte teilen die Kleider nach damaligem Brauch. Um den Rock
wird gewürfelt, da er keine Nähte hat, die abgetrennt werden können.
Streiten sich heute nicht auch die Christen um die Kleider Jesu.
Äußerlichkeiten sind es oft, die sie voneinander trennen. Es ist im Grunde
doch nur Nebensächliches, dass um die Kleider gestritten und gewürfelt
wird.
Dann und wann wird der Heilige Rock (angeblich) ausgestellt. Es gibt
nämlich mehrere heilige Röcke.
Wohl haben Menschen, die Jesu Rock berührt, Heilung gefunden (Matth. 9,20;
14,36), aber das lag wahrlich nicht am Rock, sondern an Jesu. Jesus
braucht keinen Rock (Matth. 28,3). So sollen wir nicht an den Rock
glauben, sondern an den verklärten Heiland.
Die Leinwand (Matth. 27, 59)
Aus Liebe zu Jesus kauft Joseph von Arimathia reine Leinwand und wickelt
den Leichnam Jesu hinein. Der soll nicht in das Tal geworfen werden, wie
man's mit den Leichen der Gehenkten machte, sondern ein ehrliches
Begräbnis finden: Das war pietätvoll gegen Jesu und mutig gehandelt
gegenüber seinen Standesgenossen und Pilatus. Diese pietätvolle Liebe galt
freilich nur einem Toten. Die Leinentücher bleiben im Grab, Christus aber
steht auf zum Leben. Über den Gräbern steht die Auferstehung und über den
Leintüchern die Ewigkeitshoffnung.
|
|
Nach den
neuesten statistischen Angaben ist die vereinigte Kirche Christi in Japan
in den letzten 10 Jahren um 65 % gewachsen. Während sie 1945 rund
hunderttausend Glieder zählte, waren es am 31. März 1955 schon 162.397. Im
letzten Jahr wurden allein 42 Kirchen gebaut. Sie brachten die Zahl der
Kirchen auf insgesamt 1.455. Zu den bereits bestehenden 243
Missionsstationen kamen 42 neue hinzu. Die vereinigte Kirche Christi in
Japan umfasst presbyterianische, reformierte, methodistische,
baptistische, lutherische und andere protestantische Kirchen. oepd
Nach Angaben
von Dr. Ch. Wardi, Berater des Staates Israel für die dort bestehenden
christlichen Gemeinden, beträgt die Zahl der Christen in Israel
gegenwärtig etwa 40.000. Davon sind die Griechisch-Orthodoxen und die
Griechisch-Katholischen die größten Gruppen, beide zählen je etwa 17.000
Mitglieder. Römische Katholiken werden in Israel etwa 4.000 gezählt,
weiter 1.000 armenische Christen, 1.000 Anglikaner und kleinere Gruppen
von Maroniten, ägyptische Christen (Kopten), Syrern und Abessiniern. Auch
die Protestanten bilden nur eine kleine Gruppe. Von den 40.000 Christen
sind 35.000 nach ihrer rassischen Zugehörigkeit Araber. epd.
Ein
theologisches Seminar zur Ausbildung spanisch-sprechender lutherischer
Pfarrer im kommenden Jahr in Buenos Aires zu eröffnen hat die
südamerikanische Konferenz des Lutherischen Weltbundes beschlossen.
Ebenfalls eine Stärkung der kleinen protestantischen Minderheiten in
Südamerika bedeutet die Berufung eines norwegischen Pfarrers zur Seelsorge
an den deutschen und skandinavischen Auswanderer in Ekuador.
Kommunistische
Kritik der Bibelrevision
Das
Zentralorgan der sozialistischen Einheitspartei in der DDR hat den von
Bischof Dibelius geleiteten Ausschuss für die Revision der Lutherbibel der
Fälschung bezichtigt, weil er den Text der Weihnachtsbotschaft der Engel (
Lukas 2,14), der bisher lautete: Friede auf Erden und den Menschen ein
Wohlgefallen, aufgrund der ältesten Handschriften geändert habe. Der
Ausschuss schlägt vor: Friede auf Erden bei den Menschen, an denen Gott
ein Wohlgefallen hat. (Dass diese Fassung den Urtext richtig wiedergibt,
wird bestätigt durch die Handschriftenfunde am Toten Meer.)
Dazu sagt nun das "Neue Deutschland": Um die im Verlauf von zwei
Jahrtausenden geführten Raubzüge die Unterdrückungsfeldzüge und den
Diebstahl an den Reichtümern der Völker Asiens, Afrikas und Amerikas
nachträglich zu sanktionieren, muss die vielleicht eindruckvollste Stelle
im lutherischen Übersetzungswerk gefälscht werden." !!! |
Gottesdienste
Eupen:
4., 18., 30. März (Karfreitag) mit Abendmahl 10 Uhr anschließend Kindergottesdienst
Neu Moresnet:
4. und 18. März 14.30 Uhr. Am Karfreitagevent Teilnahme in Eupen.
Malmédy:
11. März 10 Uhr
Herbesthal:
25. März 10 Uhr |
|
Alle Mitteilungen erbeten an Pfarrer
Johannes Wipf, Eupen, Hookstr. 40. Tel. Eupen, 1195 |
|