Evangelische

Eupen - Malmédy

Kirchengemeinde

Moresnet - St.Vith

Mitteilungsblatt

Nr. 68 März/April 1953

Inhalt:

Er leugnete aber und sprach...

ER LEUGNETE ABER UND SPRACH: ICH KENNE IHN NICHT, WEISS AUCH NICHT, WAS DU SAGST. UND ER GING HINAUS IN DEN VORHOF; UND DER HAHN KRÄHTE.

Markus 14,68

Die Passionszeit ist wieder da. Wir gedenken in ihr des Höhepunktes des Lebens Christi, seines Leidens und Sterbens und denken daran, dass das, was in jenen Tagen geschehen ist, der Menschheit zur Erlösung diente von Sünde und Tod. Vor dem Kreuz und dem offenen Grab springen die Quellen der Erkenntnis Gottes auf. Hier liegt das Kernstück des evangelischen Glaubens vor uns, wo Gott in Christus die Welt mit sich versöhnt. Es sind so große Dinge geschehen in jenen Tagen, dass wir sie eigentlich nur in betender Haltung betrachten können, wie denn über die Jünger Jesu Furcht und Staunen kam, als sie sich, nachdem der Lärm der Ereignisse vorüber war, der ungeheuren Tragweite des göttlichen Handelns in Christus bewusst wurden. Gott hatte gesiegt. Gott hatte sich offenbart als der, dem alle Macht gegeben ist und der menschliches Denken und menschliche Möglichkeiten in unendlicher Kraft überschreitet. Gott hatte seine Verheißungen erfüllt und gezeigt, dass er ein wirklich lebendiger Gott sei. Vor dieser Tatsache lernten die Menschen die Knie beugen und den Juden fuhr ein Stich ins Herz.

Aber merkwürdig hat sich dies alles nun doch zugetragen und es sind derer viele, die jener Tage mit einem Gefühl des Unbehagens gedenken. Und während eine große Zahl gläubiger Menschen die Passionszeit in Furcht und Staunen erlebt und ihr Gebt in tiefer Ehrfurcht an Christus richtet, gibt es Menschen, die beinahe unwillig die Erinnerung an jene Tage meiden und wie Petrus vor der Frage flüchten: Hast du nicht auch etwas zu tun mit diesem Jesus von Nazareth? Sie möchten mit diesem, verhöhnten und gekreuzigten Christus nichts zu tun haben. Sie lieben ihn - sonst auch, wenn sie daran denken, wie er leibend und heilend das Land durchzogen hatte.

Aber so wie Jesus auf den letzten Seiten der Evangelien erscheint, bedeutet er ihnen irgendwie eine Torheit oder ein Ärgernis.

"Und der Hahn" krähte!" Dies bedeutete zweierlei für Petrus. Zunächst wurde ihm dadurch bewusst, dass er seinen Herrn verraten hatte. Beschämend kam über ihn und bittere Reue über seine Feigheit. Alsdann aber gab es noch ein zweites: Verkündigte der Hahnenschrei nicht zugleich, dass Christus mit seiner Voraussage recht gehabt hatte? Und wenn er damit recht gehabt hatte, musste er nicht auch in allen andern Dingen recht behalten? Fürwahr, mit dem Hahnenschrei kündigte sich auch neue Hoffnung an, dass Christus die Wahrheit verkündigt hatte. Diese letzte Wahrheit aber in der frohen Botschaft vom Reiche Gottes, bestand darin, dass Gott durch Christus die Welt erlöst. So war für Petrus der Hahnenschrei zwar richtend, doch nicht weniger heilsam.

Hätten wir etwa den Hahnenschrei auch nötig? Tatsächlich gilt er allen, die in der Passionszeit draußen stehen, im Vorhof der Ereignisse. Und er verkündigt ihnen, dass gerade im Leiden Christi sich die unendliche Liebe Gottes wahrhaftig offenbart hat, die über alle Schranken hinweg dem sündigen und schwachen Menschen gilt. Ja, dass gerade da die Wahrheit der Verkündigung Jesu sichtbar wird, wenn ER sagt: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben! Ich bin der gute Hirte! Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe!

So lasst uns denn voller Ehrfurcht und offenen Herzens durch diese Passionszeit gehen, nur so wird sie uns zu einer Gnadenzeit.

Umschau

SOWJETZONE DEUTSCHLAND

Hier sind neuerdings drei evangelische Pfarrer verhaftet worden: Karl August Brandt aus Lohmen (Mecklenburg) , Dr. Jürgen Winterhager aus Hohenauen bei Berlin und der Studentenpfarrer Johannes Hamel aus Halle. Die Zahl der verhafteten und verurteilten Pfarrer, deren Aufenthaltsort nicht immer bekannt ist, steigt damit auf über 30.

HOLLAND

Trotz der Hochwasserkatastrophe in Holland und der dadurch verursachten Obdachlosigkeit vieler Familien halten die holländischen Stellen an ihrer Zusage fest, die bereits eingeladenen Kinder aus Deutschland zur Erholung aufzunehmen.

Durch die Hochwasserkatastrophe wurden 200 evangelische Pfarrgemeinden in Holland zerstreut und teilweise aufgelöst. Dadurch sind auch beinahe 200 Pfarrfamilien ohne Einkommen. Zu ihrer Hilfe bat die reformierte Kirche Hollands um ökumenische Mittel.

AMERIKA

Präsident Eisenhower hat schon zahlreiche Beispiele seiner bewussten kirchlichen Haltung gegeben. So schwor er seinen Amtseid auf seine persönliche Bibel gestützt, bat nach dem Vorbild Salomos Gott um die rechte Weisheit sein Volk zu regieren und nahm die alte von Roosevelt und Truman unterbrochene Tradition wieder auf, indem er in der Presbyterianerkirche in Washington im Kirchenstuhl Lincolns am Gottesdienst teilnahm. Neuerdings hat er anlässlich des Todes Stalins, die Amerikaner zu einem Gebet aufgefordert, in welchem er Gott anrief, doch jetzt in Russland SEINE Politik zu führen.

Es ist zu hoffen, dass diese Frömmigkeit des amerikanischen Präsidenten nicht nur eine politische Frömmigkeit ist und seiner Regierung zum Segen wird.

VATIKAN

Der Vatikan wirbt um die Seele des amerikanischen Volkes! So hat das heilige Offizium jüngst einen bekannten amerikanischen Jesuitenpater glattweg exkommuniziert, weil er in Amerika! schriftlich und mündlich erklärt hatte, dass alle, die nicht zur katholischen Kirche gehörten, verdammt seien.

Der exkommunizierte Jesuitenpater Leonard Feeney wird indessen in andern Ländern doch willkommen sein. Vielleicht begibt er sich jetzt nach Spanien oder in die südamerikanischen Ländern, in welchen die katholische Intoleranz Triumphe feiert! Denn dazu, dass in diesen Ländern evangelische Schulen geschlossen, evangelische Gotteshäuser geschändet, evangelische Pfarrer verprügelt werden, dazu, dass der Bischof von Sevilla erklären konnte, er ziehe die Scheiterhaufen der Inquisition der Toleranz vor, - dazu hat der Papst ja kein Wort gesagt. In jenen Ländern wird denn der intolerante Pater Gehör finden und auch ungestraft arbeiten können!

PALÄSTINA

In der Geburtsstadt Jesu, in Bethlehem hat sich eine neue Art des Schwarzmarktes gebildet. Es handelt sich um Bibeltexte. Seitdem in den Höhlen der judäischen Wüste alte Bibeltexte gefunden worden sind, welche sichtlich einen großen Reiz ausübten auf die wissenschaftlichen Forscher, haben es sich die schlauen Wüstensöhne zur Pflicht gemacht, den Gelehrten solche 'Texte zu verschaffen. An Stelle von Feigen verkaufen sie nun Bibeltexte, die den mühsam forschenden Expeditionen scheinbar entgangen sind. Es wird im Ernst behauptet, es gäbe auch tatsächlich echte Stücke darunter und die Gelehrten seinen deshalb in Verzweiflung, weil diese Schwarzhändler die kostbaren Pergamente erst in kleine Stücke schnitten, um so mehr daran zu verdienen!

Eine katholische Stimme zur Marienverehrung mit besonderen Berücksichtigung der Maria von Fatima

Unter dem Titel: Fatima-Wahrheit oder Täuschung? hat ein katholischer Theologe im 2. Heft der von Prof. Heiler in Deutschland herausgegebenen Sammlung "Das neue Mariendogma." Stellung genommen zur katholischen Marienfrömmigkeit. Er nennt sich P. Bernardus.

Ich zitiere wörtlich:

"Wir können den ungeheuren und immer noch wachsenden Einfluss der angeblichen Marien-Erscheinungen von Fatima nur aufs tiefste beklagen. Wir sehen darin den bisher größten Irrweg der katholischen Frömmigkeit. Es sprechen viele Tatsachen dafür, dass wir in den Fatima-Vorgängen keine Offenbarung des Himmels vor uns haben, sondern eine Mariengestalt, die nicht das geringste zu tun hat mit der demütigen Magd Gottes im Evangelium. Wir erblicken im Fatima-Kult die größte religiöse Täuschung des Jahrhunderts!"

P. Bernardus geht auch den Ursachen nach. Er stellt als "Grundfehler des heutigen Katholizismus" folgendes fest:

Die Kirche hat keinen festen Standort mehr in der heiligen Schrift. Diese bildet nicht mehr den einzigen Maßstab, an dem sie religiöse Erscheinungen misst und wertet. Damit aber hat sie das Unterscheidungsvermögen zwischen echter und falscher Offenbarung, zwischen echter und falscher Mystik verloren.

Die Zurücksetzung der heiligen Schrift ist besonders offenbar geworden gelegentlich des neuen Dogmas. Angesehene Theologen haben ganz offen erklärt: Wir brauchen die heilige Schrift zur Begründung eines Glaubenssatzes nicht mehr.... Im Leben des katholischen Volkes spielt die Bibel von jeher eine geringe Rolle. Die Bibelbewegung, die vor ein paar Jahrzehnten hoffnungsvoll einsetzte, ist längst wieder eingeschlafen. Nicht zum wenigsten ist Fatima daran schuld. Die große Propaganda für Fatima hat das Volk rasch von der Bibel weggezogen. Wir in Deutschland können nur mit tiefem Schmerz an die Zeit eines Bischof Sailer zurückdenken. Er war der letzte katholische Gottesmann, der ganz in der Schrift lebte und die Schrift in die Hände des Klerus und des Volkes legte...  Heute sind Klerus und Volk in der Schrift nicht zu Hause und deshalb so urteilslos, ungebildet und haltlos hinsichtlich auftauchender neuer Erscheinungen auf religiösem Gebiet. Darum greifen sie gierig nach allem Außerordentlichen und Wunderhaften...."

P. Bernardus kommt zum Schluss, dass Fatima nicht ein Zeichen des Himmels, sondern eine Strafe Gottes sei.

"Zur Strafe der Zurücksetzung Gottes in seinem Worte, müssen wir allen möglichen Kindereien und Fabeleien nachlaufen!"

Für unberechenbar groß hält P. Bernardus den Schaden, den Fatima der Einigung der Konfessionen zufügt.

"Durch die moderne Entwicklung der katholischen Marienverehrung werden die Mauern zwischen den Konfessionen ins Unabsehbare erhöht. Fatima ist und bleibt ein gewaltiger Felsblock auf dem Wege zu einer einigen Christenheit."

Gottesdienste

Gottesdienste im Monat März und April 1953

Eupen:
am 8. und am 22. März
am 3. April Karfreitagsgottesdienst mit Feier des heiligen Abendmahls und Mitwirkung des Kirchenchors
am 5. April Ostergottesdienst mit Feier des heiligen Abendmahls und Mitwirkung des Kirchenchors. Entgegen der Anzeige in der Zeitung wird die Konfirmationsfeier im Ostergottesdienst abgehalten.
am 19. April
je um 10 Uhr
Neu-Moresnet:
am 8. und am 22. März
am 3. April Karfreitagsgottesdienst mit Feier des heiligen Abendmahls und mit freundlicher Mitwirkung des Kirchenchors von Eupen.
am 19. April
je um 14.30 Uhr
Malmédy:
am 15. März
am 6. April Ostergottesdienst mit Feier des heiligen Abendmahles
am 26. April
je um 10 Uhr
Herbesthal:
am 1. und am 29. März
sowie am 10 Mai
Lüttich:
in der Kirche rue Lambert le Bègue
am 29. März um 17 Uhr
und am 26. April um 15 Uhr

Der Kirchenchor
kommt jeden Donnerstag zusammen um 20 Uhr im Pfarrhaus.

Die Jugendgruppe
versammelt sich jeden Mittwoch im Pfarrhaus um 20 Uhr


Die Kollekte für die Hochwassergeschädigten hat den schönen Betrag von Frs. 4085 ergeben. Möge Gott diese Gabe an ihrem Orte segnen!

Mitteilungen und neue Adressen an Pfr. U. Höner, Hookstr. 40, Eupen, Tel. 1195

 

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Stand: 07. Mai 2010