MITTEILUNGSBLATT



der Evangelischen Kirchengemeinde

Eupen, Malmédy, Neu-Moresnet

erscheint monatlich in Eupen


»Selig sind, die das Wort Gottes hören und bewahren«

(Lukas 11,28)

Nr. 98                                                                  Februar 1956

Inhalt:

Im Ernstfall
Gedicht von Joh. Scholten
Pfarrer Herfkens verlässt die Gemeinde / Gottesdienste

Im Ernstfall

Und er trat in das Schiff, und seine Jünger folgten ihm. Und siehe, da erhob sich ein großes Ungestüm im Meer, also dass auch das Schifflein mit Wellen bedeckt ward; und er schlief. Und die Jünger traten zu ihm und weckten ihn auf und sprachen: Herr hilf uns wir verderben! Da sagt er zu ihnen: Ihr Kleingläubigen, warum seid ihr so furchtsam? Und stand auf und bedrohte den Wind und das Meer; da ward es ganz stille. Die Menschen aber verwunderten sich und sprachen: Was ist das für ein Mann, dass ihm Wind und Meer gehorsam ist?

Matthäus 8,23-27

Wir stehen schon wieder fest im neuen Jahre drin. Dabei haben wir vielleicht gemerkt, dass das Leben nicht leichter geworden ist. Vielleicht ist die Not sogar gestiegen. So etwas bleibt auch einem Christen nicht erspart. Sein Glaube wird ständig erprobt. Es kann plötzlich zum Ernstfall kommen. Da wird dann oft erst offenbar, was in uns ist. Auch die Jünger des Herrn mussten sich im Ernstfall bewähren. Ein Blick in die Welt kann uns zeigen, dass der Christ auf die Dauer nicht mehr einfach in der Zuschauerstellung verharren kann. Die Erprobung des Glaubens lässt wahrscheinlich nicht mehr lange auf sich warten. Was die Jünger in der Geschichte vom Sturm auf dem Meer erlebten, wiederholt sich bei uns, wenn auch auf andere Weise.

Wir sehen da wie der Glaube der Jünger in Not kommt. Sie sind Jesus getrost ins Schiff gefolgt. Friedlich beginnt die Reise. Sie haben Glauben und sind bereit, jeden Weg mit Christus zu gehen. Sie haben ja auch alles verlassen und sind ihm nachgefolgt, aber das hat sie nicht davor geschützt, sich in Sicherheit zu wiegen.

Daran kranken die meisten, die sich Christen nennen. Man möchte sich zwar nicht zu den Ungläubigen gezählt wissen. Aber wie sieht es dann aus, wenn die großen Schläge kommen, wenn es Ernstfall wird, wenn des Glaubens große Erprobung hereinbricht, was dann?! Da zeigt es sich wie stark unser Glaube ist, oder besser, ob wir Glauben haben an einen großen Gott. Dann bricht mancher vermeintlich große Glaube wie ein Kartenhaus zusammen.

So ging es auch in unserer Geschichte. Die Jünger haben nicht damit gerechnet, dass etwas Unerwartetes hereinbreche. Aber schon bricht der Sturm los und die tobenden Elemente packen das Schifflein, drücken es empor, drücken es tief hinab. Es droht zu zerbrechen. Die Sturzseen werfen sich auf das zerbrechliche Boot und drohen es zu verschlingen. Es muss wahrlich eine große Seenot gewesen sein, dass selbst die Jünger fast verzweifeln. Keine Gegenwehr hilft etwas. Die Todesnot ergreift die Herzen. Alles ist verloren. So scheint es wenigstens. Ernstfall!

Wie nahe geht das uns an, uns Christen von heute. Wir wissen es wir haben es erfahren, was Sturm heißt im schwankenden Meer der Zeit. Wir wissen nicht, was kommen wird. Wie schnell ist das Barometer der Weltgeschichte auf Sturm. Unser Lebensschiff, unser Kirchenschiff ist bedroht. "Nirgends Rettung, nirgends Land vor des Sturmesschlägen." Aber wo bleibt Gott? Stimmt es denn, dass er alles regiert und alles wohl führt? Auch in dieser Geschichte heißt es: "Er schlief!" Allein gelassen, wehrlos preisgegeben den Naturgewalten. So sah es für die Jünger aus. Es war des  Glaubens Erprobung. Sie sollten erkennen, dass der Mensch ohne die Hilfe Gottes nicht durchkommt -  wenn es zum Ernstfall kommt.

Wir leiden unter der Sünde und der Sorgenlast, so, dass unser Lebensschifflein schwankt. "Und Gott schweigt!" Und Jesus schweigt! Er schläft! Da höhnt und spottet die Welt: Wo ist nun dein Gott? So ist des Christen Not groß, aber es ist des Glaubens Erprobung.

Wie haben die Jünger diese Prüfung bestanden? Und die Jünger traten zu ihm und sprachen: "Herr hilf uns, wir verderben." Ihres Glaubens Hilferuf übertönt das Heulen des Sturmes und das Tosen des Meeres. Jesu Worte, Jesu Taten wurden lebendig mitten in ihrer Not.

Mit aller Entschlossenheit klammern sie sich an ihn, als dem einzigen Helfer in dieser Not. Ihres Glaubens Hilferuf durchbricht das verschlossene Ohr und das verschlossene Herz des schlafenden Herrn!

"Herr hilf uns, wir verderben!" Herr, du bist doch unser Herr. Du kannst uns nicht lassen, du kannst deine Kinder nicht dem Verderben preisgeben. Du allein kannst helfen. Du bist auch der Herr über Sturm und Meer.

Alle unsere Ohnmacht, all unsern Unglauben will er zu seinen Füssen gelegt haben. "Herr wir glauben, hilf unserm Unglauben".

Wo Glaube ist, da ist auch Christus mit seiner Hilfe. Und wie hat er denn auch den Kleinglauben seiner Jünger beschämt! Sie sind wahrhaftig keine Helden gewesen. Sie versagten im Ernstfalle. Aber Jesus ließ sie nicht stehen. "Warum so furchtsam? Eure Not und Verzweiflung kommt nur daher, dass ihr zu wenig Glauben habt. Alle eure Sorge war nicht nötig, hättet ihr euch nur auf mich verlassen! Ich war bei euch, als ich schlief, ich schütze euch, ich trage euch, ich rette euch." So stärkt er die Jünger durch sein Wort.

Ein Christ, welcher sein Vertrauen in dem Augenblick wegwerfen will, da sein Lebensschifflein schwankt, macht einen traurigen Eindruck. Und doch dürfen wir wissen, dass er uns deshalb nicht verachtet, der treue Herr. Er bringt uns wieder zurecht, wenn wir zu ihm rufen und zu ihm kommen in unserer Not! Er wird uns helfen, wie er den Jüngern geholfen hat. Wohl dem, der auf ihn traut!

Eines erwartet er nur, dass wir ihm vertrauen. Das ist ja des Glaubens Sinn. Im Ernstfall stehen wir immer wieder. Auf mancherlei Weise wird unser Glaube erprobt. Lasst uns mit Gott rechnen, auch wenn die Tiefe der Anfechtung uns zu verschlingen droht.
 

Gedicht von Joh. Scholten

Es ist erfreulich, dass dann und wann aus der Mitte unserer Gemeinde ein Beitrag für unser Blatt kommt. Im Blick auf die Passionszeit bringen wir ein Gedicht von unserem l. Joh. Scholten, welches ihm am 2.6.47 geschenkt worden ist.

In einer dunklen Nacht, als weder Mond noch Sterne ihre Leuchter angefacht,
als nach des Krieges Grauen alle Welt im Elend war verstickt,
da hab ich nachts im Traum ein herrlich Kreuz erblickt.

Ich wähnte draußen mich auf freiem Feld,
als plötzlich alles rings herum von einem großen Licht erhellt.
Wo kam es her?
Nicht an der Erde war's zu sehn, nein aus dem Westen kam der helle Schein,
von wo des abends bricht die Nacht hinein.

Es war ein Kreuz, anfangs recht klein in hoher Himmelsferne,
das da so leuchtend naht im Glanz, mehr denn die Sonne, Mond und Sterne.
Umschlungen war's dort wo des Heilands Haupte einst für uns geruht,
mit zarten Rosenranken - rot wie Blut.

Und immer näher rückt das Himmelszeichen und immer stärker war die Flut des Lichts.
So zog es leuchtend, sieghaft durch die Nacht,
dorthin, wo seit der Schöpfung jeder Tag erwacht.
Nun ward es wieder dunkel - still, wie im Gebet.

Und die da standen, um mit mir zu sehn, die riefen:
Gott und Heiland! O, wie war das schön!
Doch etliche, die wollten's nicht verstehn.
Sie zweifelten, sie hatten nichts gesehn.

Pfarrer Herfkens verlässt die Gemeinde / Gottesdienste

Pfarrer Herfkens verlässt die Gemeinde

Am 1. Februar hat Herr Pfarrer Herfkens uns wieder verlassen. Er hatte sich besonders der Evangelischen in Malmédy und Umgebung angenommen und den Unterricht im Eupener Athenée und in den Außengemeinden erteilt.

Die Eupener Evangelischen hatten sich schon gut daran gewöhnt dass nicht nur alle 14 Tage, wie bis anhin, sondern an jedem Sonntagmorgen die Glocken von der Klötzerbahn zum Gottesdienst einluden.

Das wird vorläufig nicht mehr so sein.

Zur Arbeit im Ruhrgebiet, wohin Pfr. Herfkens zieht, sowie auch für die Arbeit an den Evangelischen in den Ostkantonen, die ich nun wieder allein tun muss, braucht es viel Gnade von oben.


Gottesdienste

Eupen:
5. und 19. Februar 10 Uhr, anschließend Kindergottesdienst
Neu Moresnet:
12. und 26. Februar, 14.30 Uhr
Malmédy:
12. Februar 10 Uhr
Herbesthal:
26. Februar 10 Uhr

Alle Mitteilungen erbeten an Pfarrer Johannes Wipf, Eupen, Hookstr. 40. Tel. Eupen, 1195

 

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Stand: 07. Mai 2010