Evangelische

Kirchengemeinde

Eupen, Malmédy,

Moresnet, St. Vith

Selig sind, die das

Wort Gottes hören

und bewahren.

Lukas 11,28

Mitteilungsblatt                          Nr. 76                          Februar/März 1954

Inhalt:

Aus der Einführungspredigt von Pfarrer Johannes Wipf
Aus der Ansprache des Vertreters der Synode
Pfarrer Johannes Wipf meldet sich zu Wort
Gottesdienste

Aus der Einführungspredigt von Pfarrer Johannes Wipf

Aus der Einführungspredigt des neuen Pfarrers über Phil. 2, 5-11 am 7. Februar in der Kirche zu Eupen.

Liebe Gemeinde, ich möchte dich heute begrüßen wie ein Freund seinen Freund begrüßt, mit dem er sich zu einer gemeinsamen Wanderung anschickt. Doch möchte ich es im Blick auf die Gemeinde nicht verhehlen, dass mich allerlei Sorgen bedrängen. An ihrem Leibe sitzen Wunden und Geschwüre. Bei diesem und jenem fehlt es am rechten Eifer für die Sache des Reiches Gottes und unseres Herrn Christus. Wie allüberall sind Menschen da, die schläfrig sind und im Finstern tappen. Möchte doch ein Strahl göttlichen Lichtes diese Nacht durchdringen! Von der ersten Christengemeinde lesen wir, dass sie ein Herz und eine Seele gewesen sei, dass sie zum Gebet zusammengekommen und die Stätte sich bewegt habe, auf der die Betenden versammelt waren. Diese ideale Gemeinde gibt es wohl nicht mehr auf Erden. Doch beschleicht mich ein leises Heimweh nach dem Zustand jener Gemeinde, die in der Liebe zu Christus und den Brüdern brannte. Ach wenn doch auch nur etwas davon in unserer Gemeinde sichtbar würde! Da hilft der Blick auf die Kraft Gottes dem Prediger, nicht zu verzagen. Wer auf sich allein schaut, liegt bald am Boden. Immer aber heißt es, die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln der Adler, dass sie wandeln und nicht müde werden. Zum Predigttext habe ich das Wort genommen, welches da oben im Chor der Kirche steht. "Ein jeglicher sei gesinnt, wie Jesus Christus auch war". Sein ganzes Leben, Lieben, Leiden und Sterben ist eine einzige Manifestation seiner göttlichen Gesinnung. So konnte ja nur der Sohn Gottes sein. Aber auch wir sollen in dieser Gesinnung leben. In erster Linie gilt das für den Prediger selber. Er muss sich dieses immer wieder sagen lassen, gerade auch den Menschen gegenüber, welche vielleicht durch ihren Lebenswandel Ärgernis erregen und dadurch der Gemeinde schaden. Da gilt es, auf Christus zu sehen.

Es war die Liebe, die ihn in diese Welt der Sünde, der Not des Scheins und der tausendfachen Ungerechtigkeiten eingehen ließ. Was ist es denn, was den Prediger in sein Amt einführt? Es ist die Liebe, mit der er uns geliebt hat. So schreibt ja auch der Apostel "Lasset uns Ihn lieben, denn Er hat uns zuerst geliebt."

Die Freude, die das eigene Herz erfüllt, treibt den Apostel in die Welt hinaus. Und er nimmt alles auf sich: Hunger, Blöße, Verfolgung, Bande und Tod. So schreibt er denn auch: "Wir können es ja nicht lassen, dass wir nicht reden sollten, was wir gesehen und gehört haben." Ohne die Erfahrung dieser Liebe ist kein rechter Zug da, sich für Jesus Christus und sein Reich einzusetzen. Wie vieles wird aufgebaut und sticht in die Augen und ist doch nur eine Fassade, die beim nächsten großen Sturm zusammenstürzt.

An mir liegt es nun, mich zu bemühen in der Liebe zu dienen, hier im Gotteshause, in den Häusern und wo es auch nun sei. Dienen soll ich den bekümmerten Seelen, mit dem Trost des Evangeliums, dienen den Verirrten, damit sie den Weg zum Vaterhaus finden; den Kranken, dass sie in ihrer Leibesnot zu dem hingeführt werden, der ein Arzt Leibes und der Seele sein will. Die Liebe Christi kennet keinen Unterschied des Standes und der Person.

Der Pfarrer muss sich hüten vor jeder Parteinahme des einen gegen den anderen. Ihm ist das Amt der Versöhnung aufgetragen. Er soll nicht nur predigen: "Lasset euch versöhnen mit Gott," sondern auch versöhnet euch untereinander. Er darf nicht fragen, nach arm und nach reich. Der ärmste Schlucker muss ihm so lieb sein wie die Honoratioren des Orts. Alle sind eines Leibes Glieder. Wir sehen ja überall das eine Menschenherz, das nach Frieden sich sehnt, nach dem Frieden, den die Welt nicht zu geben, aber auch nicht zu nehmen vermag, nach dem Frieder, der höher ist, als alle Menschenvernunft. Wie könnte es auch anders sein, als dass das Menschenherz nach Licht und Leben verlangt und nach Vergebung seiner Sünden dürstet. Auch heute noch steigt Christus hinab in die tiefsten Tiefen des menschlichen Wesens. Er möchte unsere Sünden tragen, die Schuld zerbrechen und uns frei machen von aller Gebundenheit. Aber dazu müssen wir zuerst arm werden in uns, um dann reich zu werden in Ihm, erst hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit, um dann satt zu werden in seiner Fülle. 0 möchte doch Jesus Christus Mittelpunkt unserer Lebensgeschichte sein, wie Er das Zentrum und dass Ziel aller Geschichte ist. Klagt und seufzt nun deine schuldbeladene Seele und leuchtet Gottes Wort wie ein Blitz hinein, dann möchte ich dir zurufen: "Glaube es doch, er hat deine Schuld getragen." Und stehst du an einem frischen Grabe, in das dein Liebstes und deine Freuden gesunken ist, so möchte ich dich auf den hinweisen, der dem Tode die Macht genommen und Leben und unvergänglich Wesen ans Licht gebracht durch das Evangelium.

"Darum hat ihn auch Gott erhöht und ihm einen Namen gegeben, der über alle Namen ist." Das Reich Gottes wird vollendet werden. "Dass Jesus siegt, bleibt ewig ausgemacht." Es kann nicht Friede werden bis Jesu Liebe siegt, bis dieser Kreis der Erden zu seinen Füssen liegt." Es sind Tausende, die am Throne Gottes rütteln und wegwerfen, was den Vätern heilig war. Sie werden ernten, was sie gesät haben. Seine Gemeinde aber, alle, die ihre Knie nicht gebeugt haben vor dem Baal dieser Welt, wird der lebendige Gott durch alle Wirrnisse dieser Zeit hindurchführen in seinen Frieden und in sein ewiges Reich. Das gute Werk, dass er angefangen, wird er vollenden auf seinen großen Tag. Dahin lasst uns Herz und Sinn wenden.

Ewigkeit in die Zeit leucht hell hinein,
dass uns werde klein das Kleine
und das Große groß erscheine.
Selige Ewigkeit!

Aus der Ansprache des Vertreters der Synode

Aus der Ansprache des Vertreters der Synode, Herr Pfarrer Pichal, Brüssel

Wir alle sind Mitglieder unserer protestantischen Familie in Belgien und die Gemeinde Eupen hat einen besonderen Platz in dieser Familie. Unter keiner Bedingung wüschen wir sie zu missen. Man weiß in Eupen mit größter Eile die kirchlichen Angelegenheiten zu regeln. Dafür müssen wir alle dankbar sein.

Nachdem Herr Pfarrer Pichal den neuen Pfarrer und seine Familie herzlich begrüßt, ihn des Beistandes der Synode versichert und auch hingewiesen hat auf einen Kern tüchtiger und vertrauungswürdiger Gemeindeglieder, welche Gottes Werk treiben, fuhr er fort:

Brüder und Schwestern wir wollen die Augen nicht verschließen und wir müssen auch den Mut haben, zu erklären, dass vieles ist, was uns scheidet. Aber Gott sei gedankt, es ist noch mehr, was uns zusammenschließt. Manchmal scheint es allerdings, das dasjenige, was uns scheidet, nicht zu überbrücken ist.

Wir haben zuerst die großen Entfernungen, welche es uns so lästig machen um uns zu sehen und zu treffen. Kontakt, vielfältiger Kontakt ist unentbehrlich, wenn wir uns gut kennen lernen wollen.

Dann haben wir die Verschiedenheit der Sprache, welche die gegenseitige Aussprache stark erschwert. Wir müssen besser ihre Sprache lernen. Jedoch müssen auch sie ihr Bestes tun, um einwenig französisch zu sprechen und zu verstehen.

Darüber mögen wir nicht vergessen, dass ihre Gemeinde einen ganz anderen Ursprung hat, als die meisten protestantischen Gemeinden Belgiens. Wir können sie nicht auf eine Linie stellen, mit unseren Gemeinden, welche aus der Reformationszeit stammen, wie Maria-Horebeke, Rongy, Hodemont und andere. Auch können wir sie nicht unter die Früchte der Evangelisation, seit einem Jahrhundert in Belgien unternommen, zählen. Auch was ihre Herkunft betrifft, sind sie von uns verschieden. Und doch Brüder und Schwestern, sie mögen mir glauben- und das sage ich nicht, um ihnen schön zu tun und noch weniger, um gewandt und diplomatisch, als Vertreter ihrer kirchlichen Obrigkeit aufzutreten - ich wage ehrlich und aufrichtig vor Gott und vor meinem Gewissen zu erklären, dass es mehr ist, was uns bindet, als was uns scheidet. Die Zusammenstellung der Herde, die Liturgie Ihres Gottesdienstes, die Organisation ihrer Gemeinde, es scheint alles so wunderbar, als ob sie es in keiner anderen Gemeinde unserer Synode besser finden könnten. Ihre und unsere Lieder stimmen ungefähr überein. Aber vor allem wird unser gemeinsamer Glaube genährt durch das gleiche Wort Gottes. Den gleichen himmlischen Vater rufen wir an in unsern Gebeten. Und auf das Versöhnungswerk unseres gemeinsamen Erlösers, können wir alle zusammen uns berufen. Unser aller Augenmerk ist auf die gleiche Zukunft gerichtet, denn die gleiche Hoffnung erfüllt alle unsere Herzen. Deshalb geht unsere Liebe, sowohl in Eupen, als auch in Brüssel und wo immer es sei in unserm Land, hinaus nach dem Missionsfeld in Afrika und zu dem Evangelisationswerk auf eigenem Boden. Die großen Grundsätze, durch unsere Reformatoren in das volle Tageslicht gestellt, werden durch uns alle anerkannt und verteidigt und sind unser Glaubensbekenntnis. Die Bibel als oberste Autorität auf geistlichem Gebiet, die Seligkeit aus Gnaden durch den Glauben, die allgemeine Priesterschaft der Gläubigen, der Gottesdienst, welcher in der Volkssprache geschehen muss, die Anerkennung derselben Moral durch alle Gläubigen und dabei noch die Notwendigkeit, um durch freie Entscheidung zu einer persönlichen Glaubensüberzeugung zu kommen, sind in der Tat so viele Kennzeichen unseres Gemeinschaftlichen reformatorischen und evangelischen Glaubenslebens. Sie können mir glauben, Brüder und Schwestern, es ist mehr, viel mehr, was uns zusammenbindet, als das, was uns von einander scheidet. In Jesus Christus, unserem Erlöser und Herrn, sind wir wahrlich alle eins.

Möge dieser gemeinsame Glaube mehr und mehr eine Kraft in ihrem Leben werden. Möge dieser Glaube stets stärker ausstrahlen in ihrer Gemeinde und sich weiter verbreiten unter den Bewohnern dieser Gegend. Denn in guten und in schlechten Zeiten müssen wir Zeugen sein vom Heil in Jesus Christus geoffenbart. Und es soll unser höchstes Verlangen sein um Seelen für Gottes Königreich zu gewinnen.

Schenke Gott Gnade, auf dass alle Wünsche, die ich aussprechen kann, in Erfüllung gehen mögen. Nochmals an sie alle herzliche Grüße und viel Glück im Namen aller evangelischen Glaubensgenossen in Belgien.

Pfarrer Johannes Wipf meldet sich zu Wort

"Aller Anfang ist schwer, sagt das Sprichwort". Diese tausendfache Erfahrung gilt führwahr auch bei der dritten Übernahme einer Gemeinde, insbesondere, wenn es sich um eine solche Minorität von Evangelischen handelt, wie dies bei Eupen und seinen Filialgemeinden handelt, der Fall ist. Die Schwierigkeiten des Anfangs werden aber wesentlich gemildert, wenn dieser im Blick auf Gottes Kraft und Christi Gegenwart geschieht. Die äußeren Funktionen sind bis anhin, dadurch erschwert worden, dass dem Pfarrer die Benützung des Gemeindeautos noch nicht möglich war. Nun ist es demnächst so weit, was eine intensivere Arbeit ermöglichen wird. Ein richtiges Programm aufzustellen, ist noch verfrüht. Vieles hängt ja davon ab, ob es uns gelingt, einen Vikar zu finden, welcher zur Hauptsache, den Unterricht an den staatlichen Schulen übernimmt, die Jugendarbeit ausbaut und sonst sich für die Arbeit in der Gemeinde, wo es gerade nötig ist, zur Verfügung stellt. Vor allem müsste er sich zur brüderlichen Zusammenarbeit mit seinem Amtsbruder bereit finden.

Mit dem 19 Stunden Unterricht in der Schule, wozu noch der Konfirmandenunterricht und Privatunterricht kommt, ist ein Pfarrer so in Anspruch genommen, dass er nicht zu viel Pläne machen kann. Das hindert aber nicht, dass wir daran denken, wieder mit dem Frauenverein zu beginnen. Allen Frauen, denen es möglich ist, einen Abend dafür zu reservieren, werden schon jetzt gebeten, einen Entschluss zu fassen und bei der bald erfolgenden Einladung, eine freudige Zustimmung zu geben. Da ja dieses Jahr das Hundertjahr-Jubiläum unserer Kirche stattfinden soll, benötigen wir die Gaben der Frauen, um sie für diesen Anlass fruchtbar zu machen. Dasselbe gilt für den Kirchenchor. Der Apostel sagt: "Es sind mancherlei Gaben". Selten werden sich alle diese Gaben bei einem Menschen vereinigen. Wir sind gezwungen, nach einem geeigneten Dirigenten Ausschau zu halten. Jeder Rat dafür, ist willkommen.

Gottesdienste

 

Im Monat März finden folgende Gottesdienste statt:

 

In Eupen, am 7. und 21. März um 10 Uhr; anschließend Kindergottesdienst

In Moresnet am 7. und 21. März um 14.30 Uhr

In Malmédy am 23. Februar und 23. März um um 10 Uhr

In Herbesthal 14. März um 10 Uhr

Mitteilungen und neue Adressen an Pfarrer Johannes Wipf, Eupen, Hookstr. 40

 

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Stand: 07. Mai 2010