MITTEILUNGSBLATT



der Evangelischen Kirchengemeinde

Eupen, Malmédy, Neu-Moresnet

erscheint monatlich in Eupen


»Selig sind, die das Wort Gottes hören und bewahren«

(Lukas 11,28)

Nr. 97                                                                  Januar 1956

Inhalt:

Ein angenehmes Jahr
Ein guter Rat / Getrost in die Zukunft hinein
Sieghaftes Leben / Was geschah in unserer Gemeinde? 
Kasualien 1955 / Gottesdienste

Ein angenehmes Jahr

Klopf an, klopf an!
Ein sel'ges Jahr nah' dir heran! Klopf an, klopf an!
Der Himmel hat sich aufgetan,
draus Heil und Seligkeit geflossen,
damit werd'st reichlich du begossen!
So viele Tropfen im Meere sind,
so viel Vergebung für deine Sünd;
Fried in Christo und ewiges Leben,
Das wolle dir Gott in Gnaden geben!
Klopf an, klopf an!

Es ist allgemein der Brauch, dass wir uns zum Neuen Jahre gegenseitig beglückwünschen. Ist es aber nicht so, dass bei sehr vielen Menschen die Neujahrsgratulationen zur leeren Phrase geworden sind. Die Wünsche werden oft gedankenlos ausgeteilt und ebenso wieder entgegengenommen. Ich möchte es nicht verneinen, dass es noch Menschen gibt, die mit ihren Wünschen ihre Liebe zu den Mitmenschen zum Ausdruck bringen wollen.

Der Beginn des Jahres 1956 ist es ja doch wert, das eines das andere daran erinnert, das wir allzumal vor einem wichtigen Zeitabschnitt stehen. Am Anfang des neuen Jahres richten wir unsern Blick auf die Zukunft. Wenn wir nun das tun, werden wir klein und bescheiden. Wir müssen doch erkennen dass wir mit unserm klugen Menschenverstand den Schleier, der über der Zukunft liegt, nicht zu lüften vermögen. Zum andern aber wird es uns bewusst, dass wir, auch wenn wir unsere ganze Kraft dafür einsetzen, diese Zukunft nicht nach unserm Willen gestalten können.

Das Bewusstsein der eigenen Schwäche hat manche dazu veranlasst, im Blick auf die im Dunkel liegende Zukunft, höhere Gewalten herbeizurufen. Im Blick auf sie wünscht man sich gegenseitig Glück oder Gesundheit. Diese Werte sind allerdings ebenso unsicher wie die Zukunft.

In unserm Text steht etwas von einem angenehmen Jahr und wir wohl auch einander ein gesegnetes Jahr Wünschen, wenn's von Herzen kommt. Segen ist aber eine Gabe, die sich nicht, wie manche meinen auf äußere Dinge erstreckt. Nein, Segen ist ein Geschenk, das nur Gott geben kann. Gott ist die einzige Macht, die Gewalt über die Zukunft hat. So können wir nichts Besseres tun, als Gott die Zukunft des neuen Jahres anbefehlen. Ein altes Sprichwort sagt: An Gottes Segen ist alles gelegen. So ist es, Gottes Segen ist nötig für all unser Tun und Lassen. Je älter wir werden, desto mehr müssen wir erkennen, wie wenig wir mit unserer Kraft etwas tun können zur Gestaltung unseres eigenen Lebens. Es kommen manchmal unerwartet kleinere oder größere Rückschläge, Hindernisse und Schwierigkeiten. Wir sind ihrer längst nicht mehr gewachsen und können mit der eigenen Kraft uns kein "angenehmes" Jahr schaffen. Wir haben zu allem Gottes Hilfe nötig.

Wenn wir aber erst von der Gestaltung unseres eigenen kleinen Lebens weg auf die großen Nöte und Übel in der Welt sehen, so kommen wir uns noch viel ohnmächtiger vor. So sehr auch gekämpft wird
gegen Armut, Elend, Ungerechtigkeit, Krankheit, Krieg, gebannt werden diese Mächte nie ganz. "Es kann nicht Friede werden bis Jesu Liebe siegt, bis dieser Kreis der Erden zu seinen Füssen liegt." Die Herren der Welt, die es ja in den Händen hätten, manchen Weltübeln zu steuern, und es auch auf verschiedene Weise versuchen, müssen doch je länger, je mehr einsehen, dass vieles ihrer Macht entgleitet. Gott hat's in seinen Händen. Deswegen heißt es auch: "Das angenehme Jahr des Herrn." Das will uns doch sagen, dass die Zukunft einzig in Gottes Hand liegt. Sie bleibt uns nur im Aufblick zu Gott gesegnet. Die Gott lieben, dürfen es erfahren, dass schließlich alle Dinge ihnen zum Besten dienen müssen.

Ein guter Rat / Getrost in die Zukunft hinein

Ein guter Rat

Ein kleiner Bub half einst seiner Mutter beim Äpfelauflesen. Er belud seine Arme mit einer Masse von Äpfeln und versuchte, die Last ins Haus zu bringen. Es ging auch einen oder zwei Schritte weit, dann kollerte der erste Apfel herunter, bald darauf ein zweiter dann zwei auf einmal, sogar drei,- bis der ganze Apfelsegen auf dem Boden lag. Die Mutter lachte und sagte: "Daniel, ich will dich ein Kunststück lehren". Damit legte sie dem Büblein einen einzigen Apfel in seine Händchen. "Halt ihn jetzt gut und trag ihn in die Vorratskammer, dann hole einen zweiten!"

Der jetzt zum Mann herangewachsene kleine Bub muss heute nach oft an diesen einfachen mütterlichen Rat denken, wenn er Leute vor sich sieht, die sich sicher ganz wohl befänden, wenn sie sich nicht immer mit Zukunftsgedanken plagten.

Nehmt also nicht ein ganzes Jahr auf eure Arme, denkt nicht an das, was die nächste Woche bringen könnte! Wenn ihr morgens aufwacht, müsst ihr euch sagen: "Nun liegt wieder ein neuer Tag vor mir. Hilf mir Herr an diesem Tage in dir und für dich leben, dann weiß ich, was ich zu tun und und was ich zu lassen habe."


Getrost in die Zukunft hinein

Wir sehen die Zeit ganz verschieden an je nachdem sie vor uns oder hinter uns liegt. Die Vergangenheit scheint uns angenehmer als die Zukunft. Nicht nur die vergangenen Freuden ergötzen uns in der Erinnerung, sondern wir verweilen nicht ohne Behagen auch bei den überstandenen Mühen und Leiden. Jeder Feldzugsoldat müsste trotz dem Grauenvollen, das er erlebt, dankbar sein dafür, dass er noch etwas anderes erlebt hat, nämlich hindurchgerettet worden ist.

Aber die Zukunft scheint auf einem andern Blatt zu stehen, obwohl es offenkundig ist, dass sie nichts wesentlich anderes bringen wird als die Vergangenheit. Wer es gelernt hat, die Zukunft mit dem nämlichen Blick anzusehen wie die Vergangenheit, dem ist etwas Grosses gelungen. Das einzige ,was wir von jener wissen, ist schließlich doch, dass Gott in ihr herrscht wie in dieser. Ist aber nicht das neue Jahr schon darum ein Jahr des Herrn, weil er es schickt? Aber getrost hinein in die Zeit, wie in einen Wald, in dem der Vater auf uns wartet. Die Zukunft ist ein fremdes Land, aber wir sollen dort die Seele finden, die es am treuesten mit uns meint. Wie sonderbar: Die Jugend tritt getrost über die Schwelle der Zeit, während sich das Alter schwere Gedanken macht. Es müsste umgekehrt sein. Wenn es richtig mit uns stünde, würden wir, weil immer erfahrener, auch immer getroster der Zukunft entgegengehen. (Christian Geyer, ewige Zukunft)

Sieghaftes Leben / Was geschah in unserer Gemeinde

Sieghaftes Leben

Sehr bekannt ist das Lied von Paul Gerhardt: "Ist Gott für mich so trete gleich alles wider mich!" Dieser Mann hat wie kaum einer Not und Elend dieses Lebens durchgekostet. Mit 14 Jahren wurde er Vollwaise. Als 19 jähriger Schüler erlebte er eine furchtbare Pest in Grimma, der 350 Menschenleben zum Opfer fielen.

Während seines Theologiestudiums bekam er die Schrecken des 30-jährigen Krieges zu spüren. Eine Folge des Krieges war es auch, dass er erst mit 44 Jahren eine feste Anstellung in einem Pfarramt erhielt. Dort lebte er in der durch den Krieg verarmten Gemeinde in den bescheidensten Verhältnissen. Auch die Bitterkeit des Todes bekam er oft und hart zu spüren. Vier von seinen fünf Kindern musste er frühzeitig hergeben. Seine erste Tochter Marie Elisabeth starb nach 8 Monaten. Seine zweite Tochter Anna Katharina welkte nach knapp einem Jahr dahin. Sein 1659 gebornes Söhnlein Andreas schloss, kaum zum Leben erwacht, das Auge wieder. Auch sein letztes Kind Andreas Christian starb nach kurzer Lebensdauer. Schließlich musste Paul Gerhardt nach 13 jähriger glücklicher Ehe seine liebe Frau infolge eines unheilbaren Lungenleidens hergeben. In seinem Berufsleben hatte er nicht weniger schweres Kreuz zu tragen. Nach aufreibendem und hartem Kirchenkampf erfolgte 1666 seine Absetzung durch den großen Kurfürsten.

Mit 63 Jahren musste er sich noch all den Nöten und Schwierigkeiten eines Stellenwechsels unterziehen. Er kam 1669 nach Lübben. Dort endete er 70 jährig den Lebenskampf. Trotz allem Schweren ist er ein sieghafter und fröhlicher Mensch geblieben. Davon zeugen seine vielen herrlichen Lieder. Gerade aus dem Lied: "Ist Gott für mich, so trete gleich alles wider mich!", zeigt uns etwas von dem Geheimnis seiner Lebenskraft. Möchte doch auch im neuen Jahr etwas von dieser Lebenskraft auch an uns zu spüren sein!


Was geschah in unserer Gemeinde?

Wenn ich einen kurzen Rückblick auf das Geschehen in unserer Gemeinde im Jahre 1955 werfe, so bin ich mir dessen wohl bewusst, dass das eigentlich Wertvolle nicht gefasst oder gemessen werden kann. Was in der Tiefe der menschlichen Seele geschieht, tritt selten nach Außen, dass es registriert werden könnte. Etwas vom armseligsten ist die kirchliche Statistik, gleichgültig ob es sich um die Zahl der Kirchgänger, oder der Taufen, oder der Abendmahlteilnehmer handelt. Aber immerhin Gott verlangt vom Christen Früchte des Geistes. Diese sind sichtbar. "Die Früchte des Geistes aber sind: Friede, Freude, Liebe, Freundlichkeit, Gütigkeit, Glaube, Geduld, Sanftmütigkeit, Keuschheit."

Auf jeden Fall haben wir allen Grund Gott zu danken für seine Geduld, die er uns gegenüber gezeigt hat. Neben allem Erfreulichen, dass sich gewiss auch vorgefunden hat, zeigte sich doch daneben viel Lauheit und Gleichgültigkeit und fehlte es an der Ausübung gegenseitiger Liebe so können wir nur bitten: Ach Herr, lass unsere Gemeinde doch nicht dem Feigenbaum gleichen im Evangelium, der keine Frucht brachte und dem deshalb das Gericht, umgehauen zu werden, drohte.

Erfreulich ist doch auch, dass nach 10 jährigem Unterbruch wieder jeden Sonntag in Eupen Gottesdienst abgehalten werden kann.

Dass dies manchem unserer Gemeindeglieder ein Bedürfnis war, wird durch den sonntäglichen Kirchenbesuch bestätigt, der deshalb nicht geringer geworden ist.

Dass diese neue Ordnung durchgeführt werden konnte, war ja nur dadurch möglich, dass seit 1. Februar Herr Pfarrer Herfkens in die Arbeit an unsern Gemeinden eingetreten ist. Dadurch ist es auch möglich geworden den Evangelischen in Malmédy vermehrt Aufmerksamkeit zu schenken.

Ein Höhepunkt im kirchlichen Leben unserer Gemeinde war die Feier zum 100 jährigem Bestehen unserer evangelischen Kirche.

Die Seelenzahl ist ziemlich konstant geblieben. Einige konnten wieder neu für die Gemeinde gewonnen werden. Die dreifache Zahl der Todesfälle gegenüber den Taufen, mahnt zum Aufsehen.

Wichtiger als das äußere Wachstum der Gemeinde ist die Entfaltung des innern Lebens. Dazu möchte Gott im neuen Jahre Gnade schenken!

Kasualien 1955 / Gottesdienste

Kasualien 1955

Im Jahre 1955 wurden getauft:
Helga Hildegard Heydasch in Raeren
Jürgen Dumbruch in Neu Moresnet
Heidemarie Lau in Membach

konfirmiert:
Karin Köhler

getraut:
Rudolf Lau und Sigrid Weber in Membach
Wilhelm Janssen und Edith Kühn in Eupen
Jean Delpire und Hannelore Lau in Membach

beerdigt:
Joh. Smeets, Welkenraedt
Hermann Schwiering, Bildchen
Maria Willems, Eupen
Paula Wegner, Eupen
Järv Eppi, Eupen
Gunnvor Uerlings, Neu Moresnet
Ida Kellner, Neu Moresnet
Waldemar Cosson, Eupen
Karl Wilhelm, Eupen
Margarete Nütten, Eupen


Gottesdienste

Eupen:
jeden Sonntag 10 Uhr, anschließend Kindergottesdienst
Neu Moresnet:
1., 15., 29. Januar, 14.30 Uhr
Malmédy:
15. Januar 10 Uhr
Herbesthal:
22. Januar 10 Uhr

Alle Mitteilungen erbeten an Pfarrer Johannes Wipf, Eupen, Hookstr. 40. Tel. Eupen, 1195

 

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Stand: 07. Mai 2010