|

|
|
3.
Jahrgang
Eupen, September/Oktober 1960
Nr. 9/10 |
Inhalt:
- Umdenken
- Guter Rat für Mischehen
- Aus der Gemeinde - Für die Gemeinde
|
|
So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge sondern Bürger mit den
Heiligen und Gottes Hausgenossen, erbaut auf den Grund der Apostel und
Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist.
Brief an die Epheser Kap. 2,19 und 20
Geht es uns nicht allen miteinander gleich? Wir haben uns von einer
bestimmten Sache ein Bild gemacht, haben darüber eine feste Ansicht
gewonnen. Diese halten wir nun fest. Im Laufe der Zeit verfestigt sich
unsere Ansicht immer mehr und ist uns nun ganz ins Bewusstsein eingeprägt.
Komm jetzt jemand daher, der diese Ansicht in Frage stellt, ja sie sogar
über den Haufen werfen will, so begegnen wir ihm mit Unbehagen, ja
vielleicht sogar mit Abneigung, wenn der Störenfried keine Ruhe geben
will. Wir sind nicht bereit, unsere Ansicht zu ändern, selbst dann nicht,
wenn der andere gute Gründe für seinen Angriff auf unsere Meinung hat. Wir
haben unsere Gedanken im Laufe der Zeit lieb gewonnen, dass deren Aufgabe
uns großen Schmerz zufügen würde. Also bleiben wir dabei.
Sie haben sich darüber eine Meinung gebildet, wie sie aussehen sollte. Sie
haben ihre Ansicht darüber, was sie von ihr erwarten und wie sie mit ihr
in Beziehung treten können. All das liegt seit langem fest und kann nicht
geändert werden, so meinen jene. Da sind die, die sagen: "Kirche muss
sein, aber ich habe sie nicht nötig. Ich bin ein anständiger Mensch."
Andere wiederum haben die Ansicht: "Die Kirche ist etwas völlig
Unzeitgemäßes man macht besser mit ihr Schluss." Desgleichen hat man feste
Ansichten über den Glauben. "Mein Glaube ist, tue recht und scheue
niemand", "es wird schon irgendetwas geben", "in meinem Glauben kann mir
niemand hineinreden", und was es da alles gibt. Und doch sind die meisten
Menschen, die so reden getauft, gehören der Kirche an. Sie sind wieder das
geworden, was die Epheser waren, bevor sie von Christus gehört hatten:
Fremdlinge im Hause Gottes, Menschen, für die Gottes Haus auf der anderen
Seite liegt, ihnen gegenüber, unzugänglich. Sie sind ebenfalls noch Gäste,
dann wenn ein Kind getauft oder konfirmiert, in der Familie ein Paar
getraut oder einer zu Grabe geleitet wird. Man kann es ihnen ansehen, dass
sie sich als Fremdlinge und Gäste in der Kirche fühlen. Sie sind unsicher.
Sie befürchten, etwas falsch zu machen, und man spürt es ihnen an, wie
erleichtert sie sein werden, wenn sie wieder draußen in ihrer gewohnten
Umgebung und bei ihren festen Ansichten sind.
Unser Text aber ist ein Angriff auf alle festen Ansichten über Kirche und
Glauben. Das stört vielleicht viele. Sie ärgern sich. Sie finden tausend
Kleinigkeiten, an denen sie sich stoßen. Sie weichen aus, sie wollen in
ihrem festgefahrenen Gleise bleiben, es ist so gewollt und so bequem. Vor
einiger Zeit war einmal ein Plakat zu sehen. Da war ein Mann zu sehen,
über dessen Kopf eine Glocke schwang. Der Mann hielt sich mit beiden
Händen die Ohren zu. Darunter stand: Gott lässt dich nicht in Ruhe! Das
ist die Lage bei vielen Menschen. Nein, er lässt dich nicht in Ruhe! Er
kommt im Klang der Glocken, er kommt in der Predigt, er kommt im
gedruckten Wort, er kommt im Gespräch, immer redet er zu dir! So wird es
auch hier allen gesagt: Heraus aus der alten Gewohnheit. Sieh deine Kirche
nicht immer als das Haus auf der anderen Seite an. Nimm sie nicht als eine
Einrichtung, deren man sich manchmal zur Veredelung des Alltags bedient!
Betrachte sie nicht als Besserungsanstalt für moralisch Minderwertige. All
diese Leute, die einmal getauft sind, sind ja nicht draußen sondern
drinnen. "So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern
Bürger... und Hausgenossen Gottes." Das bedeutet doch ein völliges
Umdenken gegenüber dem Gewohnten. Die Getauften sind nicht getrennt von
Gott, von seiner Kirche, sie haben Zugang zu Gott und Anteil an dem was er
den Menschen schenkt. Umdenken muss ein jeder seine Ansichten, die er so
lieb gewonnen hat. Sich vom Worte Gottes aus anreden lassen, das ist die
Aufgabe eines jeden. Nicht distanzierte hochmütige Kritik von außerhalb
ist die Sache des Hausgenossen Gottes, sondern mitbauen am Hause, tätige
Mitarbeit. Der Grundstein ist da. Er heißt Jesus Christus. Er ist der
Anfang und die Basis für den ganzen Bau. In ihm ist uns der Zugang zu Gott
eröffnet, den wir mit all unseren Spekulationen und Gedankengebäuden
niemals finden können. In ihm ist uns auch der Plan gegeben, nach dem wir
bauen. Unsere Kirche ist dann recht gebaut, wenn sie darauf steht. So will
die Aussage des Textes uns nun zum Imperativ werden: Seid nun endlich
Gottes Hausgenossen und Bürger der Heiligen! Nehmt euren Platz ein! Ihr
seid keine Fremdlinge.
Wir alle wissen doch, wie schön es ist, ein Heim zu haben, einen Platz, wo
man zu Hause ist. Hier ist das Haus, das unzerstörbar ist, denn es ist
Gottes Haus. Hier ist Ruhe und Frieden und Freude im Heiligen Geiste.
Darum noch mal: Denk um! Helft mit, dass Gottes Haus unter uns gebaut
werde, dass jedermann Freude hat und sich wünscht darin zu wohnen. Die
Kirche wartet auf einen jeden. Gott wartet auf dich Fremdling, komm nach
Hause! Komm und arbeite in deinem Hause. Es ist viel Arbeit für einen
jeden, aber der Lohn ist groß: Leben und Seligkeit. |
|
von Pfarrer Fritz Schindelin - Fortsetzung
Vielleicht die größte aller Gefahren, die den Mischehen droht, ist die
Gefahr der Gleichgültigkeit.
Es muss mit Ernst auf die Gefahr hingewiesen werden, dass man in der
Mischehe gleichgültig wird. Mann und Frau werden in einem evangelischen
Trauformular ermahnt, darauf bedacht zu sein dass eines das andere auf den
Weg zu Gott führe, "mit sich in den Himmel bringe", wie es wörtlich heißt.
Dabei geht es nicht nur um das Seligwerden. Es geht um das Leben mit Gott,
jetzt und hier!, das dann durch den Tod nicht mehr zerstört, nur vollendet
werden kann.
Solches Leben mit Gott ist auf der einen Seite eine selige Gabe,
gleichzeitig eine schwere Aufgabe für jeden Glaubenden. Es ist für jeden
Glaubenden ein
harter Kampf um: das Leben im Glauben,
in dem wir viele Hilfe brauchen. Wenn aber nur einer in der Ehe diese Gabe
schätzt und diesen Kampf führen will? Es geht ja nicht darum, ein
anständiger Mensch zu sein. Nichts gegen anständige Menschen! Gäbe es nur
mehr. Aber für uns Christen geht es um weit mehr als nur darum, "ein
anständiger Mensch zu sein". Auch ein anständiger Mensch kann vor dem
strengen Gericht Gottes nicht bestehen und ist in Gefahr verloren zu
gehen. Es gilt "der Seele Seligkeit zu schaffen mit Furcht und Zittern"
(Paulus an die Phillipper 2,12). Wenn ich bei diesem Kampf in meiner Ehe
allein stehe, dann ist die Gefahr sehr groß, dass ich müde und lau werde
und das Kleinod verliere. Gibt es dagegen eine Hilfe? Wir raten:
Fest in der Kirche wurzeln!
Ja, fest in der Kirche wurzeln. Keinen Gottesdienst ohne zwingende Not
versäumen! Für den Evangelischen ist diese Mahnung wohl besonders nötig.
Er ist weit mehr geneigt als sein Partner, den Gottesdienstbesuch für
unwichtig zu halten. "Ich kann auch zu Hause beten, Jesus hat selbst
gesagt: "Wenn du betest, gehe in dein Kämmerlein." Jawohl, das hat er
gesagt. Aber wem? Denen, die Ihr Privatgebet auf der Strasse hielten. Er
selbst ging jeden Sabbath "nach seiner Gewohnheit" zum Gottesdienst, uns
zum Vorbild und zur Beschämung. Keinen Gottesdienst versäumen! Da ist der
Ort, wo das Glaubensfeuer entzündet, genährt, wo es, wenn es erloschen
ist, wieder angefacht werden soll. Der Radiogottesdienst ist nur ein
kümmerlicher Ersatz. Den Gottesdienst besuchen, heißt ja nicht nur, eine
Predigt oder Gesänge anhören. Um den Gottesdienst ist ein Geheimnis. Wo
zwei oder drei versammelt sind in Jesu Namen, wo sie aus ihren Häusern
herausgegangen sind, einen weiten Weg, vielleicht bei strömenden Regen,
gemacht und sich versammelt haben, da ist Jesus mitten unter ihnen. Da
wirkt er durch seinen Heiligen Geist den Glauben, da schafft er neues
Leben. Da fügt er Menschen zur Gemeinde zusammen, tiefer verbunden als
Blutsverwandtschaft, enger als Ehegemeinschaft. Das ist Geheimnis. Diesem
Segen darf sich nicht entziehen, wer im Glauben stehen will.
Wenn aber beide gleichgültig sind?
Das ist sehr oft der Fall, sei es beim Schließen der Ehe, sei es durch die
innere Austrocknung in der Ehe, wo keiner den anderen zum Glaubensleben
ermahnt und anhält. Dazu kommt der ganze Zug unserer Zeit. Es herrscht
nicht Feindschaft gegen die Kirche, ihre Botschaft, und gegen ihren Herrn,
Jesus Christus, aber grenzenlose Gleichgültigkeit. Alle Dinge sind
wichtig. Geldverdienen, Wohlstand, Mode, Sport, Kino, Politik, Vergnügen.
Nur der Glaube ist gleichgültig. Nein mehr: Er ist lästig. Er stellt ja
Forderungen, tief reichende Forderungen, die das ganze Leben ändern
wollen.
Vielleicht werden die, die das besonders angeht, jetzt ärgerlich
abschalten. Dürfen wir sie freundlich bitten, dennoch weiter zu lesen? Was
kommt bei diesem Leben in der Gleichgültigkeit vor Gott heraus? Natürlich,
zunächst ist es viel bequemer, "ohne Gott" zu leben.
Aber was kommt dabei heraus?
Verhungert, in Lumpen, kein Heim und kein Brot,
keine Lust mehr am Leben und Angst vor dem Tod.
Das Leben ist mühsam, das Sterben ist schwer.
So sind wir, nicht wissend, wohin und woher?
Das fand ich in einem Lönsalmanach, Jahre nach des Dichters Tod. Hermann
Löns? Der Dichter so vieler Liebes-, Heimat-. und Soldatenlieder und
Romane, prall von Blut und Leben? Hermann Löns soll das gedichtet haben?
Natürlich lief er nie in Lumpen und brauchte nicht zu hungern. Um die
Kirche hat er sich wohl auch nicht gekümmert und, wie man dann zu sagen
pflegt, seinen Gott in der Natur gesucht.
Aber durch die Verse zittert etwas von der Heimatlosigkeit des heutigen
Menschen. Der Boden unter den Füssen ist ihm unsicher geworden. Die Angst
lauert im Keller seines Hauses auf ihre Stunde wie ein sprungbereites
Raubtier. Die Ordnung des Lebens, die früher vielen in sich Schwankenden
Halt waren, sind in Auflösung begriffen. Sie wirken für die ältere
Generation unbewusst noch als Elternerbe, den Kindern vermag man sie
selten kraftvoll weiterzugeben. Auf die Frage nach dem letzten Sinn des
Lebens hört man keine gültige Antwort.
Ohne Gott, das gibt Kreislaufstörung des ganzen Lebens
Wo aber der Glaube ist - und mit dem Glauben der lebendige Gott - wo aber
Glaube ist, da ist freilich auch Not, Kampf und Mühe genug. Aber da ist
eine tiefe Geborgenheit in allen Stürmen. Da ist eine Antwort auf die
Frage nach dem Wohin und Wozu des Lebens. Da ist Vergebung, wenn das
Gewissen erwacht, Hilfe in der Versuchung, Überwinderkraft im Leid und
Trost in Todesnot.
Jesus Christus spricht:
Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch.
und
In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt
überwunden.
Gottes Türen stehen weit offen. Komm!
|
WAHLEN
zum Presbyterium und Verwaltungsrat
Sonntag, den 16. Oktober 1960
Eupen: 10 Uhr
Neu-Moresnet: 14.30 Uhr
jeweils in der Kirche
Nehmt alle an der Wahl
teil!
Wählt die besten, fähigsten und aktivsten Gemeindeglieder zur
Leitung der Gemeinde! |
|
Gottesdienstordnung.
|
|
Sonntag, den 25. September 1960, 15. Sonntag nach
Trinitatis |
|
Eupen |
10.00 Uhr |
Hauptgottesdienst |
|
|
11.00 Uhr |
Kindergottesdienst |
| Neu-Moresnet |
14.30 Uhr |
Hauptgottesdienst |
|
|
Sonntag,
den 2. Oktober 1960, Erntedankfest |
|
Eupen |
10.00 Uhr |
Hauptgottesdienst |
| |
|
Sonntag,
den 9. Oktober 1960, 17. Sonntag nach Trinitatis |
|
Eupen |
10.00 Uhr |
Hauptgottesdienst |
|
|
11.00 Uhr |
Kindergottesdienst |
| Neu-Moresnet |
14.30 Uhr |
Hauptgottesdienst |
| |
|
Sonntag,
den 16. Oktober 1960, 18. Sonntag nach Trinitatis |
|
Eupen |
10.00 Uhr |
Hauptgottesdienst |
| Neu-Moresnet |
14.30 Uhr |
Hauptgottesdienst
In beiden Kirchen findet in Verbindung mit dem Gottesdienst die
Wahlen zum Presbyterium und zum Verwaltungsrat statt. |
| |
|
Sonntag,
den 23. Oktober 1960, 19. Sonntag nach Trinitatis |
|
Eupen |
10.00 Uhr |
Hauptgottesdienst |
Christliche Unterweisung
Die Anzahl der Schüler, welche im Gebiet unserer Gemeinde evangelische
Unterweisung (Religionsunterricht) empfangen, ist in stetigem Wachstum
begriffen. Auf Grund des Schulpaktes unterrichten wir von diesem Schuljahr
an in 10 Schulen unseres Gemeindebezirkes insgesamt 64 Kinder. Die größte
Anzahl Schüler befindet sich am Königlichen Athenäum Eupen, wo insgesamt
39 in den verschiedenen Klassen am Unterricht teilnehmen. Die anderen
Schüler verteilen sich auf die städtischen Eupener Schulen, sowie auf die
Landschulen. Nach dem Gesetz hat jeder Schüler Anspruch auf zwei Stunden
Religionsunterricht pro Woche. Um dieser Forderung genügen zu können,
müssen von uns wöchentlich 52 Stunden Religionsunterricht erteilt werden.
Diese sollen auf drei Lehrkräfte verteilt werden, da ja für den Unterricht
in den Landschulen noch erhebliche Wege zurückgelegt werden müssen. Für
den letzteren Zweig des Unterrichtes hat sich Herr Willi Flückiger aus
Wangen/ Schweiz verpflichtet. Herr Flückiger ist vielen Gemeindegliedern
bereits durch die Besuche bekannt, welche er in den letzten Monaten in der
Gemeinde gemacht hat. Wir sind dankbar, dass wir für die weit verzweigte
und vielfältige Arbeit in der Gemeinde in ihm einen guten und eifrigen
Helfer gefunden haben.
Unser Männerkreis
Der Männerkreis versammelt sich mit viel Freude einmal im Monat im
Pfarrhaus. Die Zahl der Teilnehmer ist im Ansteigen begriffen. Auch in die
Vorbereitungen der Wahl hat er sich bereits aktiv eingeschaltet. Viele
Gemeindeglieder sind in den letzten Wochen von den Männern besucht worden,
welche die Formulare zur Eintragung in die Wählerliste in die Familien
brachten. Manches gute Gespräch ist geführt worden, und viele Kontakte
haben sich ergeben, von denen wir hoffen, dass sie weiter ausgebaut werden
können. Alle Männer unserer Gemeinde sind eingeladen, am Männerkreis
teilzunehmen. Die nächste Zusammenkunft findet am Montag, den 3.
Oktober 1960 um 20 Uhr im Pfarrhaus statt.
Das Presbyterium
Wir wollen wählen! Neun Mitglieder sollen ins Presbyterium gewählt werden.
Da wird sich mancher fragen, was denn das Presbyterium eigentlich sei und
was seine Tätigkeit ist. In unseren Evangelischen Kirchen hat man immer in
besonderer Weise die Anteilnahme aller Gemeindeglieder am kirchlichen
Leben betont. Diese Anteilnahme drückt sich nicht nur in der Teilnahme am
Gottesdienst und an Gemeindekreisen aus sondern auch in der aktiven
Mitarbeit an den Fragen der Gemeinde, in der Mithilfe in der Diakonie und
im Aufbau der Gemeinde. Aus der inneren Anteilnahme der Gemeindeglieder am
Leben ihrer Gemeinde und Kirche ist der Dienst der Männer und Frauen
erwachsen, die dem Presbyterium angehören. Sie repräsentieren die
Gemeinde, sie kommen aus ihrer Mitte und werden von der Gemeinde
vorgeschlagen und gewählt. Die Mitglieder des Presbyteriums haben somit
eine geistliche Aufgabe zu erfüllen. Sie versammeln sich nicht nur zu
regelmäßigen Sitzungen, in denen die Fragen der Organisation und der
Verwaltung besprochen werden. Sie entscheiden über die Aufnahme neuer
Glieder in die Gemeinde. Sie entscheiden in den Fragen der Wiedertrauung
Geschiedener, sie können auch Glieder, die ein öffentliches Ärgernis für
die Gemeinde geben von der Teilnahme am Heiligen Abendmahl ausschließen,
wenn durch mehrfache Versuche des Zuspruchs und der Ermahnung dies
Ärgernis nicht beseitigt wurde. Sie wachen über die Ordnung des
Gottesdienstes und sorgen für Hilfe, wenn Gemeindeglieder in Not geraten.
Sie stehen dem Pfarrer zur Seite beim Besuch der Gemeindeglieder, ja sie
können auch bei Krankheit, Urlaub und sonstiger durch bestimmte Umstände
verursachter Abwesenheit des Pfarrers und auch bei Pfarrvakanz
Lesegottesdienste halten. Die Fülle der Aufgaben ist sehr groß. Die
vorstehende Aufzählung erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit.
Damit ist deutlich, dass nur solche Männer und Frauen vorgeschlagen
und gewählt werden sollen die bereit sind, sich dieser Fülle der Aufgaben
zu stellen und in voller Verantwortung für Wohl und Wehe der Gemeinde
ihren Platz im Presbyterium einnehmen.
Es handelt sich also bei den Presbytern nicht um Verwaltungsfachleute, die
vor allen Dingen mit Geldangelegenheiten zu tun haben sondern um
verantwortungsbewusste Christen, denen das Wohl und Wehe der Gemeinde am
Herzen liegt. Schließlich geht es ja bei aller kirchlichen und
gemeindlichen Arbeit nicht darum, dass der Betrieb gut funktioniert
sondern, dass allen Menschen gezeigt wird, wie Christen leben, welche
Kraft der Glaube hat, wie er das Leben formt und verändert. Es geht in
unserer ganzen Arbeit darum, Gott Ehre zu machen und zu bezeugen, dass der
Herr Jesus Christus lebendig ist, und dass wir in seinem Dienst stehen.
Mitzuhelfen, dass alles dies geschehen kann, ist die Aufgabe des
Presbyteriums. Darum wählt alle die fähigsten Glieder unserer Gemeinde
,damit dies wahrhaft dem Worte Gottes entsprechend geleitet werde.
Der Verwaltungsrat
Im Königreich Belgien ist die Evangelische Kirche vom Staate als eine
öffentliche Körperschaft anerkannt. Der Staat hat durch Gesetz und
Verordnung festgelegt, dass die Gehälter der Pfarrer von der Staatskasse
getragen werden und dass die Kassen der Gemeinden zu den Haushalten der
Kirchgemeinden einen finanziellen Beitrag leisten sollen. Das bedeutet,
dass die Kirche staatliche Gelder zur Durchführung ihrer Aufgaben erhält.
In die Durchführung der kirchlichen Aufgaben mischt sich der Staat in
keiner Weise ein. Über die Verwendung der Gelder hingegen sind die
Kirchgemeinden verpflichtet Rechenschaft abzulegen. Sie müssen alljährlich
einen Haushaltsplan (Budget) aufstellen, in dem alle Ausgaben und
Einnahmen einzuplanen sind. Am Jahresende muss dann über sämtliche
Einnahmen und Ausgaben die Jahresrechnung erstellt und beim Staate
eingereicht werden.
Um diese Aufgaben der Vertretung der Gemeinde gegenüber dem Staat und der
Rechnungslegung durchzuführen wurde durch Königliche Verordnung vom 7.
Februar 1876 die Einrichtung von Verwaltungsräten für die Kirchgemeinden
angeordnet, welche diese Aufgaben zu erfüllen haben. Der Verwaltungsrat
ist somit zuständig für alle zeitlichen Belange der Kirchgemeinde.
Er besteht bei uns aus sechs Mitgliedern, die nach Möglichkeit über eine
Erfahrung in Verwaltungsdingen verfügen sollen. Zwei der Mitglieder müssen
aus dem Bereich Neu-Moresnet - Kelmis kommen.
Der Verwaltungsrat wird ebenfalls von der Gemeinde gewählt, und es kommt
auch hier darauf an, dass die Männer und Frauen, die ihm angehören,
verantwortungsbewusste Menschen sind. Darum gilt es auch bei der Wahl des
Verwaltungsrates genau zu bedenken, wer den Sitz in diesem Gremium
einnehmen soll.
Hinweise für
die Wahlen am Sonntag, dem 16. Oktober 1960
Wählerliste
Alle
wahlberechtigten Gemeindeglieder müssen in die Wählerliste eingetragen
sein. Für die Eintragung wurde ein Formular zugestellt, in welcher sich
alle Glieder der Familie, die wahlberechtigt sind, eintragen können.
Dieses Formular soll bis spätestens 30. September im Pfarrhaus eingegangen
sein. Spätere Eintragung ist nur in Ausnahmefällen möglich. Ab 1. Oktober
1960 liegt die Wählerliste im Pfarrhaus und am Ausgang des Gottesdienstes
in der Kirche öffentlich zur Einsichtnahme für jedermann aus. Einsprüche
gegen die Eintragungen müssen bis spätestens 14. Oktober beim
Wahlausschuss (Adresse: Hookstr. 40) eingegangen sein.
Wahlberechtigt ist jedes Gemeindeglied, welches:
-
zum Heiligen
Abendmahl zugelassen (konfirmiert) ist
-
mindestens
sechs Monate der evangelischen Kirche angehört
-
mindestens drei
Monate im Bereich unserer Gemeinde wohnt
Unsere
jugendlichen Gemeindeglieder können also alle an der Wahl teilnehmen,
soweit sie konfirmiert sind.
Wahlvorschläge
Um zu
gewährleisten, dass die Mitglieder des Presbyteriums und des
Verwaltungsrates wirklich unter der Zustimmung der Gemeinde gefunden
werden, kann jedes Mitglied der Gemeinde, das wahlberechtigt ist,
Vorschläge machen, wer gewählt werden soll. Diese Vorschläge sind noch
keine Wahl sondern erst die Benennung der Kandidaten für die Wahl.
Vorgeschlagen werden kann, wer:
-
am Wahltag
mindestens 24 Jahre alt ist
-
mindestens ein
Jahr der evangelischen Kirche angehört
-
mindestens
sechs Monate im Bereich unserer Kirchengemeinde ansässig ist
-
die Bedingungen
für die Wahlberechtigung erfüllt
Die Aufstellung
eines Wahlvorschlages geht folgendermaßen vor sich:
Auf einem
Zettel werden die Namen und möglichst auch die Vornamen der
Gemeindeglieder aufgeschrieben, welche Kandidaten für das Presbyterium
werden sollen. Es können beliebig viel Namen, jedoch nicht mehr als
insgesamt 18 aufgeschrieben werden. Dann müssen mindestens fünf
wahlberechtigte Gemeindeglieder den Vorschlag unterschreiben. Z.B. können
mehrere Glieder derselben Familie unterschreiben. Jeder darf allerdings
nur auf einem Zettel unterschreiben! Die Vorschläge müssen bis spätestens
2. Oktober beim Pfarramt eingegangen sein. Später eingehende Vorschläge
werden nicht berücksichtigt! Alle Namen der vorgeschlagenen Kandidaten
werden dann - falls diese mit ihrer Kandidatur einverstanden sind - auf
die Vorschlagsliste gesetzt. Diese Liste wird bekannt gegeben.
Für den
Verwaltungsrat können ebenfalls Vorschläge gemacht werden. Hierbei
kann jedes Gemeindeglied für sich einen Vorschlag einreichen, der aber
nicht mehr als sechs Namen enthalten darf. Auch diese Vorschläge müssen
bis zum 2. Oktober beim Pfarramt eingegangen sein.
Wahlvorgang
Die Wahl findet
am Sonntag, dem 16. Oktober 1960 in Verbindung mit dem Hauptgottesdienst
statt. Dieser wird gehalten:
Die Leitung der
Wahl hat der Wahlausschuss. Der Wahlvorgang beginnt mit der Wahl des
Presbyteriums. Jeder Teilnehmer an der Wahl bekommt einen Stimmzettel
ausgehändigt. Auf diesem sind die Namen der vorgeschlagenen Kandidaten aus
Eupen und Neu-Moresnet verzeichnet. Es dürfen nur neun Namen
angekreuzt werden, sieben Namen von Eupener Kandidaten und zwei Namen von
Kandidaten aus Neu-Moresnet. Stimmzettel, die mehr als neun Kreuze
enthalten, sind ungültig. Ist der Stimmzettel angekreuzt, so begibt man
sich zum Tisch des Wahlausschusses, nennt seinen Namen zur Überprüfung in
der Wählerliste und wirft dann den Stimmzettel in die Wahlurne.
Anschließend begeben sich ein jeder auf seinen Platz zurück.
Es folgt sofort
die Wahl des Verwaltungsrates. Jeder Teilnehmer bekommt nun den
Stimmzettel, auf dem die Kandidaten für den Verwaltungsrat verzeichnet
sind. Hierfür werden ebenfalls zwei Glieder aus Neu-Moresnet gewählt.
Auf diesem
Stimmzettel werden sechs Namen angekreuzt - vier aus Eupen, zwei
aus Neu-Moresnet. Stimmzettel, die mehr als sechs Kreuze enthalten, sind
ungültig. Nun geht die Wahl ebenso weiter, wie es oben für das
Presbyterium beschrieben ist. Ist der Wahlgang abgeschlossen, so findet
unmittelbar im Anschluss daran die Auszählung der Stimmen statt. Diese ist
öffentlich. Es kann jedermann dableiben. Das Wahlergebnis selbst wird im
nächsten Gottesdienst bekannt gegeben. Wenn jemand gegen die Gültigkeit
der Wahl Einspruch erheben will, so muss er dies in den drei folgenden
Wochen tun.
Wir bitten die Gemeindeglieder, an der Wahl teilzunehmen und dadurch zu
bekunden, dass ihnen der Aufbau und das Leben der Gemeinde wichtig sind.
|
|
Herausgeber:
Evangelische Kirchengemeinde Eupen - Neu-Moresnet - Malmedy -
St. Vith.
Pfarrer: Günter
Göring, Eupen, Hookstraße 40. Tel. 521.95.
|
|