9. Jahrgang

Nummer 8

AUGUST 1966

DIE BRÜCKE

Evangelisches Monatsblatt in den Belgischen Ostkantonen

Inhalt:

Nicht auf der Strecke bleiben
Kinder vor dem Fernsehschirm
Urlaub mit und ohne Reue / Fragen zum "Vater Unser" / Nachrichten
Aus der Gemeinde - Für die Gemeinde

Nicht auf der Strecke bleiben

Mein Gerechter wird aus Glauben leben; und wenn er feig zurückweicht, hat meine Seele kein Gefallen an ihm (Hebr. 10, 38 - Zürcher Übersetzung).

Geht es uns wirklich zu gut? Viele behaupten das ja heute. Damals, sagen sie dann gerne - damals war alles so ganz anders. Als es uns äußerlich viel schlechter ging als heute, waren wir im Grunde viel besser dran. Ja, manche haben «damals» sogar einen neuen Anfang mit Gott gemacht.

Aber was «damals» war, auch wenn wir es in der Erinnerung wohl verklärter sehen, als es in Wirklichkeit war, gilt heute nicht mehr. Ein guter Start ist sicher etwas wert. Aber es geht in unserem Leben nicht nur um einen guten Start. Ende gut - alles gut. Um beim Bild zu bleiben: Im Sport kann ein guter Start nur auf kurzen Strecken die Entscheidung bringen. Aber unser Leben ist kein Kurzstreckenlauf, es geht über die längste Distanz. Die entscheidende Frage ist nicht, ob wir einen guten Start haben, sondern ob wir durchhalten. «Mein Gerechter wird aus Glauben leben», wer durchhält wird aus Glauben leben.

Das ist ein wunderschönes Ziel: Aus Glauben leben. Also Glauben haben, der keine vorübergehende Sache ist, sondern das Leben bestimmt und trägt. Aber: Durchhalten ist gar nicht so einfach! Das haben manche von Ihnen sicher schon von gestern bis heute gemerkt. Ich meine, die im Gottesdienst waren und sich vorgenommen haben, diese Woche soll von all den guten Worten und Zusagen bestimmt sein, die ich eben gehört habe. Aber wie schnell verfällt man vom guten Start wieder in den alten Trott! Durchhalten ? Manchmal halten wir nicht einmal von der Kirchenbank bis zum Ausgang durch. Wie viel weniger eine ganze Woche oder gar ein ganzes Leben. Wir sind eben bestenfalls Sprinter aber keine Langstreckenläufer. Und das war damals in den verklärten schlechten Zeiten auch nicht anders. Zum guten Anfang reicht es, aber uns fehlt der lange Atem, um durchzuhalten.

Wird er uns immer fehlen? Wird er Ihnen fehlen, wenn Sie gestern einen neuen Anfang gemacht haben, oder wenn Sie sich gerade dazu entschlossen haben?

Vor längerer Zeit wollte ich einmal einen Verwandten besuchen, der seinen Urlaub auf einem ganz einsamen Hof mitten im Wald verbrachte. Ich kam erst am späten Abend dazu und fragte im nächstgelegenen Ort nach dem Weg. Es war ein Feldweg. Aber in der stockfinsteren Nacht fand ich das Haus nicht und drehte nach einiger Zeit wieder mit meinem Wagen. Nach einigen Tagen versuchte ich es bei Tageslicht noch einmal. Ich war auf dem richtigen Weg gewesen. Etwa hundert Meter vor dem Ziel war ich umgekehrt.

Wie oft mögen wir auf dem rechten Weg sein nach einem guten Start und geben dann doch auf kurz vor dem Ziel. Wie oft kehren wir um, weil wir den Angaben, die uns Gottes Wort über den Weg macht, nicht trauen.

Mein Gerechter wird aus Glauben leben?

Vielleicht sind wir mit dem Nachsatz besser getroffen: Wenn er feig zurückweicht, hat meine Seele kein Wohlgefallen an ihm.

Das Erstaunliche an der Bibel ist, dass wir in ihr nicht so schnell aufgegeben werden, wie wir selbst es mit uns tun. Wir werden durchschaut! Schnell begeistert und schnell am Ende, ist das Urteil der Propheten, Evangelisten und Apostel über uns. Wir halten nicht durch. Aber ein anderer hält durch. Im Hebräerbrief heißt es im Vers, der vor dem schon genannten steht: Nur noch eine ganz kleine Weile, dann wird erscheinen der da kommen soll. Er zögert nicht. Mein Gerechter wird aus Glauben leben.

Nur noch eine ganz kleine Weile. Wir sind näher am Ziel, als wir meinen. Darum lohnt es sich, durchzuhalten. Darum ist es sinnvoll, dazu überhaupt aufzurufen, obwohl unser Glaube so erbärmlich und klein und kurzatmig ist. Und wenn Sie, meine Leser, nach einem guten Start doch aufgegeben haben, wenn Sie diese Erfahrung gerade hinter sich haben, gerade heute werden Sie erneut aufgerufen an den Start zu gehen und durchzuhalten. «Mein Gerechter wird aus dem Glauben leben», ans Ziel kommen und nicht auf der Strecke bleiben. Damit sind auch Sie gemeint.

Wolfgang Rehbein

Kinder vor dem Fernsehschirm 

Was Untersuchungen zeigen / Wirkungen noch nicht genügend erforscht

«Meine Kinder kommen mir nicht vor den Fernsehapparat!» - «Ich lasse meine sehr oft beim Fernsehen zuschauen!» Nicht ganz so gegensätzlich wie diese beiden extremen Ansichten, denen man häufig begegnet, wenn unterm Fernsehvolk über das Für und Wider zum Thema: «Kinder vor dem Bildschirm» diskutiert wird, aber noch keineswegs einheitlich sind die Ansichten der Psychologen und Mediziner, die sich mit etwaigen Wirkungen des Fernsehens auf Seele und körperliche Entwicklung der Kinder beschäftigen. Ob man deshalb bereits von unumstößlichen Ergebnissen sprechen kann, ist fraglich. Bei einiger Vorsicht sind aber aus den bis jetzt vorliegenden Untersuchungen wohl doch gewisse Schlüsse für eine Kinder-Fernsehpädagogik zu ziehen.

Einer der Angelpunkte ist die Frage, wie viel Zeit Kinder am Bildschirm verbringen und welche Programme sie dabei bevorzugen. Kinder, die Gelegenheit zum Fernsehen haben, machen meist enormen Gebrauch davon. Beobachtungen aus verschiedenen Ländern ergaben, dass Sechs- bis Sechzehnjährige im Durchschnitt zwischen 12 und 24 Stunden pro Woche vor dem Fernsehgerät sitzen, Volksschüler etwas länger als Oberschüler. In den USA, wo die ausführlichsten Untersuchungen dieser Art vorgenommen wurden, wird geschätzt, dass dreijährige Kinder im Durchschnitt schon 45 Minuten, fünf- oder sechsjährige sogar zwei Stunden pro Tag Fernsehzuschauer sind. Im Alter von 12 bis 13 Jahren wird mit drei Stunden täglich ein Gipfelpunkt erreicht. Eine ähnliche Kurve erbringen die Ergebnisse aus England und Japan. Für Deutschland ergaben sich allerdings erheblich niedrigere Werte, zum Teil sicherlich, weil hier noch nicht «rund um die Uhr» gesendet wird.

Wo immer aber Fernsehen den ganzen Tag über zu empfangen ist, beherrscht es mehr oder weniger die Freizeit der Kinder. Beschäftigungen, die ähnliche Bedürfnisse befriedigen wie das Fernsehen (Kino, Radio, Unterhaltungsliteratur), werden vernachlässigt. Allerdings wird das Lesen von Zeitungen, Lehrbücher und dergleichen durch das Fernsehen angeblich kaum eingeschränkt. Kinder in Fernsehhaushaltungen gehen in Japan durchschnittlich 17 Minuten, in Kanada 11 Minuten später zu Bett als Kinder, die zu Hause keinen Fernsehapparat haben. Auch die Zeit für Schularbeiten verkürzt sich im ersten Fall in Japan täglich um ca. eine Viertelstunde. In Kanada verwandten Kinder in einer Stadt, die nicht im Bereich eines Fernsehsenders liegt, mehr Zeit auf Spiele als solche, denen Fernsehen zugänglich ist. Vorsichtiges Fazit: Die Zeit, die ein Kind vor dem Bildschirm verbringt, ist in ausgesprochenen Fernsehländern oft kaum geringer als die, während der es in der Schule am Unterricht teilnimmt.

Tendenz zu Erwachsenensendungen

Der Münchner Pädagoge Prof. Martin Keilhacker warnt allerdings davor, solche Ergebnisse über zu bewerten. Seine Untersuchungen ergaben nämlich, dass derartige Erhebungen in Zukunft noch wesentlich stärker differenziert werden müssen, wenn sie exakte Ergebnisse bringen sollen. Dass die Kinder in den USA z.B., wenn sie im Hause sind, das Fernsehgerät angestellt haben, bedeute noch nicht, dass sie sich jedes Programm wirklich ansehen.

Auch die Frage, ob Kinder «sehen, was sie mögen» oder «mögen, was sie sehen», ist keineswegs gelöst. Fest steht jedoch, dass sie die an sich für Erwachsene bestimmten Programme bevorzugen. Eine in Dänemark vorgenommene Untersuchung ergab z.B., dass von den befragten Kindern insgesamt nur 24 % der Nachmittagsprogramme, jedoch 45 % der Abendprogramme gesehen werden. Nach Altersklassen geordnet, verfolgen 30 % der Vier- bis Sechsjährigen am Nachmittag, 13 % am Abend bestimmte Programme. Bei den Sieben- bis Neunjährigen lautet das entsprechende Verhältnis 34 % bzw. 27 %, bei den Zehn- bis Zwölfjährigen 24 % bzw. 54 % und bei den Dreizehn- bis Fünfzehnjährigen 13 % bzw. 64 %. Unter den gesehenen Abendprogrammen handelt es sich um viele, die ausdrücklich als für Jugendliche ungeeignet angekündigt werden.

Ein weiteres Kapitel, das hier berührt werden muss, ist das immer stärker in den Vordergrund rückende Schulfernsehen. In mehr als 400 Tests in den USA wurde festgestellt, dass in Schulklassen, wo weitgehend das Fernsehen als Bildungsmedium eingesetzt wird, die abschließenden Prüfungen nicht schlechter ausfielen als in den Klassen, die nach herkömmlicher Methode unterrichtet worden waren. Aufgrund von Untersuchungsergebnissen besteht auch wenig Anlass zu der Annahme, Fernsehen, zu Hause konsumiert, begünstige oder benachteilige die Kinder in der Schule. Es zeigte sich nämlich, dass aufgeweckte Kinder in den ersten Schuljahren mehr vom Fernsehen profitieren als die geistig langsameren. Doch nach und nach kehrt sich dieses Verhältnis um. Etwa ab 12 Jahren wenden sich die intelligenteren Schüler immer stärker dem gedruckten Wort zu, während jetzt die weniger intelligenten ihr Wissen mehr über den Bildschirm beziehen.

Das Experiment mit der Puppe

Immer wieder taucht im Zusammenhang mit dem hier behandelten Thema die Frage auf, ob Gewalttätigkeiten, wie sie in vielen Programmen vorkommen, negative Wirkungen auf Kinder haben. Eine Meinung lautete, dass die im Fernsehen gezeigten Brutalitäten als Sicherheitsventil für angestaute und verdrängte kindliche Aggressivität dienen können. Inzwischen hat eine Reihe von Experimenten jedoch genau das Gegenteil ergeben. Eine Gruppe von Kindern wurde in Erregung versetzt, die sie einen hohen Grad von Aggressivität erreichen ließ. Darauf zeigte man ihnen einen Film, in dem Kinder sich aggressiv verhielten, z.B. zerstörten sie eine Puppe. Einer entsprechenden Gruppe von ruhig ausgeglichenen Kindern wurde der gleiche Film vorgeführt. Dann gab man bei den Gruppen je eine Puppe von der Art, der im Film gezeigten. Die schon vor dem Fernseherlebnis «aggressiven» Kinder rissen sie in Stücke, die anderen nicht. Aus den Experimenten wurde auch deutlich, dass Kinder, die im hohen Grade aggressiv veranlagt sind, besonders von entsprechenden Programmen angezogen werden. Da das Fernsehen also die aggressiven Tendenzen von Kindern eher fördert als mindert und ihnen Hinweise gibt, wie sie Waffen gebrauchen können, ist es vorstellbar, dass sie bei passender Gelegenheit in einem Augenblick der Wut selbst solche Waffen benutzen. Doch das Resultat aller Untersuchungen ergab, dass nur auf Kinder, die aufgrund von Charakter und Umwelt bereits kriminell veranlagt sind, das Fernsehen eventuell in dieser Richtung schädigende Wirkungen hat. Es kann dann die Ausübung eines Verbrechens durch die Vorführung einer verbrecherischen Handlung begünstigen, indem die Aggressivität des Kindes verstärkt wird.

Ein letzter Blick soll den möglichen körperlichen Auswirkungen des Fernsehens auf Kinder gelten. Gerade hier gehen die Ansichten der Wissenschaftler weit auseinander. Die einen behaupten, Anzeichen einer oft befürchteten, auf das Fernsehen zurückzuführenden Müdigkeit oder andere negative Erscheinungen seien nicht festzustellen. Andere, unter ihnen der Züricher Arzt Dr. Zabran, sind dagegen der Ansicht, dass z.B. für Erwachsene bestimmte Sendungen bei Kindern Verständnislücken zurücklassen, die sie noch lange nachher beschäftigen. Mehrten sich solche Verarbeitungsreize, so könne es zu schwerer Schlaflosigkeit kommen. Der Arzt betont ferner, dass außerdem bei den Kindern Haltungsschäden, Darmträgheit und Appetitlosigkeit als rein körperliche Auswirkungen des Hockens vor dem Bildschirm entständen, und er spricht von einer Reihe von Erscheinungen, die in erster Linie auf Schädigungen des Nervensystems und des seelischen Gleichgewichts beruhen und sich auch körperlich auswirken.

Maßhalten und Auswählen!

Zwangsläufig ergibt sich aus den Untersuchungen und ihren Ergebnissen die Frage nach den Konsequenzen. Um beim Augenfälligsten zu beginnen: Was unmittelbar einleuchtet, ist die Tatsache, dass langes Sitzen vor dem Bildschirm dem Kind, das vielleicht bereits etliche Stunden am Tag die Schulbank gedrückt hat, die zu einer gesunden körperlichen Entwicklung unbedingt nötigen Bewegung beschneidet. Schon aus diesem rein äußerlichen Grund ist also Mäßigung beim Fernsehkonsum geboten.

Schwieriger wird es bei der Beantwortung der Frage, ob man aus Furcht vor seelischen Schädigungen seine Kinder vom Bildschirm fernhalten sollte. Sicher ist, dass Programme, die den Horizont der Kinder überschreiten, also gerade solche, die für Erwachsene bestimmt sind, nach denen sich die Jugend jedoch besonders drängt, zu einer Belastung der kindlichen Seele führen können - vor allem dann, wenn ein rascher Handlungsablauf vorliegt oder große logische Sprünge zu vollziehen sind, die nicht mit der Erfahrung des Kindes zu bewältigen sind. Deshalb ist eine der geistigen Reife entsprechende Auswahl der Programme unbedingt erforderlich. Doch welche Eltern nehmen sich schon die Zeit dazu oder können - sofern sie überhaupt eine Funkzeitschrift beziehen - aus den spärlichen Programmhinweisen die Eignung oder Nichteignung einer Sendung für ihre Sprösslinge ablesen? Hier müsste auch von Seiten des Fernsehens noch viel Aufklärungsarbeit geleistet werden.

Fest scheint jedoch zu stehen, dass eine erhöhte Gefährdung von Kindern durch das Fernsehen, selbst wenn es entgegen den oben genannten Faustregeln konsumiert wird, im allgemeinen nur dann besteht, wenn bereits charakterliche und persönliche Verbildungen vorliegen und durch gestörte Umweltverhältnisse gefördert werden. Eine intakte Familie, durch die und mit der sie feste moralische Wertmaßstäbe erleben, ist die beste Gewähr dafür, dass Kinder der Magie der Bildröhre nicht erliegen, sondern von den Vorteilen dieses modernsten Massenmediums profitieren.

Reiner Schmalisch.

Urlaub mit und ohne Reue / Fragen zum "Vater Unser" / Nachrichten

Urlaub mit und ohne Reue

Mit Kindern in den Ferien

Vor einigen Jahren fuhren wir südwärts. Mann und Ross und Wagen waren in unserem vierunddreißig PS-Vehikel dicht beieinander. Vater, Mutter und zwei Kindchen fuhren mit dem Zelt auf dem Dach und dem Gefühl, den Marschallstab im Tornister zu haben, fernen Landen entgegen. Das großartige Gefühl der Abfahrt, jener Abkehr von den alltäglichen Pflichten im guten Gewissen, wurde von keinem aller weiteren Urlaubsgefühle mehr erreicht.

In den sechs Tagen unserer Fahrt durch Europa öffnete sich vor uns das Bilderbuch Gottes in seiner Schöpfung eindrucksvoll und staunend erregend. Bilder ohne Ende, Wälder, Wiesen, Täler, Berge, Städte und Menschen mit der Vielzahl der Variationsmöglichkeiten eines gigantischen Kaleidoskops. Von einem Höhenzug schauten wir auf einen anderen und von diesem wieder auf einen weiteren mit dem Gefühl, die Welt müsse dort zu Ende sein. Aber immer mehr Welten taten sich auf und hinterließen ihren Eindruck in unserem aufnahmebereiten Gemüt.

Was unsere Augen sahen, wohin wir fuhren, hielten wir fest auf der Autokarte und notierten das Wichtigste im Notizblock. Auch die Kinder waren eifrige Kartographen und originelle Berichterstatter in der Beobachtung vieler Einzelheiten. Trotz Hitze und Müdigkeit waren sie ganz dabei und fügten sich ein in die Gemeinschaft unserer Freuden und in die Gemeinschaft unserer Strapazen. Wir nahmen sie ernst als kleine Weggefährten, ohne zu schimpfen, ohne erziehen zu wollen, es war ja Urlaub. Sie waren unsere Kameraden und fühlten sich wohl.

Ja, die Fahrt in den Urlaub vor einigen Jahren war inhaltsreich und von bleibendem Wert! Aber der Urlaub selbst an jenem sonnenreichen Stand im Süden mit mehr Campingleiden als -freuden hinterließ einen schlechten Geschmack. Der Sonne ausgeliefert, schon den zu Hause alltäglichen Schatten als Labsal empfindend, sich der Fliegen als Erzfeinde erwehrend, wurden wir matt und zu schwach für Erholung und Spiel. Unter der Hitze erstarb die Kameradschaft von Eltern und Kinder, und einer wurde dem anderen gram.

Wer Fluchtgedanken hegt in solchen Situationen, der fliehe bald. Er fliehe von Sonne, Sand und Stein zu Quelle, Schatten und Strauch. Er genieße den Regen, und die Sonne wird wieder seine Freundin. Mann und Frau lernen sich wieder zu lieben und die Kinder werden kleine Kameraden.

Ja, damals fuhren wir weit in den Süden. Doch in den letzten Jahren blieben wir im Lande. Zuerst hausten wir weiter im Zelt und wurden sesshafte Nomaden. Auch der Urlaubstag war geregelt: aufstehen, frühstücken, wandern, baden, schlafen, lesen und spielen, Essen kochen, Tisch decken mit Tischtuch und Servietten, spülen, einräumen und aufräumen, alles war geplant und verteilt. Wir alle hatten Ferien und keiner nur auf Kosten des anderen. Auch Mami hatte Urlaub.

Die Kinder lernten es begreifen. Sie «durften» helfen und manchmal auch «kochen»; dabei fühlten sie sich «groß». Der Handwerkskasten durfte nie fehlen, man musste ja schnitzen und basteln und werken und bauen. Das Schiff musste schwimmen, das Flugzeug fliegen und das Wasserrad sollte sich drehen. Am Abend eines ganzen Basteltages sagte Thomas: «Das war heut schön!» Auch im Urlaub durfte man was tun, man konnte seine Zeit gestalten, ohne Zwang und ohne Problem.

Auf Camping gehen wir jetzt nicht mehr. Auch diese Zeit ist vorbei. Die Kinder werden es in einigen Jahren wohl wieder tun, dann aber ohne Eltern. Wir sind jetzt auch im Urlaub richtig sesshaft geworden: In einem festen Haus bei Leuten, die uns gut verstehen. Wir sind unter uns und manchmal mit den Hausleuten zusammen. Wir wandern, sammeln Käfer, Schmetterlinge und Reptilien aller Art, Steine und Pflanzen, beobachten Rehe und Hasen und sahen schon einen Dachs. Mit kleinen Sachbüchern in der Tasche erforschen wir die Welt. Die Stimmen der Vögel können wir unterscheiden wie der Musiker die Instrumente seines Orchesters. Die Welt wird groß und weit für den Betrachter, je kleiner der Sektor ist, den er mit offenen Augen beschaut.

Und wenn es mal regnet, ist das gar nicht schlimm. Die schönen Kleider hängen im Schrank. Mit Anorak und Stiefeln, beides bis an die Knie, sind wir unterwegs und fühlen uns einig mit der Kreatur, ja selbst mit dem Regen. Wer vor dem Regen im Urlaub flieht, den verfolgt er; wer sich ihm stellt, dem kann er nichts tun. Und wenn es immer noch und immer wieder regnet, dann bleiben wir zu Hause. Wir spielen zusammen, werden «Millionäre», bauen Häuser und Hotels, gewinnen und verlieren, erleben Triumphe und Pleiten, doch alles auf dem Papier.

Und: Was wäre der Urlaub, wenn es keine Bücher gäbe, Bücher für Klein und Groß, zum Denken und Schmunzeln, zum Ärgern und Wundern? Dass «Papi» seine Zeitungen liest, solche von zu Hause und solche vom Urlaubsort, ja dass er manchmal auf seiner Reiseschreibmaschine klappert, wird von allen respektiert. Und «Mami», man stelle sich vor, näht manchmal mitten im Urlaub ein Kleid. Der Seelenfrieden, wird dadurch nicht gefährdet, sondern bewahrt. Im Urlaub darf man das schaffen, was man gern tut, ohne sonst die Zeit dazu zu haben.

Und am Sonntag gehen wir in die Dorfkirche. Sie liegt einige Kilometer entfernt, doch wir gehen zu Fuß und gönnen dem Auto den Sonntag. Margueriten und Salbei, Schachtelhalm und Ginster winken uns zu, Bachstelzen und Schwalben schießen leichtflüglig an uns vorbei, Bussard und Habicht ziehen hoch oben ihre Bahn, Eiche und Fichte wiegen sich sachte im Sommerwind. Sie sind unsere Begleiter auf dem Weg zum Gottesdienst mitten im Urlaub.

Martin Wischenbarth.


Fragen zum "Vater Unser"

I. Vater unser... geheiligt werde dein Name...

  1. Was hindert mich am Gebet? Habe ich Zeit und Stille zum Beten? Habe ich eine feste Ordnung oder bete ich nur, wenn mir danach zu Mute ist?

  2. Merkt man an meinem Verhalten den anderen gegenüber, dass ich ein betender Mensch bin?

  3. Wie kann ich den Namen Gottes heiligen und verherrlichen im Alltag und Getriebe meines Lebens?

II. dein Reich komme... dein Wille geschehe, wie im Himmel also auch auf Erden...

  1. Ist es mir ernst mit der Bitte: «Dein Reich komme?» Damit bete ich ja: Mein Reich vergehe!

  2. Warum bete ich? Wünsche ich wirklich, dass Gottes Wille geschehe oder ist mein Gebet nur ein Vorwand und Druckmittel, mit dem ich meinen Willen bei Gott durchsetzen will?

  3. Wann frage ich danach, was Gottes Wille ist, was er mit mir vorhat?

III. unser täglich Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie wir vergeben unsern Schuldigern...

  1. Bete ich um täglich Brot oder halte ich mein täglich Brot für einen selbstverständlichen Anspruch?

  2. Welchem Menschen kann ich nicht vergeben? Warum nicht?

  3. Ist es mein ehrliches Bekenntnis, dass ich Vergebung der Sünden erbitte oder halte ich mich für sündlos oder wenigstens für einen Menschen, dessen Sünden nicht schwer wiegen, der seine Sünden durch ein gutes Leben selbst sühnt?

IV. und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Übel (Bösen)...

  1. Wo ist die Stelle in meinem Leben, an der es der Versucher besonders leicht mit mir hat?

  2. Habe ich mich schon daran gewöhnt, hier und da in den Versuchungen zu unterliegen?

  3. Traue ich Jesus zu, dass er auch in meinen Versuchungen der Sieger ist, der mich vom Bösen erlöst und mein Leben von allem Übel befreit und der mich heiligt?

Pfarrer Wolfgang Rehbein


Nachrichten

«Offenes und ökumenisches Abendmahl» in Holland zugelassen.

Mit großer Mehrheit hat die Generalsynode der Niederländischen Reformierten Kirche in Driebergen beschlossen, das «offene und ökumenische Abendmahl» offiziell zuzulassen. Dieser Beschluss ermöglicht nicht nur Mitgliedern anderer Denominationen die Teilnahme an den Abendmahlsfeiern der Niederländischen Reformierten Kirche, sondern auch gemeinsame ökumenische Abendmahlsgottesdienste mit anderen protestantischen Kirchen. Der jetzt gefasste Beschluss der Synode, der aus einem «tiefen Verlangen nach Einheit am Tisch des Herrn» entstand, schließt eine vierjährige Studienperiode ab, in deren Verlauf Möglichkeiten für Formen eines offenen und ökumenischen Abendmahls gesucht wurden.

Mehrheit in Holland für Heirat von Priestern

(Amsterdam) Eine hier veranstaltete Umfrage hat ergeben, dass 81 % der holländischen Bevölkerung dafür sind, Priestern eine Heirat zu gestatten.

12 % waren gegen eine verheiratete Priesterschaft, und 7 % hatten keine Meinung. Das sind die Ergebnisse einer Umfrage, die vom holländischen Institut für Öffentliche Meinung veranstaltet wurde.

Unter den befragten römisch-katholischen Christen sprachen sich 68 % für eine Ehe der Priester aus. Der Prozentsatz anderer Gruppen, die sich für verheiratete Priester aussprachen war: Niederländische Reformierte Kirche, 90 %; andere protestantische Kirchen, 93 %; Religionslose, 86 %.

Die Gründe, die für einen verheirateten Priesterstand angegeben wurden, waren recht vielseitig. Die Gegengründe, die am häufigsten angeführt wurden, waren, dass verheiratete Priester nicht mehr in der Lage seien, ihre ganze Aufmerksamkeit ihrer Arbeit zu widmen, dass römisch-katholische Priester freiwillig auf die Ehe verzichteten, und dass «wir das Zölibat immer hatten. Alles wäre so anders, wenn wir dies jetzt änderten».

Aus der Gemeinde - Für die Gemeinde

Gottesdienstordnung im Monat August

Samstag, den 6. August 1966, für den 9. Sonntag nach Trinitatis

  Eupen

18.00 Uhr

Abendgottesdienst zum Wochenschluss (Pfr. Gründer aus Lüttich)

Sonntag, den 14.August 1966, 10. Sonntag nach Trinitatis

  Eupen

10.00 Uhr

Lesegottesdienst (Presb. Breiholz)

Sonntag, den 21. August 1966, 11. Sonntag nach Trinitatis

  Eupen

08.30 Uhr

Frühgottesdienst
  Neu-Moresnet

10.00 Uhr

Hauptgottesdienst

Sonntag, den 28. August 1966, 12. Sonntag nach Trinitatis

  Eupen

10.00 Uhr

Hauptgottesdienst
Sonntag, den 4. September 1966, 13. Sonntag nach Trinitatis
  Eupen

08.30 Uhr

Frühgottesdienst
  Neu-Moresnet

10.00 Uhr

Hauptgottesdienst

Gottesdienst in Eupen

Wenn die mit den Renovierungsarbeiten beauftragte Firma Wort hält und am 2. 8. mit den Arbeiten in der Kirche beginnt (die Fenster sollten vorher im Atelier fertig gestellt werden), dann finden die Gottesdienste im August im Pfarrhaus statt. Bitte auf Bekanntmachungen im GRENZ-ECHO und in der AACHENER VOLKSZEITUNG achten.

EINZAHLUNGEN

zur Finanzierung der BRÜCKE werden erbeten auf Konto 12271 bei der Banque de Bruxelles. Adresse: Evangelische Kirchegemeinde Eupen - Neu-Moresnet. «DIE BRÜCKE» oder auf Postscheckkonto 836488. Jahresbeitrag: 75 bfr.

Indienhilfe

Aus unserer Gemeinde konnten bisher 5000 fr. zu Gunsten der Hilfe für Indien überwiesen werden. Herzlichen Dank sagen wir denen, die mit ihren Spenden dazu beigetragen haben. Weitere Spenden erbitten wir auf das Konto der Gemeinde bei der Banque de Bruxelles 12271 oder auf Postscheckkonto Nr. 836488. Vermerk: Indienhilfe.

Urlaub des Gemeindepfarrers

  • In der Zeit vom 30.7. - 18.8. werde ich mit meiner Familie in Urlaub sein. In dringenden Fällen (Krankheit oder Sterbefall) stehen folgende Pfarrer zur Vertretung bereit: Pfr. L. Gründer, Lüttich, 75, rue de Joie - Tel. 52.67.17 (Lüttich)

  • Pfr. H. Goetz, Aachen, Alfonsstr. 32 - Tel. 36344 (Aachen)

  • Pfr. M. Koschorke, Aachen, Lütticherstraße - Tel. 39997 (Aachen)

Für Malmedy - St. Vith

In dringenden Fällen bitte das Pfarramt in Monschau verständigen. Sie können sich aber auch an folgende Mitarbeiter wenden, die dann das Nötige veranlassen werden:

  • Küster W. Janssen, Eupen, Hookstr. 36

  • Presbyter G. Gendebien, Eupen, Vervierserstr. (Banque de Bruxelles) - Tel. 52091 oder 52147

  • Presbyter H. Breiholz, Eupen, Hufengasse

  • Presbyter Rolf Lander, Eupen, Kirchstr. - Tel. 52634.

Evangelium in unserer Zeit

Die nächste Sendung ist am Mittwoch, dem 10.8. in der Zeit von 20.20 - 20.50 Uhr (UKW - Kanal 5) - Thema der Sendung:

  • Nicht im Feuer, nicht im Sturm (Biblische Porträts: Elia).

  • Ein Mensch betet - VII ... und vergib uns unsere Schuld.

  • Nachrichten und Kommentare.

Wir gratulieren zum Geburtstag

  • Frau Gerta Peters aus Eupen - LangesthaI (am 27.5., 75 Jahre)

  • Frau Maria von Asten aus Eupen (am. 7.6., 80 Jahre)

  • Herrn Wilhelm Baake aus La Calamine (am 12.7.,72 Jahre)

  • Frau Liesa Järw aus Eupen (am 4.8., 74 Jahre)

  • Frau Wilhelmine Binger aus Eupen (am 17.8., 72 Jahre)

«Danksaget dem Herrn, der uns tüchtig gemacht hat zum Erbteil der Heiligen im Licht». (Kol. 1, 12)

 

Heimgerufen wurden

Emma Luise van de Beeck aus Eupen am 6.6.1966 im Alter von 41 Jahren.
Dorothea von Asten aus Eupen am 13.6.1966 im Alter von 2 Jahren und 8 Monaten

«Herr, womit soll ich mich trösten? Ich hoffe auf Dich». (Psalm 39, 8)

Herausgeber: Evangelische Kirchengemeinde Eupen - Neu-Moresnet. - Redaktion: Pfarrer Wolfgang Rehbein, Eupen, Hookstraße 40. Konten: Banque de Bruxelles Eupen Nr. 12271 - Postscheck: 836488 Evang. Kirchengemeinde Eupen.

 

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Stand: 07. Mai 2010