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3.
Jahrgang
Eupen, Mai/Juni 1960
Nr. 5/6 |
Inhalt:
- Die Hilfe des Geistes: Pfingsten
- Guter Rat für Mischehen
- Die Mitte
-
Streiflichter zum Kirchenjahr, Immer wieder zum Staunen, Das Stundenbuch
des Pfarrers
- Aus der Gemeinde - Für die Gemeinde
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Der Geist hilft unsrer Schwachheit auf. Denn wir wissen nicht, was wir
bitten sollen, wie sich's gebührt; sondern der Geist selbst vertritt uns
aufs beste mit unaussprechlichem Seufzen.
Röm. 8,26
Das Pfingstfest der Kirche tritt obwohl es zu den drei großen christlichen
Festen gehört - in der Beachtung der Öffentlichkeit offenkundig zurück.
Volle Kirchen gibt es zu Weihnachten, am Karfreitag und vielleicht auch
noch zu Ostern. Zu Pfingsten aber finden sich in den meisten Kirchen nur
die sonntäglichen Kirchgänger ein. Selbstverständlich spielt dabei die
Frühlingszeit eine große Rolle, deren leuchtende Pracht die Menschen ins
Freie lockt. Zugleich aber wirken tiefere Gründe mit, die in einem
mangelnden Verständnis für die christliche Pfingstbotschaft zu suchen
sind.
Die christliche Predigt hat es offenbar nicht vermocht, den Sinn dieses
Festes so klar herauszustellen, dass seine Notwendigkeit wenigstens von
den Fragenden und Bereitwilligen empfunden wird. Man hat zuweilen den
Eindruck, als stünde der Prediger gerade an diesem Tage selber in einer
gewissen Verlegenheit und Unsicherheit, als spürte er schmerzlich den
Abstand zwischen dem ersten Pfingstwunder, da der Geist mit feuriger
Gewalt die Gläubigen überfiel, und dem heutigen Zustand der Kirche.
In dieser Lage kann es hilfreich sein, sich auf ein Apostelwort zu
besinnen, in dem der heilige Geist nicht mit flammender Begeisterung oder
unwiderstehlicher Kraft, sondern umgekehrt mit menschlicher Schwachheit In
Verbindung gebracht wird. "Der Geist hilft unsere Schwachheit auf". Das
klingt, als wäre es nicht für die strahlende Frühzeit des Christentums
sondern für eine müde Spätzeit geschrieben. Da ist es schon wichtig sich
vor Augen zu halten, dass dieses Wort nicht von uns, sondern von dem
Geistmächtigsten aller Apostel stammt. Vielleicht tun wir gar nicht recht
daran, uns allzu sehr von den ersten Gemeinden zu distanzieren. Sicherlich
gibt es hier Unterschiede, die wir respektieren sollen. Wir dürfen aber
darüber nicht vergessen, dass auch sie in menschlicher Schwachheit ihren
christlichen Glauben bezeugten. Wir haben jedenfalls kein Recht, sie als
eine christliche Elite, als Ausnahmemenschen zu betrachten und damit der
Wirkung ihrer Worte auf uns, die wir keine Elite, keine Helden und
Heiligen sind, die Spitze abbrechen.
Der Geist hilft unsrer Schwachheit auf. Woran auch immer der Apostel
Paulus bei diesem Satz gedacht haben mag, auf jeden Fall trifft das Wort
"Schwachheit" den Zustand der heutigen Christenheit. Von ihrer Ohnmacht
wird heute lauter gesprochen als gestern. Es macht den Eindruck, als bahne
sich nach einer Zeit, in der das christliche Wort an Geltung zu gewinnen
schien, eine neue Enttäuschung an der Kirche an. Von vielen Seiten
wird dem Christentum seine mangelnde Kraft, seine "Funktionslosigkeit in
der Mitte des modernen Lebens" bescheinigt. Die Christen sollten sich
dagegen zur Wehr setzen, indem sie Recht und Wahrheit dieser Kritik
bestreiten. Wenn Paulus, der Mann der kraftvollen, unermüdlichen Arbeit,
von Schwachheit redet, dann dürfen wir unsere Schwachheit getrost
eingestehen. Wenn der große Beter, der so inbrünstig für seine Gemeinden
zu beten weiss den Satz ausspricht:
"Wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich's gebührt," dann
brauchen wir uns nicht zu schämen, die Dürftigkeit unseres Gebetes
zuzugeben. Nein, wir wissen nicht, was wir beten sollen. Wir spüren die
Mattigkeit unserer eigenen Gebetsworte so tief, dass wir im Gottesdienst
lieber nach den Gebeten anderer Zeiten greifen, die uns eher Kraft und
Gehalt zu haben scheinen als unsere eigenen Gebete.
Wir könnten noch hinzusetzen: wir wissen nicht, wie wir predigen sollen.
Unsere Sprache scheint den Menschen unserer Zeit nicht mehr zu treffen.
Sie hat den echten Bezug zu seiner Wirklichkeit verloren. Wir wissen auch
nicht, was wir tun sollen. Wir fühlen, dass das Werk der Liebe heute weit
hinausgehen müsste über den persönlichen Bereich und sind doch sehr
unsicher, welche Schritte wir in der Sozialarbeit und im politischen
Bereich wagen müssten. Wir spüren unsere Schwachheit an allen Ecken und
Enden. Das soll uns gewiss beunruhigen, aber doch nicht mutlos machen.
Denn Schwachheit ist nicht einfach menschliche Schuld. Sicherlich ist an
ihr auch unser Wille beteiligt; aber sie ist doch zugleich durch vieles
mitbestimmt, was wir als Gottes Willen nehmen und tragen müssen. Gott hat
uns nicht in eine fertige und vollkommene Welt hineingestellt, sondern in
eine Welt des Werdens und der Veränderung. Auch sein richtendes und
rettendes Wort ist eingegangen in die menschliche Geschichte und steht in
Beziehung zu den Entwicklungen des Geisteslebens und zu den Wandlungen der
menschlichen Gesellschaft. Mit an dem aber ist notwendig die Schwachheit
gegeben, die Relativität, die Unfertigkeit, der Zwiespalt zwischen Weg und
Ziel.
Das Pfingstfest sagt uns, dass wir auch darin nicht allein auf uns selber
angewiesen sind. Der Geist hilft unsrer Schwachheit auf. Die echte Wirkung
des Wortes hat ein eigenes Geheimnis: das Geheimnis des Geistes. Es hilft
nicht immer so, dass seine Kraft. vor aller Augen sichtbar wird. Er wirkt
nicht immer Erweckungsbewegungen und neuen christlichen Elan. Aber er
wirkt in der Tiefe. Auch dann, wenn wir nichts von ihm zu spüren
vermeinen, dürfen wir glauben an seine verborgene Hilfe.
Auf diese Hilfe aber ist die Kirche zu allen Zeiten angewiesen. Niemals
steht der Geist als wirkende Kraft einfach zu ihrer Verfügung. Was sie
betet, tut und verkündigt, dass ist zu keiner Zeit an sich schon heilsam
und gut. Das wird erst gut dadurch, dass Gott es gut macht, dass er seinen
Geist dazu gibt. "Wo der Herr nicht das Haus bauet, da bauen umsonst, die
daran bauen" - das gilt auch für die großen Zeiten der Kirche.
Auch in ihren müden Zeiten darf sich die Kirche an diese Verheißung des
Geistes halten. Wir mögen wirklich zu schwach sein, um eine befeuernde und
beseligende Erfahrung des Geistes zu haben. Dennoch dürfen wir darauf
vertrauen, dass auch heute der Geist nicht fern von uns ist. Er "vertritt
uns aufs beste mit unaussprechlichem Seufzen". Die Unruhe unserer Herzen,
das Seufzen über unsere Schwachheit, die Sehnsucht nach dem rechten Wort
und das Ringen um die rechte Tat, das darf von uns als Zeichen dafür
verstanden werden, dass der Geist in der Tiefe unserer Seele arbeitet.
Walter Dittmann. |
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Wir bringen nachfolgend den Abdruck einer Schrift von Pfarrer Fritz
Schindelin, von der wir meinen, dass sie vielen unserer Gemeindeglieder
eine wirkliche Hilfe zu sein vermag. Wir beginnen heute mit dem Abdruck
und werden ihn in den nächsten Ausgaben fortsetzen. Pfarrer Schindelin ist
uns ja durch seine Woche der Volksmission in Eupen wohlbekannt.
Wenn jemand, der in Mischehe lebt, daraufhin angesprochen wird, nimmt er
sofort eine Abwehrstellung ein. Bewusst oder unbewusst glaubt er, ein
wertvolles Gut sei bedroht: der Frieden seiner Ehe. Und er hat ganz recht,
wenn er darum kämpft. Der
Friede in der Ehe
darf nicht durch einen Dritten
gestört werden, auch nicht wegen Glaubensverschiedenheiten. Nicht nur vor
Menschen, nein, auch vor Gott wäre es ein Unrecht, in eine Ehe, welcherart
sie auch sei, Unfrieden zu tragen. Das ist jedenfalls evangelische
Überzeugung und sollte eigentlich die Haltung jedes Christen sein. Auch
wenn ein
Wort der Kirche
zur Mischehe gesprochen wird. Die Empfindlichkeit der Mischehenpartner hat
auch hier einen Grund. Sie wissen, dass beide Kirchen vom Eingehen einer
Mischehe abraten. Die deutschen katholischen Bischöfe haben sie noch
kürzlich in einem Hirtenbrief ein "furchtbares Unglück" genannt. Die
evangelische Kirche der Rheinlande, in deren Bereich besonders viele
Mischehen geschlossen werden, hat sich ebenfalls geäußert. Sie hat auf die
mancherlei Schwierigkeiten hingewiesen, die erfahrungsgemäß in vielen
Mischehen später entstehen, ohne dass die jungen Leute bei ihrer Heirat
daran gedacht haben. Der Unterschied in Ton und Inhalt beider
Verlautbarungen ist freilich beträchtlich.
Die evangelische Kirche ruft ihren Mitgliedern zu:
Haltet Eurer Kirche die Treue.
Lasst Euch von niemand zur katholischen Trauung überreden. Gebt nicht um
eines falschen Friedens willen Versprechungen, die Euch zeitlebens
belasten.
Wenn so im Raum der evangelischen
Kirche je und dann direkt vor Mischehen gewarnt wird, so geschieht das
darum, weil wir immer wieder von evangelischen Mischehepartnern, und zwar
auch von solchen, deren Ehe menschlich geredet sonst in Ordnung ist, zu
hören bekommen: "Wenn ich es noch einmal zu tun hätte, ich täte es nicht
wieder." Deutlicher Kann auch ein Außenstehender es nicht sagen:
Es gibt in den Mischehen
Schwierigkeiten durch die
Glaubensverschiedenheit.
Das also sagt die evangelische Kirche zu ihren Gliedern. Aber sie nimmt
sich nicht das Recht zu urteilen, das Eingehen einer Mischehe könne Gott
nicht gefallen und er werde sie nicht segnen. Das sei deutlich
herausgestellt. Und ebenso noch einmal das andere: Wenn wir im folgenden
die Gatten in Mischehen ansprechen, wollen wir nicht den Frieden in ihrer
Ehe stören.
Wir wollen nicht wehtun, Wir
wollen helfen.
Der Hilfe freilich bedarf es. In
manchen, vielleicht gar nicht wenigen Mischehen, ist eine heimliche Not,
an die keiner von beiden rührt. Nicht selten wird sie freilich - wir
hörten es schon - offen ausgesprochen. Die Not ist da, auch in Fällen, wo
die Ehegatten sich sonst gut verstehen, gar nicht zu reden von den Ehen,
wo die Glaubensverschiedenheit auf die Dauer die Ursache von Zank und
Streit, ja sogar dauernder innerer Entfremdung geworden ist. Selbst da, wo
man behauptet, keinerlei Not zu spüren, wird der gläubige Christ urteilen
müssen, dass auch dann eine sehr große Not da ist. Vielleicht ist sie hier
am größten. Sie wird nur noch nicht erkannt. Nein, Not ist immer vorhanden
und von mancherlei Art. Dürfen wir einmal ganz offen von der
Not der Mischehe
reden? Nehmen wir den besten Fall,
beide Ehepartner sind lebendige Glieder ihrer Kirche und wollen mit Ernst
Christen sein. Gerade dann werden sie auf die Dauer die
Glaubensverschiedenheit schmerzlich empfinden. Am Sonntagmorgen geht der
eine den, der andere jenen Weg zum Gottesdienst. Die tiefe innere
Verbindung, die das gemeinsame Erlebnis des Glaubens zwischen Ehegatten
schafft, der Händedruck, der dann oft mehr sagt als Worte vermögen, das
Sichaussprechen über das Gehörte, Gefühlte, Gedachte findet nicht statt.
Das wirkt sich dann weiter aus.
Das Befolgen einer von Gott kommenden Weisung wird nicht mit vereinten
Kräften in Angriff genommen. Die Auseinandersetzungen, die wohl in jeder
Ehe manche Wunden schlagen, werden nicht so leicht von beiden gemeinsam im
Lichte Gottes als Unrecht erkannt und nicht nach seinem Willen durch Bitte
um Vergebung bereinigt. Gerade dies Geschehen führt in anderen Ehen oft zu
neuer tieferer Verbundenheit.
Weiter, in jeder Ehe kommt auch das Leid. Aber der Schmerz um geliebte
Menschen kann hier nicht gemeinsam vor Gott gebracht werden. Man kann die
alltäglichen Sorgen nicht miteinander auf den werfen, der für uns sorgen
will. Und auch gerade hier müsste sich die Tragkraft der Ehe doch
besonders bewähren.
Oft wird das Fehlen der Glaubensgemeinschaft erst dann bewusst, wenn man
älter wird. Andere Dinge, die in der Jugend beiden wichtig waren und sie
zusammenführten, treten zurück. Es entsteht eine Lücke. In mancher anderen
Ehe wird sie vom Glauben her ausgefüllt. Das geschieht hier nicht.
Und die Kinder?
Hier entstehen neue
Schwierigkeiten. Einer der Gatten hat ja schon bei der Trauung darauf
verzichten müssen, dass die Kinder in seiner Konfession erzogen werden.
Wenn sonst Eltern gemeinsam mit jüngeren Kindern beim Zubettbringen beten,
- in manchem Haus einer der beglückendsten Augenblicke des Familienlebens
- ist hier dem einen Gatten alles fremd, die Gebete, die gesprochen, die
Lieder, die gesungen, die Geschichten, die erzählt werden, oder auch die
Art, wie sie erzählt werden. Selbst beim Ermahnen und Zurredestellen der
Kinder wird sich manche Verschiedenheit der Glaubenshaltung zeigen.
Vor allem aber werden die Kinder selbst auf diese aufmerksam: Warum geht
der Vater (oder die Mutter) nicht mit uns in die gleiche Kirche? Warum
schlägt er beim Beten das Kreuz (oder eben nicht?). Was hat er für andere
(religiöse) Bilder? Fragen, die zu beantworten dem anderen Elternteil oft
peinlich sind.
Wenn dann noch Dritte sich einmischen und hässlich über die andere
Konfession reden, kann ein kaum gutzumachender Schaden für das Kinderherz
und für das Vertrauensverhältnis zum anderen Elternteil entstehen.
Bei der Taufe, später bei der Erstkommunion oder der Konfirmation ist die
Lage besonders schmerzlich. Einer der Gatten ist immer ein Fremdling.
Vielleicht bleibt er fern, um das nicht zu sehr zu empfinden. Das tut nun
wieder dem Kind oder dem anderen Elternteil weh. Es ist schon so, in der
Kindererziehung wird die Not der Mischehe besonders deutlich. (Fortsetzung
folgt.)
(mit freundlicher Genehmigung des Schriftenmissionsverlages Gladbeck) |
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Am Portal der Kirche befand sich ein Schild: Von 9-12 Uhr zu stiller
Andacht geöffnet - bei verschlossener Tür im gegenüberliegenden Haus bei
Weidemann klingeln.
Seit die vielen Omnibusse auf dem nahen Marktplatz hielten, und die
Insassen die Stadt mit ihren Sehenswürdigkeiten besichtigten, kam es öfter
vor, dass die Klingel betätigt wurde. Dann erschien der alte Weidemann,
eine Hand auf den Stock gestützt, in der anderen den alten großen
Kirchenschlüssel haltend. Bedächtig ging er über die breite Strasse und
öffnete die Tür zum Gotteshaus. Trat als erster ein, nahm den Hut vom
weißen Haupt, legte ihn auf die letzte Kirchenbank neben die dort
bereitliegenden Gesangbücher, griff dann nach diesen und gab jedem
Besucher eins in die Hand.
"Bitte setzen Sie sich in die ersten Bänke", sagte er dabei. Die
Eintretenden schauten in diesem, von den farbigen Kirchenfenstern
lichtgedämpften, stillen Raum nach links und rechts, dann nach oben,
zuletzt nach vorn. Ihre Augen suchten nach besonderen Sehenswürdigkeiten
dieses Hauses. Als letzter kam der alte, Weidemann nach vorn.
"Sie befinden sich in einem Gotteshaus, nicht in einem Museum. Ich denke,
Sie sind hierher gekommen, um Gott, den Allmächtigen, zu loben und zu
preisen. Erwarten Sie daher nicht von mir, dass ich Ihnen einen Vortrag
halte wie in einem Museum. Sondern lassen Sie uns zuerst einmal singen.
Bitte schlagen sie Ihr Gesangbuch auf." Er nannte eine Nummer. Dann begann
er zu singen. Die Menschen sahen sich zunächst verwundert an, wohl
erstaunt über die Art, andere wohl auch von der kräftigen Stimme des alten
Mannes überrascht, einige fielen jedoch mit in den Gesang ein. Beim
zweiten Vers waren es schon mehr. Als das Lied zu Ende, sagte er: "Wir
wollen beten."
Sein Gebet war kurz, einfältig. Aber alle spürten dabei, die Worte kamen
aus seinem Herzen.
"Schauen Sie nun bitte nach vorn."
Die Besucher erkannten, dass der Altar einen modernen Aufsatz hatte. Eine
große Holzplastik. In der Mitte sah man den Herrn. In der linken Hand trug
er ein großes Kreuz, die Rechte war erhoben, darunter, vor ihm, standen
und knieten Männer und Frauen, Junge und Alte. Er schaute zu ihnen herab,
sie auf ihn.
"Entschuldigen Sie bitte die Einfachheit meiner Rede", sagte der alte
Weidemann, "ich habe es nicht gelernt, große Worte zu machen. Die längste
Zeit meines Lebens war ich Drechslermeister. Ich war ein harter Mann, so
hart wie das Holz, das ich bearbeitete. Ich dachte immer an mich. In
meinem Haus ging alles nach meinem Kommando. Ich habe nicht nur
gearbeitet, ich habe das Leben auf meine Art genossen. Vieles von dem, das
ich verdiente, ist wieder durch meine Kehle geronnen. Alles ging in meinem
Leben nach Wunsch, bis mein einziger Sohn die Kinderlähmung bekam. Ich
hatte geglaubt, dass er einmal meinen Betrieb übernehmen könnte. Es kam
anders. Wir mussten ihn in eine Anstalt geben, in dieser Stadt, in der sie
sich jetzt befinden. Man sagte uns, hier könne man vielleicht seinen
Zustand bessern. Ich lebte mein Leben weiter.
Schauen sie jetzt einmal auf die linke Seite der Plastik. Dort steht
einer, der sieht nicht nach oben, der hat dem Herrn den Rücken zugekehrt,
er blickt nach außen. Sehen Sie, das war ich - oder ist es jemand von
Ihnen? Ich habe mein Leben ohne diese Mitte gelebt, bis ich hierher kam.
Bis ich alles verlor, was mir wichtig war. Ich saß im Wirtshaus, als mein
Anwesen abbrannte, bis auf die Grundmauern. Samt meiner Frau, die man
nicht mehr aus den Flammen retten konnte. Es brach für mich ,alles
zusammen. Was nun? Dann kam ein Brief meines Sohnes aus dieser Stadt; er
rief mich nach hier. Es blieb mir nichts anderes übrig.
Ich kann Ihnen nicht sagen, wie viele Stunden ich vor diesem Altar
gesessen habe, ich gebrochener, alt gewordener Drechslermeister. Bis der
da in der Mitte auch die Mitte meines Lebens wurde. Bis ich erkannte,
dieser eine hat auch deine Schuld getragen an das Kreuz. Bei diesem ist
allein Vergebung und Hilfe. Er lebt! Und durch meinen Geist leben die, die
da unter ihm zu sehen sind, seine Gemeinde. Jetzt bin ich einer von ihnen.
Und Sie, meine Zuhörer, wo finden Sie sich auf dieser Holzplastik?"
Als er einen Augenblick schwieg, fragte jemand: "Und wer hat diese Plastik
geschaffen?"
"Das ist eigentlich unwichtig", fuhr der alte Weidemann fort, "aber da Sie
mich gefragt haben, muss ich es Ihnen sagen: Der Krüppel - mein Sohn! Er
hat mit diesem Werk seinem Vater auf den rechten Weg geholfen. Und ich
sehe nun die mir verbliebene Aufgabe meines Lebens darin, es
weiterzusagen, so wie es seit Pfingsten die Jünger getan haben. Damit die
Menschen zum Glauben an den Herrn kommen durch das Wort des Bruders. Sie
sollen wissen: um in dieser Welt zu leben, muss man die Mitte immer wieder
suchen. Sie sollen das Wort hören, dass ER uns frei macht von allen
Sünden."
Joachim Ulrich.
Martin Luther
Das ist nun der Artikel, der da immerdar in Kraft sein und bleiben muss.
Denn die Schöpfung haben wir nun hinweg, ebenso ist die Erlösung noch
ausgerichtet. Aber der heilige Geist treibt sein Werk ohn Unterlass bis
auf den jüngsten Tag, dazu er verordnet eine Gemeinde auf Erden, dadurch
er alles redet und tut. Denn er hat seine Christenheit noch nicht alle
zusammengebracht noch die Vergebung ausgeteilet. Darum glauben wir an den,
der uns täglich herzuholet durch das Wort und den Glauben gibt, mehret und
stärkt durch dasselbige Wort und Vergebung der Sünden, auf dass er uns,
wenn das alles ausgerichtet und wir dabeibleiben, der Welt und allem
Unglück absterben, endlich ganz und ewig heilig mache, welches wir jetzt
durchs Wort im Glauben erwarten. (Großer Katechismus) |
Streiflichter zum Kirchenjahr - Pfingsten
Die Bezeichnung "Pfingsten" hat keine besondere geistliche Bedeutung. Es
handelt sich um eine einfache Zahlenangabe. Das griechische Wort
Pentekosté, aus dem unser "Pfingsten" entstanden ist, bedeutet nichts
weiter als der "Fünfzigste" - nämlich der 50. Tag (also sieben Wochen)
nach Ostern. In der alten griechischen Kirche bezeichnete man gelegentlich
mit dem Worte Pentekosté die gesamte 50tägige Freudenzeit des
Kirchenjahres, die mit Ostern begann und mit dem Feste der Ausgießung des
Heiligen Geistes abschloss. Im Englischen heißt das Pfingstfest "Whitsunday"
(Weißsonntag), was auf die Sitte hinweist, weiße, also festliche Gewänder
zu tragen. Die liturgische Farbe des Pfingstfestes ist nicht Weiss,
sondern Rot, die Farbe des Geistes, des Feuers, der Liebe.
Im Mittelalter kamen eine Menge volkstümlicher Bräuche auf, um das Thema
des Festes, das sich zunächst der Anschaulichkeit zu entziehen scheint,
bildhaft näher zu bringen. Symbol des Heiligen Geistes ist die Taube. So
hat man zum Pfingstgottesdienst eine hölzerne weiße Taube vom Gewölbe
herabgelassen. Noch aus protestantischen Zeiten ist überliefert, dass der
Küster während der Pfingstpredigt an einer bestimmten Stelle eine weiße
Taube ins Kirchenschiff fliegen ließ. Ob dieses Unternehmen zum tieferen
geistlichen Verständnis des Pfingstwunders beigetragen hat, darf
bezweifelt werden. Aus einer Thüringer Dorfkirche wird jedenfalls
berichtet, dass der Küster einmal in peinlicher Verlegenheit während der
Pfingstpredigt gerufen habe: "Herr Pastor! Den heiligen Geist hat der Ratz
gefressen!"
Auch andere Symbole des Geistes hat man bildlich dargestellt. Man ließ
feurige Kugeln fliegen oder rote Rosenblätter fallen. In Sizilien hat das
Pfingstfest geradezu den Namen. "Rosenpassat" (Pascharosatum) bekommen.
Ohne erkennbare Beziehungen zu den geistlichen Inhalt des Pfingstfestes
ist der seit dem Mittelalter übliche, heute allgemeine Brauch, den
Pfingstaltar mit grünen Birkenreisern (Maien) zu schmücken. Das
evangelische Pfingstlied von Benjamin Schmolck "Schmückt das Fest mit
Maien" (EKG. 107) schließt sich an Psalm 118, 27 an. Es kann sein, dass
der Brauch des jüdischen Pfingstfestes, das sieben Wochen nach dem Passah
als Erntefest mit allerhand Pflanzenschmuck begangen wurde, hier
nachgewirkt hat. Doch ist es wahrscheinlicher, dass in den Pfingstmaien
alte Frühlingsbräuche aus germanischer Zeit übernommen wurden.
Immer wieder zum Staunen
5400 Kinder
In jeder Stunde des Tages werden im Durchschnitt 5400 Kinder geboren. Das
wäre ein Thema für ein Rundgespräch, für die Bibelstunde und natürlich
auch für eine Akademie. Denn die Zahl 5400 hat für die Kirche und ihren
Dienst keine geringe Bedeutung: 5400 in jeder Stunde - wie viele von ihnen
wird man zur hl. Taufe bringen bei uns und in Asien und Afrika? Werden
nicht über zwei Drittel dieser 5400 die Zahl der Nichtchristen erhöhen?
Und das Tag um Tag - welche Millionenmassen bleiben unerreicht vom Gruße
Gottes? Ist die Tatsache, dass die Kirche wächst und im Verhältnis zu den
Ungetauften doch immer kleiner wird, unabwendbar? Sind wir daran ohne
Schuld?
Die Bibelgesellschaften der Welt sagen sich: Wenn die Weltbevölkerung so
stark wächst, dann muss auch die Herstellung und der Verkauf von Bibeln
ansteigen. Aber wer hilft ihnen?
Das Neue in der Welt
Zu einem alten Rabbiner kamen viele Leute, weil er weise war und guten Rat
gab. Da kam auch ein Mann, der über das viele Neue in der Welt
halbverzweifelt war: Was, das soll ein Fortschritt sein? Er sah nur
Schäden, er betonte die Plagen, alles sei Ballast, wenn es einem Menschen
noch um die wirklichen Werte des Lebens ginge.
Der Rabbi war anderer Meinung: "Alles vermag uns zu lehren; nicht nur
alles das, was Gott erschaffen hat, sondern auch alles, was Menschen
gemacht haben, vermag uns zu lehren."
"So?! Was kann man denn z. B. von der Eisenbahn lernen?" Antwort des
Weisen: "Dass man um eines Augenblickes willen alles versäumen kann."
"Und vom Telegraphen?" Antwort: "Dass jedes Wort gezählt und angerechnet
wird!"
"Und vom Telefon?" Antwort: "Dass man dort hört, was wir hier reden."
Der aufgeregte Mann verstand die Lektion. Wer das als Christ liest, der
wird es auch verstehen und sich auch die technischen Dinge zur
Gottseligkeit nütze sein lassen.
Das Menschenherz
Das Menschenherz bessert sich nicht, solange es sich selbst überlassen
bleibt. Im Gegenteil. Das Herz ist einem Garten ähnlich. Wenn man den
unbearbeitet lässt, vermehrt sich das Unkraut täglich darin und sein
Zustand wird täglich schlimmer" (Spurgeon). A. L.
Das Stundenbuch des Pfarrers
"Wenn der Pfarrer einmal etwas tut läutet man gleich mit allen Glocken" -
hat vor über 100 Jahren der Dichter Eduard Mörike einmal humorvoll
geäußert. Dass diese Auffassung auch heute noch weit verbreitet ist,
musste kürzlich der Seelsorger einer Stuttgarter Vorortgemeinde erfahren.
Als er einen Schüler fragte, welchen Beruf er erlernen wollte, erhielt er
die ebenso kurze wie bündige Antwort: "Sonntags Lehrer und Werktags
Pfarrer."
Die Tatsachen sehen freilich anders aus. Auf Grund der Aufzeichnungen in
seinem Amtskalender hat jener Pfarrer für das abgelaufene Jahr 1958
folgende Zahlen errechnet: 70 Sonntagsgottesdienste, 80 Bibelstunden, 68
Tauf-, Trau- und Grabreden, 160 Stunden Religionsunterricht, 80
Konfirmandenunterricht, 80 Schüler- und Jugendgottesdienste, 45
Vorbereitungsstunden für den Kindergottesdienst, allmonatlich mindestens
je einen Vortrag oder eine Bibelauslegung im Männerkreis, Frauenkreis,
Jugendkreis und bei den Frauen des Gemeindedienstes, sowie insgesamt über
700 Hausbesuche im Jahr.
Der Zeitaufwand für die Vorbereitung einer Sonntagspredigt beträgt
durchschnittlich 10 Stunden, für einen Hausbesuch einschließlich der
zurückgelegten Wegstrecke eine Stunde. Das ergibt zusammen schon mehr als
2000 Stunden. Dabei ist der Zeitaufwand für die Vorbereitung des
Unterrichts und der Bibelstunden ebenso wenig berücksichtigt wie die
Stunden, die von Dienstbesprechungen, Sitzungen, Verwaltungsarbeiten und
seelsorglichen Gesprächen im Amtszimmer beansprucht werden. Obwohl der
Verfasser der Aufstellung betont, dass sein Bericht weder als eine
Entschuldigung noch als ein Berechtigungsnachweis aufgefasst werden darf,
ist festzustellen, dass ein Pfarrer das Jahresstundensoll eines
Arbeitnehmers, das bei Berücksichtigung der 45-Stunden-Woche und 14 Tage
Urlaub im Jahr bei 2250 Stunden liegt, beträchtlich überschritten.
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Gottesdienstordnung.
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Sonntag, den 5. Juni 1960, Pfingstfest |
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Eupen |
10.00 Uhr |
Abendmahlshauptgottesdienst |
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11.15 Uhr |
Kindergottesdienst |
| Neu-Moresnet |
14.30 Uhr |
Hauptgottesdienst |
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Sonntag,
den 12. Juni 1960, Trinitatis |
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Eupen |
10.00 Uhr |
Hauptgottesdienst |
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Sonntag,
den 19. Juni 1960, 1. Sonntag nach Trinitatis |
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Eupen |
10.00 Uhr |
Hauptgottesdienst |
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11.00 Uhr |
Kindergottesdienst |
| Neu-Moresnet |
14.30 Uhr |
Hauptgottesdienst |
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Sonntag,
den 26. Juni 1960, 2. Sonntag nach Trinitatis |
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Eupen |
10.00 Uhr |
Hauptgottesdienst |
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Samstag,
den 3. Juli 1960, 3. Sonntag nach Trinitatis |
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Gemeindeausflug |
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Sonntag,
den 10. Juli 1960, 4. Sonntag nach Trinitatis |
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Eupen |
10.00 Uhr |
Hauptgottesdienst |
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11.00 Uhr |
Kindergottesdienst |
| Neu-Moresnet |
14.30 Uhr |
Hauptgottesdienst |
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Sonntag,
den 17. Juli 1960, 5. Sonntag nach Trinitatis |
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Eupen |
10.00 Uhr |
Hauptgottesdienst |
| Neu-Moresnet |
14.30 Uhr |
Hauptgottesdienst |
... und Gott?
Neun Tage lang wurde die Frage gestellt. Sie rief von den gelben Plakaten
herab, die überall in der Stadt hingen, die Glocken ließen sie Abend für
Abend über den Dächern erklingen, in jedem Vortrag wurde sie neu
aufgeworfen: Du bist Glied der evangelischen Kirche, du bist jung, du bist
verheiratet, du hast Sorgen, du fragst nach dem Sinn des Lebens, du musst
sterben... und was ist mit Gott? Hast du ihn bei dir in deinem Leben,
berät dich sein Wort in den Fragen des Alltags, löst du mit ihm deine
Eheprobleme, gibt er deinem Leben einen Sinn, erwartest du etwas von ihm
im Leben und im Sterben?
Und jeder Vortrag gab die Antwort:
Gott ist da, er will dir helfen, dir den Weg zeigen, dir Trost geben, dir
raten! Gott ist da in dem lebendigen Jesus Christus, ist da in seinem
Wort, ist da in der Kirche, im seelsorgerlichen Gespräch, antwortet dem
Beter, hilft dem Geängsteten. GOTT IST WIRKLICHKEIT!
Und es war für unsere kleine Gemeinde eine stattliche Zahl die sich Abend
für Abend versammelte. Freilich viele kamen nicht, viele hörten die Frage
nicht oder wollten sie nicht hören. Die aber, die kamen erhielten Antwort.
Pfarrer Schindelein gab die Antwort in klarer und eindringlicher Weise.
Hier wurde zur Sache gesprochen, nicht drumherum geredet. Alle, die dabei
waren, waren sich einig: Wir haben neun Abende lang aufmerksam zugehört
und etwas für uns mit nach Hause genommen. Wir haben auch erfahren, dass
Christsein Verantwortung in sich birgt: Verantwortung für den Nächsten,
für die Gemeinde, für die Welt. Wir wissen nun auch, dass es so nicht mehr
weitergehen kann in unserer Gemeinde. Wir wollen etwas tun!
So kamen die Frauen und die Männer
zusammen, so versammelte sich eine große Gemeinde zum
Abendmahlsgottesdienst, so ging einmal eine Bewegung durch die Gemeinde -
ist sie schon verebbt? Jeder der dabei war soll sich fragen - was
nun? Der Arbeitstag des Pfarrers ist derselbe geblieben, die Anzahl der
Unterrichtsstunden hat sich nicht vermindert. Für jeden Sonntag muss die
Predigt vorbereitet werden. Regelmäßig sind die Gottesdienste. Die
Verwaltungsarbeit muss geschafft werden. Also müssen alle die heran, die
dabei waren. Sie sollen weitergeben, was sie gehört haben, sie sollen
rufen und vor allem: sie sollen selbst dabei sein beim Gottesdienst, beim
Frauen- und beim Männerarbeitskreis! Dann geht die Bewegung weiter! Wir
haben alle unsere Kinder an zwei Nachmittagen in der Kirche gehabt, sie
kamen Samstagvormittag zum Schulgottesdienst. Sie haben einmal unsere
Kirche ganz anders gesehen. Sie sprechen heute noch davon. Über fünfzig
Jungen und Mädchen waren beieinander. Wann gab es das einmal in letzter
Zelt In unserer Gemeinde? Es war eine gute Woche, eine reiche Woche, ein
Gewinn für unsere Gemeinde! Wir haben zu danken: Gott, dem Herrn, der sie
uns geschenkt hat. All denen, die sich bemüht haben, Menschen zu rufen und
herbeizuführen, dem, der klar und eindrücklich sprach zu all den Themen,
die gestellt waren.
Aller Dank aber, der nicht in der Tat seinen Ausdruck findet, bleibt
Lippenbekenntnis, darum lasst uns vorangehen zum Dienst in der Gemeinde
für Christus!
Vom Dienst der Frauen
Während der Missionswoche zeigte sich am Mittwochnachmittag, dass auch
viele unserer Frauen wissen, dass der lebendige Christ sich verantwortlich
weiss für den Dienst in der Gemeinde. Es ist ein Vorrecht der Frauen, dass
Gott ihnen besonders die Gabe des Bewahrens und der Fürsorge für andere
gegeben hat. Diese Gabe nun auch in der Gemeinde zur Geltung zu bringen,
soll unsere Bemühung in Zukunft sein. Wir haben bereits den Frauenverein,
der sich das ganze Jahr unermüdlich müht, Kindern und alten Leuten unserer
Gemeinde eine Weihnachtsfreude zu bereiten. Es gibt aber daneben noch
viele andere Aufgaben: da sind Kranke, denen einmal beigestanden werden,
dort müssen einmal Kinder versorgt werden, hier alten Leuten in
schwieriger Lage beigesprungen werden. Dazu brauchen wir Frauen, die zum
Dienst bereit sind. Wir streben an, einen Helferinnenkreis zu gründen, der
sich dieser Aufgaben annehmen soll. Dazu laden wir sehr herzlich ein.
Gottes Wort soll uns Grund und Kraftquelle für diese Arbeit sein. Unsere
erste Zusammenkunft findet statt am Donnerstag, dem 16. Juni um 20 Uhr im
Pfarrhaus.
Mögen viele diesen Ruf vernehmen und kommen!
Männer als Mitarbeiter
Am Samstagnachmittag der Missionswoche hatten wir die Männer eingeladen.
Die Freude war groß, als sich eine stattliche Anzahl im Pfarrhause
einfand. Es entwickelte sich sehr bald ein lebhaftes Gespräch über
vielerlei Fragen unserer Gemeinde. und es stellte sich heraus, dass
mancher sich schon viel Gedanken über die Mitarbeit in der Gemeinde
gemacht hatte.
Das Ergebnis war, dass beschlossen wurde, einmal monatlich
zusammenzukommen, um die Fragen unseres Glaubens zu besprechen, intensiver
in die Bibel einzudringen und die Aufgabe der Mitarbeit, die jedem
Christen gestellt ist, miteinander zu bedenken.
Die erste Zusammenkunft ist am Dienstag nach Pfingsten, den 7. Juni um 20
Uhr im Pfarrhaus. Zum Obmann der Männerarbeit wurde Herr Heinz Kemper
gewählt, der dieses Amt angenommen hat.
Wir laden alle Männer unserer Gemeinde sehr herzlich ein, an diesen
Abenden mit uns zusammenzukommen, damit unsere Gemeinde auferbaut werde
zur Ehre unseres Herrn Jesus Christus.
Gemeindeausflug 1960
Auch in diesem Jahr soll wieder kurz nach dem Sommeranfang unser
Gemeindeausflug stattfinden. Wir haben für dieses Jahr Sonntag, den 3.
Juli ausgewählt. Nachdem wir im vorigen Jahr in die Ardennen gefahren
sind, machen wir den Vorschlag, dieses Jahr ins Bergische Land hinter Köln
zu fahren. Auf dieser Fahrt in eine schöne Landschaft werden wir den
bekannten Altenberger Dom, der von evangelischen und katholischen Christen
benutzt wird, besuchen, uns in dem in der Nähe liegenden Märchenwald
ergehen und zum Schluss einen kurzen Stadtbummel in Köln unternehmen. Ein
detailliertes Fahrtprogramm wird dann aufgestellt werden, wenn unser
Vorschlag zustimmend aufgenommen wird.
Der Start zu diesem Ausflug würde am 3. Juli morgens 7.45 Uhr erfolgen,
die Rückkehr gegen 22 Uhr.
Der Fahrpreis beträgt 130 frs.
Wir rufen insbesondere auch die Jugend zur Teilnahme an dieser Fahrt auf,
für welche ein Sonderpreis von 105 frs. festgesetzt wird, falls mindestens
50 Personen an der Fahrt teilnehmen.
Die Anmeldung wird möglichst bald erbeten. Die Fahrtkosten sind bei der
Anmeldung im Pfarramt zu entrichten.
Gottes Segen
wünschen wir
Frau Magdalene Herld, welche am 15. Mai ihr 93. Lebensjahr vollendete und
Frau Margarethe Mayer, welche am 28. Mai ihren 80. Geburtstag feiern
durfte. Wir freuen uns, dass beide Gemeindeglieder ihre Ehrentage so
frisch erleben durften und hoffen, dass der Herr ihnen Frische und
Gesundheit noch lang erhalten möchte.
Neuregelung
der Gemeindebezirke
Durch
Königlichen Erlass vom 22. März 1960 werden die Gemeindebezirke in den
Ostkantonen und den angrenzenden Bezirken neu geregelt. Es wird errichtet
1. Die
Evangelische Kirchengemeinde Eupen - Neu-Moresnet
Sie umfasst die
im Kanton Eupen gelegenen Orte und dazu Welkenraedt, Membach, Baelen,
Gemmenich, Moresnet und Kelmis.
2. Die
Evangelische Kirchengemeinde Malmedy - St. Vith
Sie umfasst die
in den Kantonen Malmedy und St. Vith gelegenen Orte.
Der bisherige
Posten des zweiten Pfarrers der Evang. Kirchengemeinde Eupen kommt in
Fortfall. Anstelle dessen wird in Malmedy der Posten eines Titularpfarrers
geschaffen.
Nach Mitteilung
des Präsidenten der Synode der Evangelischen Kirche in Belgien muss somit
für Malmedy - St. Vith nunmehr ein Pfarrer nominiert, von der Gemeinde
gewählt und von der Synodaldirektion bestätigt werden.
Wir hoffen,
dass die nunmehrige Regelung von Bestand sein wird und dazu hilft, dass
sich das evangelische Leben in unserem Gebiet zu neuer Blüte entwickelt.
Kurz mitgeteilt
Am 5. Mai waren eine Anzahl unserer Gemeindeglieder im Pfarrhaus
zusammengekommen, um die Gründung einer Evangelischen Gesellschaft zu
erwägen. Diese soll vor allem eine Plattform der Begegnung für unsere
Gemeindeglieder werden und soll durch mancherlei Vorträge geistige
Anregung für jeden Interessierten geben. Die Anwesenden beschlossen, jeden
ersten Donnerstag im Monat (zum ersten Mal am 2. Juni) im Gemeindesaal
zusammenzukommen. Die Leitung dieser Veranstaltungen hat der Sekretär des
Verwaltungsrates, Herr Guy Gendebien, übernommen.
Infolge des sehr späten Ostertermins in diesem Jahr, der darauf folgenden
Missionswoche und der schon wieder beginnenden Abschlussexamen in der
Schule konnte der Konfirmandenunterricht vor den Ferien nicht mehr
aufgenommen werden. Er wird erst mit dem neuen Schuljahr begonnen werden,
dann aber mit einer Doppelstunde pro Woche. Die Zeit wird rechtzeitig
bekannt gegeben werden.
Am 1. Mai kamen der Chor und Gemeindeglieder der Freien Evangelischen
Gemeinde aus Antwerpen zu uns. Am Morgen sangen sie in Eupen im
Gottesdienst, am Nachmittag waren sie in unserer Kirche in Neu-Moresnet
zusammen mit den dortigen Gemeindegliedern vereint. In Wort und Lied
legten sie Zeugnis ab für den Herrn Jesus Christus. Ihr Kommen war uns ein
schönes Zeichen für die Bruderschaft, die wir in Christus miteinander
haben, auch dann wenn unsere Sprache und mancherlei Ausdrucksformen des
Gottesdienstes verschieden sind.
So wurde zum Ausklang des Tages
deutlich, dass wir uns aneinander gefreut haben und die Einladung an
unsere Gemeindeglieder, einmal nach Antwerpen zu kommen wurde ebenso
herzlich gegeben wie gern angenommen. Wir hoffen, dass wir im September
ihr nachkommen können. Familie Franssen sorgte in nicht erlahmendem Eifer
für das Wohl der Gäste und der Gemeindeglieder, wofür ihr herzlich Dank
gesagt werden soll. |
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Herausgeber:
Evangelische Kirchengemeinde Eupen - Neu-Moresnet - Malmedy -
St. Vith.
Pfarrer: Günter
Göring, Eupen, Hookstraße 40. Tel. 521.95.
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