Evangelische Kirchengemeinde Eupen - Neu Moresnet 

Home Nach oben Gebet Konfirmation Musik Mitarbeiter Predigt Rundfunk Royal Rangers Archiv Inhalt Links

150 Jahrfeier                                    

   

Anlässlich der 150 Jahrfeier der Eupener Friedenskirche erschien im Grenz-Echo am Freitag, dem 30. September 2005 der folgende interessante Artikel über unsere Gemeinde:

150 Jahre Friedenskirche in Eupen

Anlässlich der Union zwischen Reformierten und Lutheranern in Eupen wurde beschlossen, eine Kirche zu bauen, die den Namen »Friedenskirche« erhalten sollte. Der Grundstein zur protestantischen Kirche wurde 1851 gelegt. Am 5. Dezember 1855, vor genau 150 Jahren, wurde die an der Klötzerbahn im neugotischen Stil erbaute Friedenskirche offiziell eingeweiht. »Klomp« war die im Volksmund gebräuchliche Bezeichnung für das Gotteshaus.

 

Eupener Handwerker errichten dieses schöne Gotteshaus

150 Jahre Friedenskirche Eupen

Von Leo Kever

Die Zwillingstürme von St. Nikolaus und der durchbrochene Helm der evangelischen Friedenskirche prägen der Eupener Oberstadt ihre eigene Silhouette auf. Der Turm der Friedenskirche ist zweifelsohne etwas Besonderes.

Die Zwillingstürme von St. Nikolaus und der durchbrochene Helm der Evangelischen Friedenskirche prägen das Bild der Oberstadt. Der Turm der Kirche an der Klötzerbahn ist ein Meisterwerk des Eupener Kupferschlägers Strang, der seine Werkstätte im Schilsweg hatte.  (Foto Grenz-Echo)

Beim Bau der Friedenskirche vor nunmehr 150 Jahren kam weder eine Turmspitze aus Werksteinen noch eine aus Ziegelformstücken in Frage. Ein Helm aus Werkstein verbot sich, weil weder die Mittel für den Aufbau noch für die stärkere Unterkonstruktion vorhanden waren. Für eine Backsteinspitze aber fehlten die Voraussetzungen, weil die Ziegelfabrikation in unserer Gegend nicht so entwickelt war, um wirklich präzise Formsteine herzustellen. So blieb nur die Entscheidung für einen eisernen Turmhelm.

Bereits vor 434 Jahren

Eine reformierte Kirchengemeinde bestand in Eupen bereits zu Anfang des 16. Jahrhunderts. 1571 bildete diese Gemeinde hier einen religiösen Körper, welcher zwar einen eigenen Prediger noch nicht besaß, dessen Gottesdienste aber durch ein Konsistorium geregelt wurden. Nach der Besitznahme des Herzogtums Limburg durch die Niederländer am 8. September 1632 erklärte sich eine große Anzahl der Einwohner von Eupen und der umliegenden Ortschaften für die Lehren der Reformation. In Eupen war die Gemeinde so stark, dass für sie zwei Prediger notwendig waren »und der Gottesdienst abwechselnd mit den Katholiken in der Kirche zum hl. Nikolaus abgehalten wurde«.

Seit dem Jahre 1632 gibt es im Archiv der evangelischen Kirchengemeinde fortlaufend geführte Akten und immer wieder erneuerte Gemeindemitgliederverzeichnisse. 1635 kam Limburg wieder an Spanien. Die beiden Geistlichen wurden vertrieben und die protestantische Religion staatlicherseits verboten. Zu Beginn des spanischen Erbfolgekrieges zogen die Limburger wieder ins Limburger Land ein und der reformierte Gottesdienst war wieder erlaubt. Er wurde vorerst in Privathäusern verrichtet, bis man im Jahre 1707 ein eigenes Gebäude errichtete, und zwar an der Stelle des heutigen Pfarrhauses auf dem Hook. Die Grundsteinlegung erfolgte im Mai, die Weihe des Bethauses war am Sonntag, den 29. April 1708. Das obere Stockwerk wurde zum Gottesdienstraum hergerichtet. Parterre war die Wohnung für den Prediger. Die evangelisch-reformierte Gemeinde Eupen und die Pfarrstelle wurden 1807 staatlich anerkannt.

Die reformierte Gemeinde Eupen hatte damals 227 Mitglieder, in Kettenis waren es 22. Dazu gab es eine lutherische Gemeinde Eupen mit 69 Mitgliedern, die aber mit der reformierten Gemeinde praktisch vereinigt war.

1851

Durch die Bestimmungen des Wiener Kongresses wurde das Gebiet des heutigen Kantons Eupen - mit Ausnahme von Neutral-Moresnet - preußisch. Die reformierte und die lutherische Gemeinde Eupen kamen jetzt zur Kreissynode Aachen. Mit dem Beginn der Preußenherrschaft kamen noch mehr Lutheraner als bisher nach Eupen. Sie versahen den Dienst als Beamte beim Zoll, bei der Bahn, der Post und in der allgemeinen Verwaltung. Anlässlich der Einführung der Union zwischen Reformierten und Lutheranern in Eupen wurde beschlossen, eine Kirche zu bauen, die den Namen »Friedenskirche« erhalten sollte.

Der Grundstein zur protestantischen Kirche wurde am 30. Oktober 1851 gelegt. Der Bauplatz hatte der Evangelischen Gemeinde früher (ab 1655) als Friedhof gedient. Es gab allerhand Schwierigkeiten zu überwinden, ehe der geeignete Bauplan, den Regierungsbaurat Stein vorgelegt hatte, die Genehmigung der Regierung fand. Das Pergament im Grundstein trug folgenden Text: »Im Namen Gottes und zu seiner Ehre haben wir heute den Grundstein zu unserer neuen evangelischen Kirche gelegt. Nachdem die Gemeinde nach mannigfachen früheren Unterbrechungen, und Hemmungen sich seit dem Jahre 1783 in Folge des Toleranzedikts Kaiser Joseph II. von Österreich von Jahre 1781 einer freien Religionsübung erfreut und ihre Seelenzahl, welche gegenwärtig 500 Glieder beträgt, seitdem wieder in steter Zunahme begriffen gewesen - wurde schon im Jahre 1831, bei der Einführung der Union, durch welche sich in der ursprünglichen reformierten Gemeinde, die hiesigen lutherischen Glaubensgenossen mit den Reformierten zu einer evangelischen Gemeinde verbanden - das Bedürfnis lebhaft empfunden, anstatt des bisherigen, auf der Hookstraße gelegenen ungeeigneten Betsaals eine ihrem hohen Zwecke entsprechende, geräumige Kirche zu besitzen, und die langsame Ansammlung der erforderlichen Bausumme durch Verzinsung der gezeichneten Beiträge der einzelnen Gemeindemitglieder beschlossen. Diese Beiträge sind in unseren Tagen durch erneute freiwillige Gaben der Gemeindemitglieder, durch reichliche Geschenke auswärtiger Freunde der Gemeinde und durch ein Gnadengeschenk Sr. Majestät unseres Königs Friedrich Wilhelm IV. von Preußen in solcher Weise vermehrt worden, dass wir den längst genehmigten Bau auf der früheren Begräbnisstätte der Gemeinde, welcher wir hierdurch zugleich die würdigste Bestimmung zu geben glauben - im Vertrauen auf Gottes Hilfe haben beginnen können... Eupen, den 30. Oktober 1851...«.

Die Einweihung der im neugotischen Stil erbauten Friedenskirche erfolgte am 5. Dezember 1855. Nach Vollendung des Kirchenbaus wurde beschlossen, das Pfarrhaus ganz zur Wohnung umzubauen. Diese Arbeit konnte allerdings erst in den Jahren 1880/81 ausgeführt werden. Aus dem kleinen Betsaal an der Hookstraße stammt die Kanzel, die heute noch ihren Platz im Gotteshaus hat. Sie stammt aus der Zeit um 1680. Diese Rokokokanzel gefällt durch ihre Einfachheit. Die alte Orgel aus dem Betsaal am Hook wurde eingetauscht, und 1907 erhielt man eine größere Orgel mit 28 Register.

Meisterwerk

1853 war der Rohbau mit Ausnahme der Turmhaube fertig. Am 12. April 1854 schloss das Presbyterium mit Maschinenfabrikant Kirfel und Kupferschläger Strang die Verträge zur Herstellung und Aufbringung der eisernen Turmspitze. Die Eupener Turmspitze ist das Ergebnis der Zusammenarbeit eines Architekten, eines Maschinenbauers und eines Kupferschlägers. Die Höhe des Helmes beträgt ca. 17 Meter, sein unterer Durchmesser etwa 3,50 Meter. Der Turm der evangelischen Kirche in Eupen ist zweifellos etwas Besonderes. Die Bauleitung zum Bau der schönen Eupener Friedenskirche lag in den Händen von Herrn Schubert, dem technischen Lehrer an der Höheren Bürgerschule von Eupen.

Die Maurer- und Holzarbeiten wurden von der Eupener Firma Rosewick und Trost ausgeführt. Und die vorhin beschriebene durchbrochene schlanke Turmspitze entstand in der Werkstatt des Klempnermeisters Strang im Schilsweg. Die drei von der Firma Beduwe in Aachen gegossenen Glocken trugen die Inschriften: »Glaube«, »Hoffnung«, »Liebe«. Zwei von ihnen wurden als Kriegsopfer gefordert und am 19. Juni 1917 vom Turm geholt; nur die kleinste ist in der Kirche geblieben. Am 15. Dezember 1939 konnten die neuen Glocken eingeweiht werden. Es waren durch den Bochumer Verein gegossene Stahlglocken. Die verbliebene kleinste Bronzeglocke, die den Krieg überlebt hatte, wurde durch eine neue Stahlglocke ersetzt. In den Jahren 2004/2005 wurde die aus dem Jahre 1907 stammende Walcker-Orgel grundlegend restauriert. Am 31. Mai 1996 wurde diese Orgel unter Denkmalschutz gestellt. Über diese Orgel schrieben nach der vollendeten Restaurierung die Orgelbauer Jan Drozsowicz (Posen/Polen) und der Eupener Orgelbauer Guido Schumacher: »Die Restaurierung dieser Orgel bedeutet für die regionale Orgellandschaft eine wesentliche Bereicherung und erlaubt die Interpretation eines breiten Repertoires, das in unserer Gegend bisher nur selten zu Gehör kam und nun stilistisch korrekt dargeboten werden kann...«


 

Diese Zeichnung verrät einiges über die große handwerkliche Kunst des Eupener Handwerkers Strang, der den Helm der Friedenskirche errichtete. (Quelle Grenzecho)


Als dieses Bild der Eupener Klötzerbahn entstand fuhren meistens Fuhrwerke über das Straßenpflaster.

Rechts neben der Friedenskirche war der Gasthof Berners.

1855 war der Kirchbau auf dem Friedhof der Reformierten vollendet.

Der zinkumkleidete neugotische Turm beherrscht das Straßenbild.

Foto: Grenzecho


STICHWORT

»Dr Klomp«

»Klomp« war die in Eupen im Volksmund gebräuchliche Bezeichnung für die protestantische Kirche auf der Klötzerbahn. »Klomp« bedeutet Holzschuh. Der Holzschuh wurde in früheren Jahren in unserer Heimat vielfach getragen; in manchen Gegenden sogar während der ganzen Winterzeit, von November bis Ostern.  Er war vielen Menschen sehr vertraut und unentbehrlich wie Hose und Rock. Darum spielt er auch am Niederrhein in zahlreichen Sprichwörtern eine große Rolle. Es ist deshalb verständlich, wenn dort gelegentlich ein unförmliches Häuschen als »Klomp« bezeichnet wird.

Die Bezeichnung »Klomp« für evangelische Kirchen ist gebräuchlich in einer Reihe von Orten des linken Rheinufers. Die Reformierten in den Rheinlanden erhielten erst spät das Recht des Kirchenturmbaus. Als man in der Stadt Jülich 1742 eine neue Kirche baute, verbot der Landsherr die Errichtung eines Turmes.

Diese Verbot darf man für das ganze bis nach Kaldenkirchen sich erstreckende Herzogtum Jülich als gültig annehmen. Wenn nun die Reformierten Kirchen bauen durften, sahen diese anders,  schwerfälliger aus als die katholischen mit ihren ragenden Türmen, und so kam es  zu der Bezeichnung »Klomp«. Man kann sich gut vorstellen, dass die katholische Bevölkerung des Landstrichs diese Gotteshäuser als plump empfand.

Nachdem ein Witzbold irgendwo sie mit den landesüblichen einfachen Holzschuhen verglichen hatte, verbreitete sich die boshafte, aber wie eingangs dargelegt, volkstümliche Bezeichnung über das Entstehungsgebiet hinaus, wie dies bei volkstümlichen Redensarten so oft geschieht.

Und da die Katholiken zwischen Reformierten und anderen Evangelischen nicht besonders unterschieden, wurde später der Name »Klomp« für die Gotteshäuser aller Evangelischen gebräuchlich. Dabei vergaß man bald die eigentliche Bedeutung des Wortes und behielt die erstarrte volkstümliche Bezeichnung selbst dann noch bei, als auch die Kirchen der Evangelischen längst zu kunstvollen Bauten mit Türmen geworden waren...

 

Home ] Nach oben ]

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an: webmaster@ev-Kirche-Eupen-NeuMoresnet.org 
Stand: 04. Juni 2010